rechts|mini|Kloster »Entschlafung der Gottesmutter« (2010) Das Kloster Batoschewo »Entschlafung der Gottesmutter« () ist ein Mönchskloster im geistlichen Bezirk Sewliewo der Diözese Weliko Tărnowo der Bulgarisch-Orthodoxen Kirche. Seine Gründung erfolgte im 13. Jahrhundert. Nach der Invasion der Osmanen Ende des 14. Jahrhunderts wurde es aufgegeben und erst 1836 wieder errichtet. Vor und während des Aprilaufstands 1876 bildete es ein wichtiges revolutionäres Zentrum. Bei den Kämpfen kam es zur Zerstörung der Klosteranlagen, wobei nur die Kirche erhalten blieb. Die Wohn- und Wirtschaftsgebäude wurden ab 1878 neu errichtet und sind bis heute äußerlich unverändert erhalten.
Lage Das Kloster befindet sich ca. 17 km südlich des Zentrums der Stadt Sewliewo. Vom namensgebenden Dorf Batoschewo () ist es per Luftlinie nur 4 km in Richtung Südwesten entfernt. Mit einem Fahrzeug oder zu Fuß beträgt die Distanz ca. 9 km. Zunächst muss der Straße nach Ostrez () bis zum Dorf Popska () gefolgt werden. Dort zweigt eine kleine Bergstraße nach Westen ab, auf der man das Kloster nach 3,5 km erreicht. Geographisch liegt es auf der östlichen Flanke des Raslatiza-Massivs () im Mittleren Vorbalkan (). (www.pravoslavieto.com; bulgarisch, Übersetzung: Klöster von Batoschewo)Georgi Tschavrakov, 1978, S. 89 Seine Seehöhe beträgt ca. 600 m.
Geschichte Die Gründung des ersten Klosters wurde von Patriarch Ioakim I. während der Regierungszeit des Zaren Michael II. Assen (1246–1256) initiiert. Das Kloster war stauropegial, d. h. direkt dem Patriarchen unterstellt. In der Nähe existieren Mauerreste eines Kastells, das ebenfalls auf das 13. Jahrhundert datiert wird. Das Kloster hatte bis zur Invasion der Osmanen, Ende des 14. Jahrhunderts, bestand. Danach wurde es verlassen. Die Gebäude verfielen im Laufe der Zeit, so dass nur die Fundamente zurückblieben. Die Klosterwüstung blieb durch eine Anzahl großer Walnussbäume leicht erkennbar.
Im Jahr 1809 ließ sich der Mönch Isai () aus Trojan als Eremit im Bereich des ehemaligen Klosters nieder. Der Legende nach traf ein Schäfer bei der Suche nach einem verlorenen Tier an diesem Ort auf eine Mutter mit Kind. Sie saß auf einem Stein, weinte und trauerte, dass ihr zuhause zerstört wurde. Er erzählte Isai von dieser Begegnung. Der Mönch erkannte, dass die Frau Maria mit dem Kind war, die die Menschen um Wiedererrichtung des Klosters bat.: (drumivdumi.com, 2018; bulgarisch, Übersetzung: Batoschewo-Klöster – zwei alte bulgarische Heiligtümer am Fuße des Balkans) Er baute zunächst eine einfache Hütte neben dem Stein und platzierte darin eine Ikone. Anschließend begann er in Batoschewo und Sewliewo mit der Suche nach Unterstützern für eine Rekonstruktion des Klosters. Die osmanischen Behörden lehnten jedoch sein Ansinnen ab. Nach einiger Zeit wurde Isai aus den Klosterruinen vertrieben.
1831 brach eine Pestepidemie aus und viele Einwohner Sewliewos flohen ins Gebirge. Sie erinnerten sich an das Vorhaben des Mönchs Isai und gelobten, das Kloster wieder aufzubauen, falls sie am Leben bleiben sollten.
