Wie der Traum gefunden wurde ist ein bengalisches Märchen.Heinz Mode, Arun Ray (Hrsg.): Bengalische Märchen, Insel-Verlag, Leipzig 1984, S. 149–163, 420–422.

Handlung Ein König betete zu dem Gott Shiba, dass seine beiden Frauen, Durāni und Surāni, endlich schwanger werden. Darauf brachte Surāni ihm einen Sohn, genannt Chandra, und Durāni ihm einen Sohn, genannt Shiva Dās zur Welt. Ein Weissager prophezeite, der König werde erblinden, wenn er den Sohn Durānis erblicke. Also wurden sie und ihr Sohn in ein anderes Haus gebracht. Als Shiva Dās zehn oder zwölf Jahre alt und ein eifriger Anhänger des Shiba geworden war, kam der Gott verkleidet zu ihm, wo er, obwohl die Familie arm war, bewirtet wurde, sodass er zufrieden war und Shiva Dās ein magisches Schwert gab.

Als Chandra sechzehn oder siebzehn Jahre alt geworden war, hatte der König einen Traum von einer schönen Frau, die in einem großen mit Blumen umgebenen Haus lebte und der bei jedem Atmenzug eine Flamme, wie eine Blume, aus dem Nasenloch schoss. Also begab sich Chandra, zusammen mit Gefolge, auf die Suche nach der Frau aus dem Traum. Sie wurden in einem undurchdringlichen Urwald aufgehalten, der voller Rākshasas war. Nachdem auch Shiva Dās von dem Traum gehört hatte, befahl er seinem magischen Schwert, ihn zu Chandra zu bringen. Dieses flog ihn zu ihm und ermöglichte es Shiva Dās, den Urwald zu durchdringen, der schnell wieder nachwuchs, nachdem er niedergeschlagen wurde.

Auf der anderen Seite gelangte Shiva Dās in ein Königreich, dessen Herrscher an einer seltsamen Krankheit litt, durch die er besinnungslos wurde, wenn er aus dem Norden ein Schluchzen vernahm. Shiva Dās ging der Sache nach, fand eine als schönes Mädchen getarnte Rākshasi und vertrieb sie, woraufhin der König geheilt war und Shiva Dās seine Tochter zur Frau gab. Dieser suchte weiterhin nach dem Traum und kam ins Land der Rākshasas, dessen König so angetan von der Schönheit des Jünglings war, dass er ihn nicht fraß, sondern mit seiner Tochter vermählte.

Ein weiser Eremit riet Shiva Dās daraufhin, für seine Suche nach dem Traum bei Vollmond einen bestimmten Teich aufzusuchen, an dem ein Shiba-Tempel stand, denn zu dieser Zeit würden fünf Nymphen des Himmels dorthin kommen, um zu baden. Er solle ihnen die Kleider wegnehmen, vorher aber heiliges Wasser mitnehmen, sonst würden sie ihn zu Asche verbrennen. Shiva Dās vergaß das heilige Wasser jedoch, woraufhin er zu Asche verbrannt wurde. Durch den Weisen wieder zum Leben erweckt sowie durch das heilige Wasser geschützt, versuchte Shiva Dās erneut sein Glück, und dieses Mal verweigerte er den Nymphen so lange ihre Kleidung, bis eine einwilligen werde, ihn zu heiraten. Also erwählte er diejenige, der eine Blume aus der Nase spross und die Tillottama hieß sowie die schöne Frau aus dem Traum seines Vaters war.

Nachdem er einige Zeit mit Tillottama verbracht hatte, kehrte Shiva Dās in das Land der Rākshasas zurück, mit einer Flöte im Gepäck, die, wenn er darauf spielt, die Himmelsnymphe erscheinen lässt. Im Land der Rākshasas verheiratete der Rākshasakönig ihn mit seiner Nichte. Danach begab sich Shiva Dās mit seinen zwei Rākshasa-Frauen in das Land, dessen König er geheilt hatte und nahm auch seine dortige Frau mit, um mit seinen drei Frauen und etlichen Schätzen seinen Halbbruder Chandra am Rand des Urwalds aufzusuchen.

Chandra stieß Shiva Dās mit Hilfe seines Gefolges in einen Brunnen und bemächtige sich der drei Frauen, von denen er annahm, dass eine von ihnen den Traum hüte. Später, vor seinem Vater, bemerkte er jedoch seinen Irrtum, lief davon und wurde verbannt. Der König ließ daraufhin Shiva Dās rufen, der durch sein fliegendes Schwert zurück in die Heimat gefunden hatte und seinem Vater von seinen Erlebnissen berichtete. Er bat seinen Vater, ihm ein großes mit Blumen umgebenes Haus zu bauen und spielte dort auf der Flöte, sodass Tillottama erschien. Sie erhellte mit ihrer Schönheit den Raum und aus ihrer Nase erschien die feurige Blume. Von da an wurde Shiva Dās König und lebte mit seinen vier Frauen in allergrößtem Glück.

Hintergrund Das Märchen stammt aus G. H. Damants Bengali Folklore from Dinajepore (Indian Antiquary, Bombay 1875, IV, S. 54–59) und bekam in der englischen Originalveröffentlichung den Titel The Finding of the Dream. In Heinz Modes und Arun Rays Bengalische Märchen (Leipzig 1984) erhielt es den deutschen Titel Wie der Traum gefunden wurde. Mode und Ray ordneten das Märchen nach Stith Thompsons und Warren E. Roberts’ Types of Indic Oral Tales (Helsinki 1960) dem Typ 551 zu, obwohl Thompson und Roberts es Typ 550 zugeordnet hatten. W. Liungman vermutet die Herkunft der Typen 550 und 551 aus dem Osten, wobei er auf Kleinasien verweist. Mode und Ray vermuten dagegen einen indischen Ursprung. Zu dem Motiv mit dem Mädchen, dem eine Flamme wie eine Blume aus der Nase schießt, vermerkten sie, dass dieses nicht gängig sei, sondern ein Phantasieprodukt des Erzählers sei.

Literatur Heinz Mode, Arun Ray (Hrsg.): Bengalische Märchen, Insel-Verlag, Leipzig 1984, S. 149–163, 420–422.

Einzelnachweise

Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Bengalisch) Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Märchen