Evangelos Alexandridis (, * 25. März 1932 in Istanbul) ist ein deutsch-griechischer Ophthalmologe.
Leben und Werdegang Evangelos Alexandridis ist Sohn des Gastronomen Nikolaos Alexandridis und dessen Frau Fotini, geb. Sarandidis. Die Familie lebte in Pera.Dagmar Drüll: Heidelberger Gelehrtenlexikon 1933–1986. Springer, Berlin/Heidelberg 2009, S. 78.Reinhard Stupperich: Rezension zu: Evangelos Alexandridis, Als Bürger unerwünscht. In: Thetis 11/12, 2005, S. 295–296. Seine Kindheit war durch die Repressionen gegen die nichtmuslimischen Minderheiten in der Türkei geprägt. 1941 wurde sein Vater im Zuge der Einziehung der sogenannten zwanzig Jahrgänge zum Arbeitsdienst eingezogen. Alexandridis schilderte dies später als frühes Schlüsselerlebnis der Diskriminierung.Ulrike Tischler: Bilder in den Köpfen. Der Mythos Pera/Σταυροδρόμι im Κοινότητα-Bewusstsein der Istanbuler Griechen im 20./21. Jahrhundert. In: Historicum. Zeitschrift für Geschichte 99, 2006, S. 392–393.
Von 1945 bis 1951 besuchte er die Große Schule des Patriarchats in Phanari. Seit dem Wintersemester 1951/52 studierte er Medizin an den Universitäten Athen und Istanbul. 1958 legte er an der Medizinischen Fakultät der Universität Istanbul das Examen ab und erhielt am 15. Mai die Approbation. Am 31. Juli 1959 wurde er dort zum Dr. med. promoviert. Seit Dezember 1959 war er Assistent an der Universitäts-Augenklinik in Istanbul, von Oktober 1960 bis März 1964 Assistenzarzt am NUmune-Krankenhaus (Lehrkrankenhaus) in Istanbul, im Dezember 1963 wurde er Facharzt für Augenheilkunde.
Unter dem Eindruck der seit den frühen 1960er Jahren zunehmenden Repressionen gegen die griechische Minderheit verließ Alexandridis 1964 Istanbul und nahm eine Stelle an der Universitäts-Augenklinik Heidelberg an. Von Mai 1965 bis Juli 1968 war er Wissenschaftlicher Assistent am Kerckhoff-Institut der Max-Planck-Gesellschaft in Bad Nauheim. Von August 1968 bis Juli 1971 war er Wissenschaftlicher Assistent an der Universitätsaugenklinik in Heidelberg. Nach der Habilitation am 9. Juli 1970 wurde er 1971 Wissenschaftlicher Rat und 1974 außerplanmäßiger Professor. Vom 1. Oktober 1975 bis zu seinem Ruhestand am 31. März 1997 war er Ärztlicher Direktor der neu eingerichteten Abteilung für Klinische Experimentelle Augenheilkunde. Im Wintersemester 1991/92 bis zum Wintersemester 1992/93 war er Dekan der Fakultät für Klinische Medizin II der Universität Heidelberg.
Labor und Forschungsarbeit Von 1969 bis 1975 leitete Alexandridis an der Heidelberger Universitäts-Augenklinik das Elektrophysiologische Laboratorium. Die 1975 eingerichtete Spezialabteilung für Klinische Experimentelle Augenheilkunde sollte der Bearbeitung von Problemen der retinalen Sinnesphysiologie in engem Kontakt mit der Klinik besonderes Gewicht verleihen. Ihr waren ein Labor für Elektrodiagnostik mit Elektroretinografie und Elektrookulografie sowie ein Labor für Pupillographie zugeordnet. Die dortigen Arbeiten dienten der objektiven Prüfung der Netzhautfunktion, der Früherkennung und Differenzialdiagnose hereditärer Netzhautdegenerationen sowie der Entwicklung objektiver Verfahren der pupillographischen Perimetrie. Hierfür wurde auch ein tragbares infrarot-reflektometrisches Gerät, der „Heidelberg-Pupillograph“, entwickelt.Wolfgang Jaeger: Augenklinik. In: Gotthard Schettler (Hrsg.): Das Klinikum der Universität Heidelberg und seine Institute. Springer, Berlin/Heidelberg/New York/Tokyo 1986, S. 207–208. Klinisch lag ein Schwerpunkt auf der operativen Behandlung der Netzhautablösung, ferner befasste sich Alexandridis mit der Rekonstruktion der Lider und der Orbitadefekte.
Zusammen mit Thomas Klothmann nahm Alexandridis 1975 die Optogramm-Versuche Wilhelm Kühnes mit neuer Aufnahmetechnik wieder auf.Evangelos Alexandridis, Thomas Klothmann: Optogramme der Netzhaut. Wiederaufnahme der Kühne’schen Untersuchungen. In: Wolfgang Jaeger (Hrsg.): Periphere Retina. J. F. Bergmann, München 1977, S. 567–568. Die gewonnenen Optogramme zeigten zwar die Zahl „75“, ein Schachbrettmuster oder das Gesicht Salvador Dalís, blieben jedoch für kriminalistische Zwecke unbrauchbar, da Belichtungszeiten und Lichtintensität zu hoch sowie die Bilder zu kurzlebig waren. 2010 griff der Künstler Derek Ogbourne die Experimente in einer Ausstellung auf.Kurt F. de Swaaf: Bilder auf der Netzhaut. Der letzte Blick. In: Der Spiegel, 13. Juli 2010.Katharina Sykora: Die Tode der Fotografie II. Tod, Theorie und Fotokunst. Wilhelm Fink, Paderborn 2015, S. 44–45.
Privates 1965 heiratete Alexandridis die Medizinerin Ruth, geb. Gläser. Aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor. Eine der Töchter war die Klassische Archäologin Annetta Alexandridis (1968–2026).
Schriften (Auswahl) Pupillographie. Anwendungsmöglichkeiten als objektive Untersuchungsmethode der. Netzhautsinnesfunktion. Hüthig, Heidelberg 1971, ISBN 3-7785-0228-X (Habilitationsschrift) Die Pupille. Physiologie – Untersuchung – Pathologie. Springer, Berlin u. a. 1982, ISBN 978-3-540-11686-8 mit Hermann Krastel: Elektrodiagnostik in der Ophthalmologie. Ein Kompendium für den Augenarzt. Springer, Berlin u. a. 1986, 2. Auflage 1997, ISBN 978-3-540-62939-9 Handbuch der Gerontologie. Band 3: Augenheilkunde. Fischer, Stuttgart u. a. 1989, ISBN 978-3-437-10901-0 Als Bürger unerwünscht. Manutius, Heidelberg 2003, ISBN 978-3-934877-28-3
Literatur Dagmar Drüll: Heidelberger Gelehrtenlexikon 1933–1986. Springer, Berlin/Heidelberg 2009, ISBN 978-3-540-88834-5, S. 78.
Einzelnachweise
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