Marie Rudolf-Probst (* 5. Januar 1865 in Neuenburg; † 27. September oder 5. Oktober 1941 in Bern) war eine Schweizer Luftfahrtpionierin und erste Ballonpilotin der Schweiz.
Leben mini|hochkant|Marie Rudolf-Probst in ihrem Aeroclub-Brevet Marie Rudolf-Probst, Tochter eines Bauern, ging in Saint-Blaise und Marin zur Schule. Als junge Frau zog sie nach Bern, um Deutsch zu lernen. Als Sommelière war sie im «Café National» tätig, wo sie den Sattler Urs Joseph Rudolf kennenlernte. Nach ihrer Heirat übernahmen sie in Bern das Gasthaus «Obere Meierei» am Hirschengraben 3,1913 zogen sie in das «Café Rudolf» an der Laupenstrasse Nr. 1.
Im selben Haus hatte der Genfer Oberst Théodore Schaeck sein Büro, der 1901 mit anderen Interessierten im Café den Aero-Club der Schweiz gründete. Auch Marie, fasziniert von den Schilderungen der Ballonpioniere wie Eduard Spelterini, Emil Messner und Schaeck, wurde Mitglied. An der 13. Fahrt des Aero-Clubs war sie erstmals mit an Bord. Im August 1908 war sie Passagierin in der ersten Fahrt des neuen Ballons «Helvetia» – der allerdings trotz Ballastabwurf im Zürichsee landete.
Am 27. August 1911 absolvierte Marie ihre erste Solofahrt. Mit dem nur 700 Kubikmeter fassenden Ballon «Blitz» fuhr sie von Bern über Payerne Richtung Moudon und weiter zum Genfersee. Da sie wusste, dass sie den See nicht überfliegen konnte, landete sie in Bremblens, drei Kilometer westlich von Morges, wo sie von der Bevölkerung begeistert begrüsst wurde.
mini|Marie Rudolf-Probst (links) nach einer unsanften Landung ihres Ballons, 3. November 1912 Am 3. November 1912 um neun Uhr startete Marie Rudolf mit dem Ballon «Theodor Schaeck» zu ihrer letzten Prüfungsfahrt. An Bord waren Passagiere und der Prüfungsexperte Paul Armbruster. Sie fuhren über Flamatt, Freiburg und Lausanne, überquerten den Genfersee und landeten im französischen Annemasse. Nach bestandener Prüfung erhielt sie am 11. Dezember 1912 das Flug-Brevet Nr. 34. Somit war sie die erste Schweizerin, die als Kommandantin ein Luftfahrzeug führte.
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs nahmen die Ballonfahrten im Sommer 1914 ein Ende. Anfänglich war die eidgenössische Ballontruppe noch im Einsatz, aber als Schweizer Beobachtungsballons an der Grenze zu Frankreich von deutschen Jagdfliegern abgeschossen wurden, war das zu gefährlich geworden. Während des Krieges begleitete Marie Rudolf-Probst als Sanitäterin Kriegsverletzte in Sanitätszügen zwischen Konstanz und Lyon. Ob und wie oft sie nach dem Krieg noch flog, ist nicht bekannt.
Nach der Erkrankung ihres Ehemannes zog das Paar um 1920 nach Oberhofen BE, wo Urs Joseph am 14. Juli 1922 im Alter von 71 Jahren verstarb. Marie Rudolf-Probst starb 1941 im Alter von 77 Jahren in Bern. Das Paar war kinderlos geblieben.
In einer Meldung bezeichnete die NZZ sie als «Bahnbrecherin des schweizerischen Ballonsportes».Karl Horat: Vergessene Heldin der Lüfte. In: St. Galler Tagblatt. 18. April 2026.
Die auch im Nachruf erwähnte Meldung, wonach Marie Rudolf-Probst am Gordon-Bennett-Wettfliegen am 3. Oktober 1909 in Zürich zusammen mit dem Piloten Dr. Farner den ersten Preis in der Zielfahrtkonkurrenz gewonnen habe, scheint nicht den Tatsachen zu entsprechen. Weder 1909 noch in einem anderen Jahr werden sie und Dr. Farner erwähnt.4th Coupe Aéronautique Gordon Bennett. In: legends.gordonbennett.aero.Liste der Anlässe auf legends.gordonbennett.aero.
Die Berner Woche schrieb am 11. Oktober 1941 auf Seite 978: «Ehre sei ihrem Andenken, auch über das Grab hinaus.»† Frau Marie Rudolf-Probst. Bern. In: Die Berner Woche. Band 31, Heft 41, 1941, S. 978.
Weblinks † Frau Marie Rudolf-Probst. Bern. In: Die Berner Woche. Band 31, Heft 41, 1941, S. 978
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