Die Straßenbahn Monreale war eine Straßenbahnlinie in der Stadt Monreale in der Autonomen Region Sizilien. Monreale liegt sieben Kilometer südwestlich des Stadtzentrums von Palermo am Hang des Monte Caputo. Die Stadt ist sowohl aufgrund der kunsthistorisch bedeutenden Kathedrale von Monreale aber auch wegen des dort beeindruckenden Ausblickes ein vielbesuchter Ausflugsort.

Am Schienenweg wurde die Stadt ab dem Jahr 1900 durch die Straßenbahn Monreale erschlossen. Diese war eine interurbane Straßenbahnlinie in Meterspur, die einen Teil ihres Weges als Standseilbahn zurücklegte. Sie wurde mit Gleichstrom betrieben und im Jahr 1946 endgültig eingestellt.

Geschichte Die Società Sicula Tramways e Omnibus (SSTO), welche die Konzession für die Standseilbahn-Straßenbahn erhielt, war bereits am 23. April 1874 in Palermo gegründet worden, um die ersten Pferdebahnen und Omnibusse der Stadt zu betreiben.

Ein erster Versuch für eine Pferdebahn scheiterte bereits 1878, als die Gemeinde Monreale die Betreibergesellschaft bat, die Linie bis in den Ort zu verlängern. Hierfür beantragte die Gemeinde ein Darlehen von 400.000 Lire bei der Cassa di soccorso per le opere pubbliche di Sicilia in Florenz, um die Straße von Palermo nach Rocca fertigzustellen und die Verbindung von Rocca nach Monreale neu zu bauen.Archivio storico comunale di Monreale, Fondo Comunale, B. 564, Serie 24 - Opere pubbliche, pos. 10, 1878

Im Jahr 1886 versuchte die Stadtverwaltung erneut, ein Projekt für eine Dampfstraßenbahn genehmigen zu lassen und schloss 1887 sogar einen Bauvertrag ab. Dieses Vorhaben scheiterte jedoch, da das Bauunternehmen in Konkurs ging.Francesco Ogliari: Tranvia elettrica funicolare Palermo-Monreale. In: Tuttotreno & Storia, 6/2001. Dabei zeigten sich technische Schwierigkeiten: Die geringe Leistung von Dampflokomotiven bei starken Steigungen und die Risiken beim Bremsen während der Talfahrt auf den geplanten Streckenabschnitten mit über 75 Promille Steigung.

Standseilbahn auf der Steilstrecke Die blaue Linie stellt die StraßenbahnPalermo–Monreale dar, die rote dienie in Betrieb gegangeneBahnstrecke Palermo–Salaparuta

Ab dem 24. Mai 1889 wurde begonnen, das städtische Straßenbahnnetz auf elektrischen Betrieb umzustellen. Die erste Linie, die eine elektrische Traktion erhielt, war die Verbindung zwischen der Piazza Bologni und Rocca di Monreale, einem Vorort Palermos auf 115 m Seehöhe am Fuße des Ortes Monreale. Dieser war wegen der Kathedrale von Monreale Ziel großer Touristenströme.

Für die letzten zwei Kilometer von Rocca bis Monreale wurde eine völlig neue Lösung entwickelt: Um den Höhenunterschied von 184 Metern zwischen Rocca und Monreale zu überwinden, wurde ein Standseilbahnsystem entworfen.

Mit dessen Hilfe konnten die Triebwagen durchgehend bis Monreale verkehren, indem sie auf der Rampe mit 11,55 % Maximalsteigung von speziellen elektrischen Schub- und Bremswagen bewegt wurden.

Die Einweihung fand am 11. Februar 1900 statt.

Niedergang und Ende Das System galt als äußerst erfolgreich und blieb bis Ende 1941 in Betrieb, als es durch einen Oberleitungsbus-Dienst ergänzt und vorübergehend eingestellt wurde. Wegen Ersatzteilmangel bei den Oberleitungsbussen kehrte die Straßenbahn von 1944 bis 1946 noch einmal kurzzeitig zurück. Nach mehreren Betreiberwechseln (zuletzt die Società Anonima Siciliana Trasporti, SAST) wurde der Betrieb 1946 endgültig eingestellt.Giovanni Cornolò, Francesco Ogliari: La tramvia-funicolare Palermo Monreale (1900-1946). In: Si viaggia auch... così, S. 173.

Merkmale Die Strecke war 2,045 km lang. Die Trasse verlief auf eigenem Bahnkörper und war wie folgt unterteilt: Von Palermo bis zum Ortsteil Rocca: Reibungsbetrieb. Von Rocca an: 200 m eingleisig, dann 1079 m zweigleisiger Standseilbahn-Abschnitt. Die letzten 766 m: erneut eingleisig mit Reibungsbetrieb.

