Iulius Alexander ist durch zwei kleinasiatische Inschriften als Träger consularischen Rangs zur Zeit Trajans (reg. 98–117) sowie als König von Kilikien bezeugt. Die eine, heute im British Museum befindliche InschriftOGIS 429. wurde in Ephesos seinem Sohn C. Iulius Agrippa,Zu diesem vgl. Edmund Groag: Iulius 50. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft, Bd. X,1, Stuttgart 1918, Sp. 143. Quaestor in der Provinz Asia, gesetzt; die andere ist ein Ehrendekret für den angesehenen Galater C. Iulius Severus aus Ankyra.OGIS 544 = IGR III 173 = Clemens Emin Bosch: Quellen zur Geschichte der Stadt Ankara im Altertum, Ankara 1967, Nr. 105 [mit dt. Übers.]; vgl. auch Groag/Stein, PIR² A 500. Daraus ergibt sich, dass Alexander zur Zeit der Errichtung des Denkmals consularischen Rang innehatte und zugleich zum Führen des Königstitels berechtigt war. Das Consulat ist frühestens um 100, spätestens jedoch um 109 n. Chr. anzusetzen.Edmund Groag: Iulius 57. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft, Bd. X,1, Stuttgart 1918, Sp. 150–53, hier: Sp. 150f.; auch Ronald Syme: Rezension zu: Attilio Degrassi, I Fasti Consolari Dell’ Impero Romano Dal 30 Av Anti Christo al 613 Dopo Christo. In: The Journal of Roman Studies 43 (1953), S. 148–61, hier: S. 154; und Helmut Halfmann: Die Senatoren aus dem östlichen Teil des Imperium Romanum bis zum Ende des 2. Jahrhunderts n. Chr., Göttingen 1979, S. 119, Nr. 25, vgl. auch S. 141, Nr. 47.
Vollständig wird sein Name wohl als C. Iulius Alexander zu ergänzen sein.Edmund Groag: Iulius 57. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft, Bd. X,1, Stuttgart 1918, Sp. 150–53, hier: Sp. 151. In der Forschung wird er zumeist mit dem bei Josephus bezeugten Alexander identifiziert, dem Sohn des von Nero 60 n. Chr. als Herrscher über Armenien eingesetzten Tigranes VI.,Gleichsetzung bei Edmund Groag: Iulius 57. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft, Bd. X,1, Stuttgart 1918, Sp. 150–53; und Martin Schottky: Iulius II 6. In: Der Neue Pauly, Bd. 6, Stuttgart/Weimar 1999, S. 24f.; unetschieden Groag/Stein, PIR² A 500. der unter den Römern in Kilikien geherrscht hatte.Iosephus, antiquitates Iudaicae 18,140. Trifft diese Gleichsetzung zu, so ergibt sich für den in der Inschrift Genannten eine weitverzweigte dynastische Einbindung: Er wäre demnach Urenkel sowohl Herodes’ I. als auch des Archelaos Sisines, zugleich Großneffe des Tigranes V. von Armenien sowie Enkel Alexanders und der Glaphyra. Verheiratet war Alexander wiederum mit Iotape, einer Tochter des Antiochos IV. von Kommagene.Iosephus, antiquitates Iudaicae 18,140. Über diese Verbindung war er Schwager des C. Iulius Antiochus EpiphanesMartin Schottky: Iulius II 11. In: Der Neue Pauly, Bd. 6, Stuttgart/Weimar 1999, Sp. 25f. und des Iulius Kallinikos.Martin Schottky: Iulius II 76. In: Der Neue Pauly, Bd. 6, Stuttgart/Weimar 1999, Sp. 36. Nach der Eingliederung des kommagenischen Reiches im Jahr 72 n. Chr. scheint Kaiser Vespasian (reg. 69–79) aus ehemals kommagenischem Besitz in rauem Kilikien, wo zuvor auch Archelaos geherrscht hatte, ein Klientelkönigtum Cetis geschaffen zu haben. Dieses umfasste das Flussgebiet des Kalykadnos und die angrenzende Küste und wurde offenbar einige Jahre von Alexander und Iotape regiert. In dieser Zeit könnte Babrios einem seiner Söhne das zweite Buch seiner Fabeln gewidmet haben.Babrios, Proömium 2, ὦ παῖ βασιλέως Ἀλεξάνδρου. Möglicherweise unter Domitian (reg. 81–96) wurde das kleine Reich der Provinz Kilikien eingegliedert, während Iulius Alexander den Königstitel behielt und in den römischen Senat aufgenommen wurde.Für Überlegungen bezüglich dieser Vorgänge vgl. Edmund Groag: Iulius 57. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft, Bd. X,1, Stuttgart 1918, Sp. 150–53; Richard D. Suvilla: The Dynasty of Commagene. In: Hildegard Temporini/Wolfgang Haase: Aufstieg und Niedergang der römischen Welt, Bd. II,8, Berlin/Boston 1977, S. 732–98, hier: S. 794f.; ders.: Papyri Reflecting the Eastern Dynastic Network. In: ebd., S. 908–39, hier: S. 936–38; Nikos Kokkinos: The Herodian Dynasty. Origins, Role in Society and Eclipse, Sheffield 1998, S. 251–54; Martin Schottky: Iulius II 6. In: Der Neue Pauly, Bd. 6, Stuttgart/Weimar 1999, Sp. 24f. Vielleicht war er in zweiter Ehe mit einer Berenike aus dem judäischen Königshaus verheiratet.Edmund Groag: Iulius 57. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft, Bd. X,1, Stuttgart 1918, Sp. 150–53, hier: Sp. 152f.
Literatur Edmund Groag: Iulius 57. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft, Bd. X,1, Stuttgart 1918, Sp. 150–53. Richard D. Suvilla: The Dynasty of Commagene. In: Hildegard Temporini/Wolfgang Haase: Aufstieg und Niedergang der römischen Welt, Bd. II,8, Berlin/Boston 1977, S. 732–98, hier: S. 794f. Martin Schottky: Iulius II 6. In: Der Neue Pauly, Bd. 6, Stuttgart/Weimar 1999, Sp. 24f. (Digitalisat).
Anmerkungen
Kategorie:König Kategorie:Geboren im 1. Jahrhundert Kategorie:Gestorben im 2. Jahrhundert Kategorie:Mann