Otto Karl Wilhelm Stahl (* 20. August 1887 in Magdeburg; † 29. April 1945 in Berlin) war ein deutscher Chirurg und in der Zeit des Nationalsozialismus Funktionär des Deutschen Roten Kreuzes.
Leben Otto Stahl war ein Sohn des Kaufmanns Wilhelm Stahl und dessen Ehefrau Friederike, geb. Adler, in Neustadt-Magdeburg.Geburtsurkunde, abgerufen über ancestry.com
Er studierte Medizin an der Berliner Kaiser-Wilhelms-Akademie für das militärärztliche Bildungswesen. 1911 wurde er an der Universität Berlin mit einer Dissertation zur Wasserversorgung Magdeburgs promoviert und erhielt seine Approbation.Berufliche Stationen nach Rolf Winau, Ekkehard Vaubel: Chirurgen in Berlin: 100 Portraits. Berlin, Boston: De Gruyter 1983 doi:10.1515/9783110868562, S. 95
Er begann eine chirurgische Facharztausbildung bei Friedrich Thöle in Hannover. Nach Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg, ab 1917 als StabsarztMilitär-Wochenblatt 1917, Sp. 719, setzte er diese in Berlin an der Charité bei Otto Hildebrand und dessen Nachfolger Ferdinand Sauerbruch fort. 1923 habilitierte er sich für Chirurgie. 1928 erfolgte seine Ernennung zum außerordentlichen Professor. Stahl trat zum 1. Mai 1932 in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer 1.146.222)Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/42341055Dieter Riesenberger: Das Deutsche Rote Kreuz: eine Geschichte 1864-1990. Paderborn: Schöningh 2002, ISBN 9783506772602, S. 356 und gehörte damit, wie der Geschäftsführer des DRK Ernst-Robert Grawitz hervorhob, zu jenen „wenigen deutschen Gelehrten und führenden Ärzten, die sich vor der Machtübernahme offen zum Führer bekannt“ hatten.Birgitt Morgenbrod, Stephanie Merkenich: Das Deutsche Rote Kreuz unter der NS-Diktatur 1933–1945. Paderborn: Schöningh 2008, ISBN 978-3-506-76529-1, S. 149 1933 übernahm er von Otto Nordmann als Ärztlicher Direktor und Leitender Arzt die Chirurgische Abteilung des Städtischen Auguste-Viktoria-Krankenhauses, des heutigen Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikums.
Im Herbst 1933 erhielt das Deutsche Rote Kreuz eine neue Satzung, die eine Gleichschaltung im Sinne des Nationalsozialismus ermöglichen sollte. In der Folge wurde Stahl 1934 zum Reichswalter für das Schwesternwesen im DRK ernannt.Birgitt Morgenbrod, Stephanie Merkenich: Das Deutsche Rote Kreuz unter der NS-Diktatur 1933–1945. Paderborn: Schöningh 2008, ISBN 978-3-506-76529-1, S. 104 Damit war er Vermittler zwischen der DRK-Hauptverwaltung und den DRK-Schwesternschaften und Mutterhäusern unter der Generaloberin Elisabeth Tomitius, ab 1935 Luise von Oertzen. Mit der Neuordnung durch das DRK-Gesetz vom 9. Dezember 1937 wurde Stahl Leiter des Amts VI: Schwesternschaften beim Präsidium des DRK. In dieser Funktion war er verantwortlich für die Zentralisierung der Schwesternschaften, den weitgehenden Rückzug der Schwestern aus der Gemeindekrankenpflege zugunsten der NSV und eine stärkere Ausrichtung und Vorbereitung auf den Kriegseinsatz.
Bei Kriegsbeginn 1939 ernannte Grawitz Stahl zu seinem Chef des Stabes mit weitreichenden Vollmachten und schlug ihn im Falle seines Todes als unmittelbaren Nachfolger vor. Als Teil des Plans einer umfassenden Verzahnung der DRK-Spitze mit der SS wurde Stahl gleichzeitig auf Vorschlag von Grawitz zum 1. Oktober 1939 in die SS aufgenommen, wo er sogleich den Rang eines SS-Standartenführers erhielt und zur Dienststelle des Reichsarzts SS (ebenfalls Grawitz) abgeordnet wurde.Markus Wicke: SS und DRK: das Präsidium des Deutschen Roten Kreuzes im nationalsozialistischen Herrschaftssystem 1937–1945. Potsdam 2002, ISBN 978-3-8311-4125-8, S. 99f
Otto Stahl war seit 1927 verheiratet mit der aus Hannover stammenden Zahnärztin Johanne Gertrud, geb. Mirow (1888–1976). Er wurde in der Endphase der Schlacht um Berlin am 29. April 1945 bei einem Luftangriff auf dem Gelände des Auguste-Viktoria-Krankenhauses getötet.Nach der Sterbeurkunde, Berlin-Schöneberg Nr. 2608/1945, abgerufen über ancestry.com
Werke Zur Wasserversorgung der Stadt Magdeburg. Med. Diss. Berlin: Ebering 1911 mit Friedrich Brüning: Die Chirurgie des vegetativen Nervensystems. Berlin: Springer 1924 Handbuchbeitrag zum selben Thema im Martin Kirschner/Otto Nordmann: Die Chirurgie 1929 Die Chirurgie des Halssympathikus, in: Richard Hoffmann/Felix Blumenfeld: Handbuch der speziellen Chirurgie des Ohres und der oberen Luftwege. 1932, S. 947–968 Chirurgische Eingriffe am autonomen Nervensystem. In: Rudolf Cobet, Kurt Gutzeit (Hrsg.): Neue Deutsche Klinik. Band 14 (4. Ergänzungsband), Berlin: Urban & Schwarzenberg 1937, S. 196–242
Daneben publizierte er über Knochen- und Gelenkchirurgie und über Fragen der inneren Sekretion.
Literatur Rolf Winau, Ekkehard Vaubel: Chirurgen in Berlin: 100 Portraits. Berlin, Boston: De Gruyter 1983 doi:10.1515/9783110868562, S. 95 Markus Wicke: SS und DRK: das Präsidium des Deutschen Roten Kreuzes im nationalsozialistischen Herrschaftssystem 1937–1945. Potsdam 2002, ISBN 978-3-8311-4125-8, bes. S. 99 Birgitt Morgenbrod, Stephanie Merkenich: Das Deutsche Rote Kreuz unter der NS-Diktatur 1933–1945. Paderborn: Schöningh 2008, ISBN 978-3-506-76529-1
Weblinks Stahl, Otto, kumuliertes Personenregister, Akten der Reichskanzlei, Regierung Hitler 1933-1945
Einzelnachweise
Kategorie:Person (Deutsches Rotes Kreuz) Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:SS-Arzt Kategorie:Absolvent der Kaiser-Wilhelms-Akademie für das militärärztliche Bildungswesen Kategorie:Hochschullehrer (Humboldt-Universität zu Berlin) Kategorie:Chirurg Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1887 Kategorie:Gestorben 1945 Kategorie:Mann Kategorie:Person im Ersten Weltkrieg (Deutsches Reich) Kategorie:Stabsarzt