Tomé-Açu ist eine brasilianische Gemeinde im Bundesstaat Pará im Norden des Landes. Sie liegt im Nordosten des Bundesstaates im Amazonasbecken und ist insbesondere für ihre landwirtschaftliche Produktion sowie die Geschichte japanischer Einwanderung bekannt. Die Einwohnerzahl wurde vom Instituto Brasileiro de Geografia e Estatística (IBGE) im Jahr 2025 auf rund 73.000 geschätzt.
Geografie und Klima Tomé-Açu liegt im Nordosten des Bundesstaates Pará auf einer Höhe von etwa 20 Metern über dem Meeresspiegel. Die Gemeinde befindet sich in einer Region mit tropischem Regenwald und ausgedehnten landwirtschaftlichen Nutzflächen.
Das Klima ist tropisch-feucht mit hohen Temperaturen und starken Niederschlägen. Die Durchschnittstemperaturen liegen meist zwischen 22 und 33 °C.
Geschichte Die Region des heutigen Tomé-Açu wurde im frühen 20. Jahrhundert im Zuge von Kolonisationsprojekten erschlossen. Eine besondere Rolle spielte die Ansiedlung japanischer Einwanderer ab den 1920er Jahren, die landwirtschaftliche Techniken einführten und neue Kulturen etablierten. Dank der japanischen Einwanderer entwickelte sich Tomé-Açu einem weltweit bedeutenden Produzenten von schwarzem Pfeffer. Durch die Japaner wurde die Region auch zum größten Acerola-Produzenten Brasiliens, wodurch der Ort weltweite Aufmerksamkeit auf sich zog.
Infolge des Zweiten Weltkriegs (1939–1945) wurde die Anwesenheit japanischer Einwanderer und solcher aus Achsenmächten mit Argwohn betrachtet, da man befürchtete, es könnten eingeschleuste Agenten sein. In Tomé-Açu wurden deshalb Japaner interniert, wobei diese Lager erst mit Ende des Krieges aufgelöst wurden.Taira, Camila. "Imigrantes no campo de concentração", Made in Japan, ano XIII, nº146, 2009, S. 42–43.
Tomé-Açu, als Stadtteil von Acará, galt als bedeutende städtische Agglomeration innerhalb der Gemeinde Acará. 1952 begannen die Einwohner von Tomé-Açu eine Bewegung für die politische Unabhängigkeit von der Verwaltung der Gemeinde Acará. Der Gouverneur des Bundesstaates genehmigte mit Gesetz Nr. 1127 vom 10. Mai 1955 die Gründung der Gemeinde Tomé-Açu sowie mehrerer anderer neuer Gemeinden und die Ernennung neuer Bürgermeister. Der Oberste Bundesgerichtshof erklärte das Gesetz jedoch am 4. Oktober 1955 für verfassungswidrig. Die Bemühungen zur Gemeindegründung gingen weiter und 1959 wurde Tomé-Açu schließlich durch ein neues Gesetz unabhängig.
Demografie Die Einwohnerzahl wurde 2025 auf etwa 73.000 Personen geschätzt. Die Bevölkerung ist überwiegend urban geprägt, wobei auch ländliche Siedlungen eine wichtige Rolle spielen. 2022 lebte etwas mehr als ein Drittel der Bevölkerung außerhalb der Kernsiedlung.
JahrEinwohner199141.403200047.273201056.518202267.585Volkszählungen
Wirtschaft Die Wirtschaft von Tomé-Açu basiert vor allem auf Landwirtschaft. Die Region ist bekannt für den Anbau von Kakao, Pfeffer, Açaí, Palmöl und anderen tropischen Kulturen. Die Gemeinde ist für ihre Vorreiterrolle im nachhaltigen Agroforstwirtschaftssystem (Sistema Agroflorestal de Tomé-Açu, SAFTA) bekannt ist. Die Region, geprägt von japanisch-brasilianischen Einflüssen, verbindet tropische Landwirtschaft (Palmöl, Kakao, Früchte) mit Waldregeneration. Das System wurde von japanisch-brasilianischen Bauern in den 1970er Jahren entwickelt.
Darüber hinaus spielt die agroindustrielle Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte eine wichtige Rolle.
Religion Tomé-Açu gehört zum römisch-katholischen Erzbistum Belém do Pará. Neben der katholischen Kirche sind auch evangelische Gemeinden vertreten.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Ort in Pará Kategorie:Município in Pará Kategorie:Gemeindegründung 1959