Das Schienenmaterial bestand aus Vignolschienen (24 kg/m) im Standseilbahn-Teil und Phönix-Schienen in den städtischen Abschnitten, montiert auf Metallschwellen. Die maximale Steigung im Funicolare-Teil betrug 120 Promille.

Das System basierte auf einem Patent des Ingenieurs Ernesto Rademacher und wurde von der Continentale Gesellschaft für elektrische Unternehmungen aus Nürnberg realisiert. Die elektrischen Anlagen lieferte die ebenfalls in Nürnberg ansässige Schuckert & Co., während die Planung vor Ort durch Alessandro Ferretti erfolgte.

Der Steilabschnitt wurde als Standseilbahn mit Doppelgleis in Meterspur ausgeführt. Die Gleisanlage war als Dreischienengleis konzipiert, das sich in der Streckenmitte für die Ausweiche auf vier Schienen verbreiterte.

Innerhalb der Fahrgleise befand sich ein zusätzliches Gleis mit einer Spurweite von 580 mm für spezielle Schubwagen, welche die Traktion und das Bremsen auf der Steilstrecke übernahmen. Eine technische Besonderheit war das Unterfahren dieser Schubwagen in einer Grube am Ende der Steilrampe: Sobald ein Wagen die Talstation erreichte, senkte sich das Schmalspurgleis mitsamt dem Schubwagen unter das Straßenniveau ab. Die Straßenbahn konnte dann mit eigenem Antrieb über den versenkten Wagen hinwegfahren, woraufhin dieser für den nächsten Einsatz bereitstand.

Weitere Erschließung von Monreale Neben der hier behandelten Straßenbahn sollte eine Schmalspurbahn von Palermo Lolli nach Salaparuta die Stadt Monreale erschließen. Die Bahnstrecke wurde im Abschnitt bis Monreale weitgehend fertiggestellt, aber nie in Betrieb genommen. Es sind von ihr dennoch einige Baurelikte vorhanden.

Ähnliche Bahnen Ähnliche Bahnen waren die Straßenbahn Catanzaro sowie die heute noch in Betrieb stehende Bahnstrecke Triest–Opicina.

Mediale Rezeption Die gewählte Lösung wurde in der Fachwelt stark beachtet und in der Literatur eingehend beschrieben, teils auch bebildert und mit technischen Zeichnungen versehen. Die Literaturliste zeigt Beispiele aus Italien, Österreich, Deutschland, der Schweiz und den Vereinigten Staaten von Amerika.

Galerie

Literatur Salvatore Amoroso: Il trasporto pubblico a Palermo. GiDue, Palermo 1985. Mario Cascio: La funicolare di Monreale. In: I treni Oggi, Nr. 125, 1992, S. 19–21. Francesco Ogliari: Tramvia elettrica funicolare Palermo-Monreale. In: Tutto treno & storia, Nr. 6, November 2001, S. 36–44. Giovanni Cornolò, Francesco Ogliari: Si viaggia anche ... così. Arcipelago edizioni, Milano 2002, ISBN 88-7695-228-4. Siegfried Abt, Beitrag zur Geschichte der Zangenbremsen, Schweizerische Bauzeitung, Zürich, 1. Dezember 1906, S. 261 Digitalisat) und S. 274 (Digitalisat) Palermo–Monreale electric incline. Scientific American, New York City, 31. August 1901, S. 133 (Digitalisat) Seilbahn mit elektrischem Betriebe. Zeitschrift des Vereines Deutscher Ingenieure 45/1901, Teil 1, Berlin, S. 748 (Digitalisat) Bremsberganlage der elektrischen Trambahn-Verbindung von Palermo nach Monreale. Zeitschrift für Elektrotechnik, Wien, 1. September 1901 (Digitalisat C.L. Durand: The Palermo–Monreale. Italy. Incline System. Electrical Review. New York City. XLV Nr. 6, 6. August 1904 (Digitalisat) Die elektrische Straßenbahn von Palermo nach Monreale, Zeitschrift für Elektrotechnik, Wien, Nr. 41/1904 (Digitalisat) Walter Hefti. Schienenseilbahnen in aller Welt, Birkhäuser Verlag, Basel 1975, ISBN 3-7643-0726-9 (Digitalisat)

Weblinks

La tranvia Palermo–Monreale (Stagniweb) Palermo–Monreale. Tramvia eletrica funicolare

Einzelnachweise

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