Das Fleckentinamu (Nothura maculosa) ist eine Vogelart aus der Familie der Steißhühner (Tinamidae), die in Brasilien, in Paraguay, in Argentinien und in Uruguay verbreitet ist. Der Bestand wird von der IUCN als nicht gefährdet (Least Concern) eingeschätzt.
Merkmale Das Fleckentinamu erreicht eine Körperlänge von ca. 23,0 bis 26,5 cm bei einem Gewicht von ca. 173 bis 323 g. Beide Geschlechter ähneln sich. Der Oberkopf ist einfarbig dunkel oder hell gelbgrau gestreift. Die Kopfseiten sowie der Nacken und der Hinterhals sind hell ockerfarben oder gräulich gelblich mit schmalen bis breiten schwarzen Streifen gemustert. Die Grundfärbung der Oberseite ist hellgrau oder olivbraun, schwarz gefleckt und gezwirbelt und durchgehend schmal gelblich weiß gestreift. Die Flügeldecken sind ockerfarben oder gelbbraun mit schwarzen Bändern. Die Schwungfedern sind matt braun oder schwärzlich und an beiden Fahnen gleichmäßig gelblich oder rötlich ockerfarben gebändert. Die Kehle ist makellos weiß. Der Unterhals und die Unterseite sind gelbbraun bis ockerfarben. Der Bauch ist einfarbig, die übrige Unterseite hat jedoch braune oder schwärzliche Streifen und Flecken sowie an den Flanken Binden. Jungvögel ähneln den erwachsenen Vögeln, sind jedoch auf der Oberseite weniger auffällig gezeichnet. Die Kehle ist weniger rein weiß, die Brust eher gefleckt als gestreift. Die Iris ist dunkelgelb oder orangebraun, der Oberkiefer braun, der Unterschnabel gelb und die Füße sowie die Zehen mattgelb. Beim frisch geschlüpften Küken ist die Iris immer dunkelbraun.Vitor Gomes (2020)
Lautäußerungen Der Gesang des Fleckentinamus ist eine Reihe von Pfiffen, die sich zum Ende hin beschleunigen. Dies unterscheidet sich vom Gesang des sehr ähnlichen Darwintinamus, welches ein gleichmäßiges Tempo beibehält. In Argentinien singt es den ganzen Tag über, jedoch am häufigsten zwischen 4:00 und 8:00 Uhr sowie von 16:00 Uhr bis fast Sonnenuntergang. Der Gesang kann in Abständen von 20 bis 120 Sekunden wiederholt werden. Die Vögel singen das ganze Jahr über, im Frühling und Frühsommer jedoch häufiger und über längere Zeiträume. Eine weitere Lautäußerung, möglicherweise ein Abwehrruf, besteht aus einer Reihe von recht scharfen, hohen Qwit, Qwit, Qwit-Tönen, die in Abständen von einer halben bis einer Sekunde über einen Zeitraum von 10 bis 30 Sekunden wiederholt werden oder bis der Eindringling die Verfolgung einstellt. Die Flügel des Fleckentinamus erzeugen ein surrendes Geräusch, wenn es aufgescheucht wird.