Großzügige Spender aus Batoschewo, Sewliewo und Gabrowo brachten die nötigen Mittel auf, um 1836 den Bau der Klosterkirche in Angriff zu nehmen. Das Gesuch zum Wiederaufbau des Klosters wurde seitens des Sultans positiv beschieden. Mit dem Entwurf und der Leitung der Bauarbeiten betraute man Meister Konstantin () aus Peschtera. In weniger als einem halben Jahr gelang es ihm, eine hohe und imposante Kirche aus Stein fertigzustellen. Sie verfügt über eine innere und äußere Vorhalle (Eso- und Exonarthex) sowie eine Nordpforte mit einem Portikus. Im Laufe der Arbeiten wurde eine Steinplatte gefunden, auf der der Stifter des ersten Klosters, Zar Michael II Assen, vermerkt ist.Georgi Tschavrakov, 1978, S. 88–89 Sie befindet sich heute im Nationalen Archäologischen Museum in Sofia. Eine Kopie ist im Kloster ausgestellt. Später erfolgte die Anlage der Wohn- und Wirtschaftsgebäude. Zum ersten Igumen (Klostervorsteher) wählte die Kommunität Hadshi Makarij () aus Trojan.
1869, während der Amtsperiode von Igumen Sewastian (), wurde mit der Dekoration des Kirchengebäudes begonnen. Allerdings war es nur möglich, die äußere Vorhalle, den Portikus an der Nordseite sowie einige Teile des Gemeinderaums (Naos) mit Fresken zu versehen. Das Kloster entwickelte sich schnell zu einem spirituellen und kulturellen Zentrum. Es besaß eine umfangreiche Bibliothek. Davon sind nur ein Ritual zu Fastenzeit aus dem Jahr 1752 und die ab 1809 geführte Klosterchronik bis heute erhalten.Georgi Tschavrakov, 1978, S. 92–94 Auch eine Klosterschule wurde eingerichtet. (www.bulgarianmonasteries.com; bulgarisch, Übersetzung: Kloster Batoschewo „Entschlafung der Gottesmutter“) Darina Grigorowa: Ein erfrischender und lehrreicher Trip zu den Klöstern im Zentralen Balkan (old-news.bnr.bg, 2017) Der Lehrer, Schriftsteller und Revolutionär Batscho Kiro unterrichtete hier zwei Jahre.: (itc-sevlievo.com; bulgarisch, Übersetzung: Batoschewo Mönchskloster „Entschlafung der Gottesmutter“)
Es nahm auch am Kampf für die Unabhängigkeit Bulgariens teil. Hier kamen die Vertreter des Revolutionskomitees der Region Sewliewo zusammen. Auch Waffen wurden im Kloster versteckt. Die Mönche beteiligten sich aktiv am Aprilaufstand 1876. Dabei verwüsteten irreguläre türkische Truppen (Başı Bozuken) das Kloster und setzten es in Brand. Nur die Kirche blieb von den Flammen verschont.
Mit dem Wiederaufbau der Wohn- und Wirtschaftsgebäude wurde 1878 begonnen. (opoznai.bg; bulgarisch, Übersetzung: Batoschewo Kloster „Entschlafung der Gottesmutter“ - Batoschewo) Der Ministerrat nahm das Kloster 1971 in die Liste der architektonischen und historischen Kulturdenkmäler auf. Heute bietet das Kloster Gästezimmer für Besucher und Pilger.
Kunst und Architektur Klosteranlage rechts|mini|Klosterhof (2012) Der Umriss des Klosterkomplexes ist ein West-Ost orientiertes Rechteck. Im westen, Norden und Osten wird er durch Wohn- und Wirtschaftsgebäude eingerahmt. Seine Südgrenze verläuft parallel zur Straße vom Dorf Popska zum Kloster und wird durch einen Drahtzaun gebildet. Die Klosterpforte befindet sich im Südostteil der Anlage. Nahe der Südbegrenzung erhebt sich die Kirche »Entschlafung der Gottesmutter«. Der separate Glockenturm gehört zum Gebäuderiegel an der Westseite. In der Südwestecke befindet sich ein überdachter Röhrenbrunnen.
