Hans-Günter Weide (* 4. Januar 1941 in Chemnitz) ist ein deutscher Physiker und Entwickler auf den Gebieten der wissenschaftlichen Fotografie und Farbholografie, weltraumtauglicher magnetomotorischer Speicher und von Hochdruckwasserstrahl-Abrasiv- und Abwassertechnologie.
Leben Hans-Günter Weide wurde am 4. Januar 1941 als Sohn des Landgerichtsrates Willy Weide und Ehrentraud Weide, geb. Schneider, in Chemnitz geboren. 1943 zog die Familie aufgrund von alliierten Bombenangriffen ins mütterliche Elternhaus nach Thum im Erzgebirge, wo er die Grundschule und die erweiterte Oberschule besuchte. 1957 zog die Familie nach Berlin, wo er 1959 an der Kant-Oberschule in Berlin-Lichtenberg sein Abitur ablegte. Anschließend studierte er bis 1964 Physik an der Humboldt-Universität zu Berlin. 1968 wurde er an der Akademie der Wissenschaften der DDR zum Dr. rer. nat. und 1989 zum Dr. sc. tech. promoviert (Promotion B, entspricht der Habilitation).
Beruf Ab 1964 war er am Institut für Optik und Spektroskopie der Akademie der Wissenschaften der DDR beschäftigt, ab 1967 als Laborleiter für „Wissenschaftliche Fotografie“. 1969 folgte der Wechsel in das Zentralinstitut für Kybernetik und Informationsprozesse als Abteilungsleiter für Wissenschaftsorganisation.
Ab 1973 war Hans-Günter Weide Projektleiter für die Entwicklung von weltraumtauglichen magnetomotorischen Speichern für das Interkosmosprogramm der RGW-Länder, ab 1978 für die Entwicklung eines hochkapazitiven Tiefraumspeichers (>200 MB) für das internationale Phobos-Programm unter Leitung der Akademie der Wissenschaften der UdSSR. Der Speicher kam erstmals 1988 auf einem Flug von Baikonur zum Mars zum Einsatz, insbesondere für Aufnahmen des Marsmondes Phobos nach der Marsumkreisung.H.-G. Weide, W. Neumann (AdW-ZKI): DDR-Tiefraumspeicher R 3m für die internationale Phobos-Mission 1988. Sowohl für den Einsatz der Tiefraumspeicher in sowjetischen Satelliten (1976) als auch für die Phobos-Aufnahmen während der Marsumkreisungen (1988) erhielt er mit seinem Team jeweils den Orden Banner der Arbeit I (zweithöchste Auszeichnung der DDR).
Nachdem mit der Wende 1989/90 alle RGW-Projekte beendet wurden und die Akademie der Wissenschaften der DDR aufgelöst wurdeAuflösung des Zentralinstitut für Kybernetik und Informationsprozesse der Akademie der Wissenschaften der DDR: , war Hans-Günter Weide nach 1990 Geschäftsführer einer wissenschaftlich-technischen GmbH, die sich u. a. mit der Entwicklung von Geräten zur Wasserstrahlschneid- sowie Wasserstrahlabrasiv-Technologie befasste. Unter seiner Leitung wurden Abrasiv-Entschlammungsanlagen für den weltweiten Einsatz entwickelt. Für diese Verfahren entwickelte er zudem (ökologisch und ökonomisch wichtige) Wiederaufbereitungs-Wasserkreislaufanlagen. Eingesetzt werden diese Verfahren z. B. zum Entschärfen von Weltkriegsbomben und zur Säuberung von Startbahnen.
Seit 1993 ist er Mitglied im Arbeitskreis Wasserstrahltechnologie (Leibniz Universität Hannover). Er ist außerdem Mitglied und Schatzmeister in der Gesellschaft zur Förderung angewandter Informatik e.V. (GFaI).
Veröffentlichungen Die Ergebnisse seiner Doktorarbeit wurden 1972 gemeinsam mit Wolfgang Krug in dem Buch „Wissenschaftliche Photographie in der Anwendung“, Akademische Verlagsgesellschaft Geest & Portig K.-G., Leipzig, veröffentlicht, das später auch in Russland und der Tschechoslowakei verlegt wurde. Es enthält die wissenschaftlichen Grundlagen der modernen Bildverarbeitungstechnik.
Seine Arbeiten zu weltraumtauglichen Speichern sind in Russisch verfasst.
Publikationen (Auswahl) Grundlagen des photochemischen Detailfilter-Verfahrens, 1968: Mit Wolfgang Krug: Wissenschaftliche Photographie in der Anwendung : Wege zur Informationsausschöpfung photographischer Schwarzweiss-Negative, 2. überarb. u. erg. Auflage, Geest & Portig, Leipzig, 1976 Mit Wolfgang Krug und Josef Kubal; Vědecká fotografie ve fotografické praxi metody optimálního vytěžení informací z černobílých negativů (dtsch: Wissenschaftliche Fotografie in der fotografischen Praxis: Methoden zur optimalen Informationsgewinnung aus Schwarz-Weiß-Negativen) , Tschechisch, 1978 Der Tiefraumvideospeicher R3m [Rm] für das Phobosprojekt - ein Ergebnis der digitalen Dichtspeicherentwicklung aus der DDR, Hochschulschrift, 1989:
Einzelnachweise
Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1941 Kategorie:Mann Kategorie:Physiker (20. Jahrhundert) Kategorie:Mitarbeiter (Akademie der Wissenschaften der DDR) Kategorie:DDR-Bürger Kategorie:Träger des Banners der Arbeit