Fortpflanzung mini|Nest des Fleckentinamus Die Brutsaison des Fleckentinamus erstreckt sich in Argentinien mindestens von August bis April, wobei ein Nest sogar noch im Juni beobachtet wurde. In Rio Grande do Sul liegt der Höhepunkt der Eiablage im Oktober und November. Drei bis vier Bruten pro Jahr sind in Argentinien normal. Das Nest ist eine flache Mulde im Boden, die mit etwas Gras, Kräutern und meist ein paar Federn ausgekleidet und gut durch die Vegetation getarnt ist. Vereinzelt werden die Nester nahe beieinander gebaut, so bis zu einem Abstand von nur 12 Metern. Die Eier sind schokoladenbraun bis weinrot und ungemustert. Die durchschnittlichen Größe der Eier beträgt 43,6 × 31,3 mm. Ein Gelege variiert zwischen drei und neun Eiern. Die Eier werden nur vom Männchen bebrütet. Brütende Männchen bleiben in der Regel so lange auf dem Nest sitzen, bis man sich ihnen sehr stark nähert. Die Brutdauer in Gefangenschaft beträgt sechzehn bis achtzehn Tage. Das Männchen kümmert sich um die Brutpflege auch nach dem Schlüpfen der Jungen. Diese werden nach drei bis vier Wochen selbstständig. Das durchschnittliche Gewicht der Küken beim Schlüpfen beträgt 18,6 g. In Gefangenschaft wurde die Kopulation üblicherweise durch das plötzliche Hinhocken des Weibchens ausgelöst und dauerte relativ lange. Sowohl Männchen als auch Weibchen paaren sich mit mehreren Partnern. Ebenso wurde homosexuelles Verhalten bei den Vögeln beobachtet.
Verhalten und Ernährung Das Fleckentinamu ist bodenlebend und flieht bei Störung bevorzugt rennend. Wird es jedoch aufgescheucht, fliegt es gut und schnell. Sein Flug ist niedrig, nur zwei bis vier Meter über dem Boden, und es fliegt in der Regel nur fünfzehn bis zwanzig Meter, bevor es wieder am Boden landet. Längere Flüge werden von kurzen Gleitflügen unterbrochen. Es ist nicht besonders scheu, außer dort, wo es stark bejagt wird. Das Fleckentinamu schläft am Boden, oft in relativ offener Vegetation. Der Schlafplatz ist eine leichte Mulde, meist unter überhängenden Grasbüscheln oder zwischen Kräutern. Üblicherweise ist es paarweise oder einzeln anzutreffen, versammelt sich aber gelegentlich auch in größeren Gruppen. Zu seinen Feinden gehört der Kaninchenkauz (Athene cunicularia), Füchse, Opossums, Skunks und Rinder, die das Nest zertreten. Es ernährt sich sowohl von Pflanzen als auch von Tieren, wobei Pflanzen den größten Teil ihrer Nahrung ausmachen. Bei den Pflanzen sind es meist Gräsersamen, aber auch Bohnen und einige Früchte, die es verzehrt. So identifizierte man Nachtschattengewächse, Sauerkleegewächse und Malvengewächse als Teil der Nahrung. Zu den Tieren in der Nahrung gehören Ameisen, Käfer, Schnabelkerfen, Heuschrecken, Schmetterlinge, Webspinnen, Doppelfüßer, Weichtiere, Tausendfüßer und Krebstiere.
Verbreitung und Lebensraum mini|Verbreitungsgebiet des Fleckentinamus (grün) Das Fleckentinamu bevorzugt Graslandschaften und kommt überall dort vor, wo die Bodenvegetation einigermaßen niedrig und nicht zu dicht ist. Man findet es aber auch auf Anbauflächen wie Sojabohnen-, Mais-, Weizen- und Trockenreisfeldern. So findet man es in trockenem und halbtrockenem Grasland mit Dornbuschgebüschen, aber auch in lichten Wäldern. Es ist hauptsächlich auf Tieflandgebiete beschränkt. Im Südwesten Argentiniens erreicht die Unterart N. m. submontana Höhenlagen von 2000 Metern und kann im Nordwesten Argentiniens mit der Unterart N. m. pallida bis zu 2300 Meter vorkommen.
