Der König und der Kuhhirt (Kānkanmālā ār Kānchanmālā) ist ein bengalisches Märchen.Heinz Mode, Arun Ray (Hrsg.): Bengalische Märchen, Insel-Verlag, Leipzig 1984, S. 100–106, 406–408.
Handlung Ein Prinz und ein Hirtenknabe hegten eine Freundschaft, wobei letzterer dem Königssohn ab und zu etwas auf seiner Flöte vorspielte und ersterer dem Hirtenknabe versprach, dass er ihn, wenn er König werde, zu seinem Ersten Minister machen werde. Später heiratete der Prinz die Prinzessin Kānchanmālā und wurde sehr glücklich, doch er vergaß seinen Freund, woraufhin sein gesamter Körper eines Morgens mit stechenden Nadeln bedeckt war. Da er in diesem Zustand nichts mehr tun konnte, sann er nach und erinnerte er sich an sein gebrochenes Versprechen.
Königin Kānchanmālā übernahm in der Folge die Regierung im Reich und eines Tages begegnete sie Kānkanmālā, die darum bat ihre Dienerin sein zu dürfen. Kānkanmālā ging dann mit Kānchanmālā baden und bemächtigte sich des Schmucks sowie der Kleidung der Königin und gab sich für diese aus; umgekehrt wurde die Königin ihre Dienerin. Die neue Königin regierte mit Schrecken. Kānchanmālā aber begegnete einem Mann, der aufgrund ihres kunstfertigen Geschicks in ihr die wahre Königin erkannte. Zur Rede gestellt, befahl die falsche Königin den Fremden und Kānchanmālā hinzurichten. Der Mann aber beschwor seine Fäden, die alsgleich den Henker fesselten, den König von den Nadeln befreiten und Kānkanmālā Augen und Mund zunähten.
Da öffnete der König seine Augen und erkannte seinen Freund, den Hirtenknaben, den er sogleich zu seinem Ersten Minister machte. Auch schenkte er ihm eine goldene Flöte und nachdem Kānkanmālā unter schrecklichen Schmerzen gestorben war, lebten die beiden Freunde und Kānchanmālā ein glückliches Leben.
Hintergrund Das Märchen stammt aus Dakshinaranjan Mitra-Majumdars Thākurmār Jhuli (Calcutta 1907) und erhielt in Heinz Modes und Arun Rays Bengalische Märchen (Leipzig 1984) den deutschen Titel Der König und der Kuhhirt. Eine stark gekürzte Variante findet sich in F. B. Bradley-Birts Bengal Fairy Tales (London 1920, III, XIII). Beinahe identisch ist das Märchen Der Nadelkönig und der Hirt mit der Flöte in Tapanmohan Chatterjis Sous les Manguiers (Paris 1923, Nr. 1). Bei Stith Thompsons und Warren E. Roberts’ Types of Indic Oral Tales (Helsinki 1960) ist die Variante von Bradley-Birt dem Typ 437 zugeordnet, während Chatterjis Variante den Typ 533 erhielt.
Literatur Heinz Mode, Arun Ray (Hrsg.): Bengalische Märchen, Insel-Verlag, Leipzig 1984, S. 100–106, 406–408.
Einzelnachweise
Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Bengalisch) Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Märchen