Das Hochhaus am Lambrechtsgrund (Werner-Seelenbinder-Straße 4) in der Schweriner Weststadt wurde in den Jahren 1961 bis 1963 nach den Plänen des Architekten Heinrich Handorf gebaut. Mit zehn Stockwerken und einer Höhe von 35 m war es bei Fertigstellung das höchste Wohnhochhaus im Bezirk Schwerin im Norden der DDR und es war das erste Hochhaus in Schwerin.

Das Projekt hatte den Zweck, eine städtebauliche Lösung für den Bau eines Schornsteines des Heizhauses der Schweriner Sport- und Kongresshalle zu finden.

Geschichte Lage im Sportforum Schwerin Zuvor war von 1953 bis 1956 das Stadion Lambrechtsgrund als Basis für ein Sportforum gebaut worden. Ein Café mit Terrasse, eine Gaststätte und eine Schwimmhalle sollten das Forum komplettieren. Für das Haus mit dem Heizhausschornstein wurde ein Bauplatz in repräsentativer Lage auf einem Hügel gegenüber der Sport- und Kongresshalle vorgesehen. Die ehemalige Ausfahrtstraße Schwerins, die Wittenburger Straße, wurde als Sichtachse auf das Hochhaus festgelegt.

Ursprüngliche Planung Ein städtebaulicher Wettbewerb wurde für 1960 ausgeschrieben. Heinrich Handorfs Modell zeigte innerhalb einer Bauausstellung im Schweriner Museum ein Punkthaus auf der Anhöhe gegenüber der Veranstaltungshalle. In dem Hang unter diesem Hochhaus war ein Heizhaus vorgesehen, von diesem sollten die Rauchgase über den Hochhausschornstein abgeleitet werden.

Technische Lösung Das Projekt wurde anfänglich von den Baubehörden nicht genehmigt, weil es einen architektonisch störenden Schornsteinaufsatz vorsah, der das Hochhaus um zehn Meter überragt hätte.

Daraufhin wurde nach dem Muster eines Heizkraftwerks in München mit einer Abströmplatte eine andere technische Lösung entwickelt, um die Rauchgase der Hallenheizung abzuleiten.

Handorf ermittelte mit Hilfe der Technischen Universität Dresden in Strömungsversuchen mit einer Abströmplatte die Windverhältnisse. Die Modellversuche fielen positiv aus und das Projekt wurde entsprechend geändert.

Bau Die Baugenehmigung für das Hochhaus nach den veränderten Plänen wurde erteilt und die Schweriner Bauunion errichtete den Hochbau, noch teilweise in herkömmlicher Ziegelsteinbauweise mit 950.000 Mauersteinen. Die Anzahl der zehn Stockwerke durfte aus finanziellen Gründen nicht überschritten werden.

Kunst am Bau Der zur Hauptstraße sichtbare Südgiebel erhielt am 13. September 1973 einen schmiedeeisernen Fassadenschmuck Aufbruch in den Kosmos mit der Symbolik Mann, Frau, Sputnik (mit fünfzackigem rotem Stern). Dieses Kunstwerk fertigte das Schweriner Künstlerkollektiv Bannewitz.

Wenige Meter östlich des Gebäudes befindet sich die Bronzeskulptur Vater mit zwei Töchtern von Stephan Horota.

Hindernisse sozialistischer Planwirtschaft Da es Fertigstellungsprobleme am Kesselhaus gab, wurde die Sport- und Kongresshalle zunächst provisorisch mit einer Dampflok der Baureihe 50 der Deutschen Reichsbahn beheizt. Dann wurde eine Schwerölheizung in Betracht gezogen, vier Ölbehälter wurden zeitnah in Hanglage eingebaut, diese Ölheizung wurde wiederum im August 1963 durch einen Fernwärmeanschluss innerhalb der Weststadt ersetzt. Der Schornstein im Hochhaus war ab diesem Zeitpunkt nur noch für die eigene Hausheizung notwendig.

Haussanierung Seit Beginn der 1990er Jahre ist das erste Hochhaus in Schwerin ein Baudenkmal. Im Mai 2015 begann die Sanierung und der Umbau des in die Jahre gekommenen Wohnhochhauses nach einem Architektenwettbewerb. Dieser Plan garantierte die Auflagen der Denkmalschutzbehörden.

Technische Daten Die technischen Daten wurden veröffentlicht und können hier einen Überblick über verbaute Materialien, Baukosten eines Hochhauses in den 60er Jahren der DDR geben. Höhe ca. 35 m über der Straße Bauzeit 1961 bis 1963 Baubetrieb Schweriner Bauunion Zweiter bewohnter Schornstein in Deutschland 78 Wohnungen mit Einbauküchen, Müllschlucker und Türsprechanlagen 68 Wohnungen nach der Sanierung in 2012 1 ½ Zimmerwohnungen mit Kochnische und Dusche 2 ½ Zimmerwohnungen mit Küche und Bad Unterkellerter Hofbereich für Mieterkeller Baukosten 2.300.000 Mark der DDR Kosten pro Wohnung geringer als 30.000 Mark Ingenieur-Mauerwerksbau mit gemauerten Wänden 950.000 Klinker und Mauerziegel vorgefertigte Betondecken 2200 Betonfertigteile 1350 t Beton 150 t Rundstahl 1000 m² Fensterglas 65.000 Stück Wandfliesen 4000 m² Fußbodenbeläge

Literatur Hans-Jürgen Wüsthoff: 60 Jahre Weststadt, Ein Schweriner Stadtteil. Hrsg. Hans-Jürgen Westhoff, Verlag tinus-medien.de, Schwerin 2013, S. 74–81, ISBN 978-3-9814380-7-9

Weblinks

Einzelnachweise

Hochhaus am Lambrechtsgrund Hochhaus am Lambrechtsgrund Kategorie:Hochhaus in Mecklenburg-Vorpommern Kategorie:Erbaut 1963