Unterarten Es sind folgende Unterarten bekannt:IOC World bird list Ratites: Ostriches to tinamous
Nothura maculosa cearensis , 1932Elsie Naumburg (1932), S. 1 kommt im nordöstlichen Brasilien vor. Die Unterart ist etwas kleiner und hat einen ockerfarbenen Rücken mit braunen und rotbraunen Flecken. Am Hals und an der Brust befinden sich schmale dunkle Streifen. Die Körperunterseite ist hellgelb, an den Brustseiten leicht gebändert, die Flanken sind fast makellos. Nothura maculosa major (, 1825)Johann Baptist von Spix (1825), S. 64, Tafel 80. ist im östlichen zentralen Brasilien verbreitet. Die Subspezies ähnelt der Nominatform, hat aber eine etwas heller und gelblicher Oberseite. Die dunklen Zeichnungen am Vorderhals sind undeutlicher, die Flanken weniger stark gebändert. Sie ist etwas größer als N. m. cearensis und ist auf der Oberseite etwas dunkler. Nothura maculosa paludivaga , 1950Henry Boardman Conover (1950), S. 357. ist im zentralen Paraguay und nördlichen zentralen Argentinien verbreitet. Die Unterart ist charakterisiert durch den dunklen, eher gräulich schwarzen und mattgelben Rücken. Ähnelt am ehesten der Nominatform, ist auf der Oberseite weniger rotbraun und auf der Unterseite grauer. Sie weist deutlich weniger gelblich ockerfarben auf. Nothura maculosa maculosa (, 1815)Coenraad Jacob Temminck (1815), S. 557–561 & 748. kommt im südöstlichen Brasilien über das östliche Paraguay, das nordöstliche Argentinien und Uruguay vor. Nothura maculosa pallida , 1959Claës Christian Olrog (1959), S. 41. ist im nordwestlichen Argentinien verbreitet. Die Subspezies ähnelt der Nominatform und dem Darwintinamu (Nothura darwinii). Sie unterscheidet sich von ersterer durch ihre Färbung, die deutlich blasser und gräulich oder der des Darwintinamus sehr ähnlich ist. Außerdem hat sie die Besonderheit, dass die erste Handschwingen kaum gefleckt sind. Nothura maculosa annectens , 1950Henry Boardman Conover (1950), S. 353. kommt im östlichen Argentinien vor. Die Unterart unterscheidet sich von der Nominatform durch ein ockerbrauneres, weniger rötliches Obergefieder. Dunklere bräunlichere Flecken, weniger rostfarbene, kräftigere und zahlreichere dunkle Zeichnung erstrecken sich über die Brust und die Flanken. Der Hinterleib ist heller, ockerfarbener und weniger rötlich. Nothura maculosa submontana , 1950Henry Boardman Conover (1950), S. 351. ist im südwestlichen Argentinien verbreitert. Diese Form zeichnet sich durch ihren hell olivgrauen Rücken und die blass weißlich beige Unterseite aus. Nothura maculosa nigroguttata , 1895Tommaso Salvadori (1895), S. 560–561 kommt im südlichen zentralen Argentinien vor. Diese Unterart ist charakterisiert durch die relativ helle, gelbschwarze Oberseite. Im Vergleich zu N. m. annectens ist die Oberseite heller und deutlich gelber. Die hellen Binden der oberen Flügeldecken sind breiter und gelber, die dunklen schmaler. Die Flanken sind etwas weniger stark gebändert. Der Hals und die Brust sind weniger stark gefleckt. Die Unterseite ist heller und ockerfarbener. Nothura maculosa chacoensis , 1937Henry Boardman Conover (1937), S. 227–230. ist im nordwestlichen Paraguay verbreitet. Diese Form ähnelt N. m. paludivaga, ist im Allgemeinen eher ockerfarben als gräulich schwarz. Der Rücken viel weniger gefleckt, die Brust weniger gestreift und die Flanken weniger dunkelbraun gebändert. Die Körperunterseite nicht so matt, dunkler und ockerfarben.
Nothura maculosa savannarum , 1921Alexander Wetmore (1921), S. 435–436. wird heute als Synonym zur Nominatform betrachtet.
Etymologie und Forschungsgeschichte mini|Fleckentinamu (Nothura maculosa major) illustriert von Spix