Die elektrischen Tagebaulokomotiven LHW/SSW Bo 30 t wurden bei LHW Bautzen und den Siemens-Schuckert-Werken 1928 in drei Exemplaren gefertigt. Sie wurden in der Grube Kraft II bei Deutzen bis 1960 eingesetzt und danach ausgemustert und verschrottet.

Geschichte Niederlausitzer Kohlenwerke mini|links|Schema der Untertage-Bunkeranlage bei Kraft II Deutzen Bei den Niederlausitzer Kohlenwerken wurde 1928 eine andere Technologie für die Förderung der in der Grube Kraft II liegenden Kohle zur auf der Rasensohle liegenden Brikettfabrik in Deutzen verwendet. Bis Mitte der 1920er Jahre wurde eine Kettenbahn verwendet, doch diese Technologie erwies sich nach mehreren Jahren zunehmend als hinderlich. Da die Verwendung eines Schrägaufzuges oder einer Zahnradbahn als uneffektiv eingeschätzt wurden, wurde vom Mundloch der Kohlegrube ein Zufahrtstunnel zu einem Bunker unterhalb der Brikettfabrik gebaut. In diesem befand sich eine getrennte Sortiereinrichtung für Brikettier- und Kesselkohle. Nach der Sortierung wurde die Kohle mit einem Becherwerk, gefertigt von der Leipziger Firma Adolf Bleichert & Co., auf die Rasensohle gehoben.Frank Barteld: Kohlebahnen im Meuselwitz Rositzer Revier, Verlag Barteld, Berga/Elster 2013, ISBN 978-3-935961-15-8 Der Kohlebahn oblag die Förderung der Kohle aus der Grube zum Bunker. Da sie keine großen Steigungen zu überwinden brauchte, war eine zweiachsige Lokomotive mit 600 V Gleichspannung für diese Dienste ausreichend.

Die Lokomotiven wurden als Typ 176 kW 600 V = bezeichnet.Auflistung der von SSW gefertigten Lokomotiven auf www.werkbahn.de (kann als CD kostenpflichtig erworben werden) Weitere Lokomotiven des Typs gab es für Kraft II nicht, auch bei anderen Betrieben ist diese Konfiguration nicht bekannt. Ähnliche Lokomotiven erhielten 1929 die Braunschweiger Kohlen-Bergwerke mit den Nummern SSW 2600, 2601, 2656 und 2657 als BKB 32–35, allerdings mit einer Dienstmasse von nur 17 bzw. 20 t.Joachim Ihme, Heinz-Jürgen Weist: Die Bahnen der Braunschweigischen Kohlen-Bergwerke (BKB) Helmstedt, Verlag Barteld Berga/Elster, 2021, ISBN 978-3-935961-25-7, Seite 203 Davon war im Jahr 2018 die BKB 32, SSW 2600 noch erhalten.Liste der erhaltenen Lokomotiven von SSW mit Erwähnung der BKB 32 auf www.werkbahn.de

Im Februar 1929 konnte der Betrieb bei Kraft II Deutzen aufgenommen werden, wobei eine Lokomotive sechs Selbstentladewagen mit einem Ladevolumen von je 35 m³, das entspricht einer Ladungsmasse von je 25 t, beförderte. Die Wagen besaßen eine automatische Kupplung und Pressluftantrieb der Entladeeinrichtungen, die von der Lok gesteuert wurden. Als ab 1939 die Großschwelerei Deutzen in Betrieb genommen wurde, wurde eine andere Förderstrecke mit 1200 V Gleichspannung in Betrieb genommen. Dafür wurden Lokomotiven vom Typ Henschel/SSW Typ Regis beschafft.

Nachkriegsgeschichte

Die Lokomotiven Kraft II 1–3 haben den Zweiten Weltkrieg überstanden und wurden im November 1945 der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) übereignet. Da das Werk Deutzen ab 1946 Teil der Sowjetischen Aktiengesellschaft (SAG) wurde und 1952 zurück unter deutsche Hoheit gelangte, ist ein Weiterbetrieb nicht ausgeschlossen. Spätestens 1959 mit Ende der Kohleförderung durch den Fördertunnel wurden die Lokomotiven nicht mehr verwendet.

Technik

Die Industrielokomotiven, mechanisch hergestellt von LHW Bautzen und elektrisch von SSW,Georg Klein: Die deutsche Braunkohlenindustrie 1, Handbuch für den deutschen Braunkohlenbergbau, in Die deutsche Braunkohlenindustrie, Halle 1933 hatten einen mittleren Führerstand mit Schiebetür, die Achsfolge Bo' und beidseitig Vorbauten. Sie besaßen einen Achsstand von 2,2 m, sämtliche anderen Fahrwerksmaße sind allerdings nicht bekannt. Die Federung war eine einfache direkte Federung des Fahrgestelles mit den Achsen über Blattfedern, verbunden mit Federschrauben. Die Lokomotiven wurden in Nietkonstruktion erstellt. Sie waren mit einem Haupt- sowie einem seitlichen Hilfsstromabnehmer gleicher Größe auf dem Dach ausgeführt, so wie es auch bei den ersten Abraumlokomotiven von SSW bei Kraft II üblich war.

Die elektrische Ausrüstung stammte von SSW und war als Gleichstromtechnik ausgeführt. Der Fahrstrom gelangte von der Fahrleitung und Stromabnehmer über den zentral gelegenen Nockenfahrschalter mit der Widerstandssteuerung zu den Fahrmotoren, die als Reihenschlussmaschinen ausgeführt waren. Die Druckluft für die Druckluftbremse und die Steuerung der Entleerung der Kohlewagen wurde von zwei Kompressoren erzeugt, elektromechanische Schütze schalteten die Hilfsbetriebmotoren. Die Steuer- und Beleuchtungsspannung betrug 24 V. Laut Literaturquellen sind es die ersten mit Fremdkühlung hergestellten Tagebaulokomotiven. Die Motorenkühlluft wurde auf der Ritzelseite der Motoren eingeblasen und verließ sie wieder auf der Seite des Kollektors. Die Lüfter saßen in den Lokvorbauten vor den Achsen, die Kühlung ermöglichte eine Erhöhung der Dauerleistung der Lokomotiven. Auf Grund der unsicheren Gleislage und der hohen zu übertragenden Stromstärken wurden die Stromabnehmer als Walzenstromabnehmer ausgeführt. Betätigt wurden die Stromabnehmer über Zugleine gegen eine Federkraft, in der tiefsten Stellung konnten die Stromabnehmer mit einer Einklinkvorrichtung festgehalten werden. Gesandet wurden beide Achsen jeweils von außen.

Siehe auch

Liste schmalspuriger Lokomotiven von Henschel

Literatur

Georg Klein: Die deutsche Braunkohlenindustrie 1, Handbuch für den deutschen Braunkohlenbergbau, in Die deutsche Braunkohlenindustrie, Halle 1933, Frank Barteld: Kohlebahnen im Meuselwitz Rositzer Revier, Verlag Barteld, Berga/Elster 2013, ISBN 978-3-935961-15-8

Weblinks

Internetseite auf www.kuladig über den Tagebau Kraft II Deutzen Internetseite über den Tagebaubaubetrieb um Borna/Regis/West auf agreement-berlin.de

Einzelnachweise

Kategorie:Triebfahrzeug (Deutschland) Kategorie:Schienenfahrzeug (LHB) Kategorie:Schienenfahrzeug (SSW) Kategorie:Tagebaulokomotive Kategorie:Gleichstrom 600 V