Die Wohn- und Wirtschaftsgebäude sind einstöckig ausgeführt und weiß verputzt. Meist weisen sie hölzerne Galerien auf. Ihre Dächer sind mit Steinplatten gedeckt. Unterhalb der Galerien sind Ruhebänke aufgestellt. Der Klosterhof wurde als Rasenfläche angelegt.
Kirche »Entschlafung der Gottesmutter« rechts|mini|Klosterkirche »Entschlafung der Gottesmutter« (2012) Die Klosterkirche ist eine dreischiffige Pseudobasilika mit einer Apsis. Als Baumaterial wählte Meister Konstantin glatt behauenen Naturstein. Die Außenwände zeigen eine Vielzahl engständiger flacher Nischen. Ihr oberer Abschluss wird jeweils durch einen fast bis zum Gesims reichenden Bogen gebildet.Georgi Tschavrakov, 1978, S. 90 Die Schlusssteine sind mit verschiedenen Symbolen verziert. Der Verlauf der Bögen ist durch eine Lage flacher roter Ziegel akzentuiert. Zwei Seitenkonchen (Chöre) treten aus de Nord- und Südfassade hervor. Fenster befinden sich an der Nord- und Südwand. Sie sind im unteren Teil der Nischen eingelassen und mit Bögen überwölbt. Im oberen Bereich der Apsis ermöglicht eine Rosette den Lichteinfall. Das Gesims unter de Dach ist als nach Außen gebogener Steinbogen realisiert. Alle Ecken des Gebäudes sind abgerundet. Im oberen Teil der gerundeten Nischen sind Skulpturen angebracht, die Doppelkopfadler, Fische, Tauben, und Engel zeigen. Die Kirche ist, wie die Nebengebäude, mit Steinplatten gedeckt. Ihr Dach trägt drei Kuppeln auf hohen, vielflächigen Tambouren. Die Zentralkuppel ist nur wenig breiter als die Nebenkuppeln.
rechts|mini|Fresko "Muttergottes mit Jesuskind" (2012) Bemerkenswert sind die Fresken an der Westwand der Kirche. In einer Nische über der Eingangstür ist die thronende Mutergottes mit dem Jesuskind dargestellt. Sie wird durch die Heiligen Petrus und Paulus flankiert. Neben der Tür finden sich Darstellungen der Erzengel Michael und Gabriel. Der Nordteil der Wand zeigt das Fresko "Das Jüngste Gericht" (), der Südteil den "Eintritt ins Paradies". Auch die Blindkuppeln des Exonarthex sowie des Nordportikus sind mit Fresken geschmückt. Der Künstler ist nicht explizit genannt. Man nimmt an, dass die Fresken von Zanju Sachariew () (* 1840, † 1902), einem prominenten Vertreter der Malschule von Trjawna stammen.
Der Ikonostas wurde 1849 von Meister Nikola Mateew () aus Nowo Selo und seinem Sohn Jonko geschnitzt. Die fein ausgeführten Pflanzenornamente machen ihn zu einem Meisterstück der bulgarischen Holzschnitzkunst. In der Kirche werden auch einige Ikonen von Zanju Sachariew dem Älteren () (* 1790, † 1836) aufbewahrt.
Patronatsfest Das Patronatsfest des Klosters ist das Fest Entschlafung der Gottesmutter, das am 15. August begangen wird. Es entspricht dem Fest Mariä Aufnahme in den Himmel der Römisch-katholischen Kirche.
Literatur Georgi Tschavrakov: Bulgarische Klöster. 2. Auflage, 379 S., Verlag Septemvri, Sofia 1978,
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Bulgarisch-orthodoxes Kloster in Bulgarien Kategorie:Kulturdenkmal (Bulgarien) Kategorie:Klosterbau in Europa Kategorie:Oblast Gabrowo Kategorie:Gegründet im 13. Jahrhundert