Der von Kolmas (fl. Mitte des 13. Jahrhunderts) war ein mittelhochdeutscher Liederdichter.
Leben und Werk In einer Handschrift des Schwabenspiegels in der Zentralbibliothek Zürich (Signatur MS Z XI. 302) ist ein vierstrophiges Gedicht abgedruckt unter der Überschrift Disiu liet sank ein here hiez von Kolmas.Wilhelm Wackernagel: Lyrische Gedichte des XII., XIII. und XIV. Jahrhunderts. In: Altdeutsche Blätter. Band 2, 1840, S. 121–133, hier S. 122–124; digitale-sammlungen.de. Dieser Autorenname wird traditionell identifiziert mit einem Thüringer Heinricus miles de Kolmas, der zwischen 1262 und 1279 urkundlich bezeugt ist.z. B. Der Name weist ihn als einen der Herren von Kolmatsch aus dem ehemaligen Dorf Culmitzsch in der Nähe von Weida aus. Heinrich war vermutlich ein Ministeriale zunächst des Vogts Heinrich von Gera und später des Landgrafen Albrecht des Entarteten.
Das Gedicht, die einzige von Kolmas überlieferte Dichtung, stellt eine geistlich getönte Altersklage dar: die Unaufhaltsamkeit des Älterwerdens wird beklagt (Strophe 1), doch wird ihr die Aussicht auf das ewige Leben entgegengestellt (Strophe 2). Zu diesem Zweck wird die Jungfrau Maria als Mittlerin angerufen (Strophe 3), das Leben wird mit einer Pilgerschaft verglichen, deren Endziel der Eingang ins Himmelreich ist (Strophe 4).Volker Mertens: Der von Kolmas. In: Kurt Ruh u. a. (Hrsg.): Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon. 2. Ausgabe. Band 5: Kochberger, Johannes – 'Marien-ABC'. De Gruyter, Berlin 1985, ISBN 3-11-009909-8, Sp. 39 f.
Das Gedicht wurde 1857 in die Erstausgabe von Karl Lachmanns und Moriz Haupts Edition Des Minnesangs Frühling aufgenommen, Des Minnesangs Frühling. Herausgegeben von Karl Lachmann und Moriz Haupt. Hirzel, Leipzig 1857, S. 120 f. u. Anm. S. 277 f., . ab 1911 jedoch vom späteren Herausgeber Friedrich Vogt aus Gründen der zeitlichen Zuordnung wieder ausgeschieden.Des Minnesangs Frühling. Mit Bezeichnung der Abweichungen von Lachmann und Haupt und unter Beifügung ihrer Anmerkungen neu bearbeitet von Friedrich Vogt. Hirzel, Leipzig 1911, S. IX f., .
Der Sangspruch Disiu lieder sank ein herre hiez von Kolmas
Mir ist von den kinden da her min tage enflogen mit den winden, daz ich von herzen clage. kunde es gehelfen – nu hilfet es niet –, swaz ich dar umbe taͤte, so waͤr ez geschehen. diz leben ist unstaͤte, als ir hant wol gesehen, wan ez erleschet der tôt als ain lieht. owe, daz wir gedenken so claine dar an unde ez mit rehte nieman erwende kan! nu enruͦchen unz, swie liuzzel wir dar umbe gesorgen: unz ist diu bitter galle in dem hoͤnege verborgen.
Wol in, der nu wirbet mit flize umbe leben, da nieman stirbet. da wirt im gegeben nach sinem willen, daz niemmer zergat. dâ ist ganziu wünne und minne âne haz. ich wæne ieman künne volbedenken daz wie gar ez allez nâch wunsche dâ stât da ist rehtiu vroͮde unde volles gemach; da enirret riechend hûs noch triefende dach; da kan von jaren nieman eralten; da sun wir hin, wil ez got, der ez als sol valten.
[ ] Dez bitten unser vrowen ze hilfe an der ger, daz wirs beschowen, daz uns dez gewer der vil milte got, den ir lip ummevie; der hat bevangen die welt umme gar. sin kraft mac langen noch vêrrer denne dar. nu schowent daz wunder, daz er an der rainen begie, unde merkent alliu wunder, dez gen dem wunder ain wint. si ist Cristes muͦter von himelriche unde ist doch sin kint unde ist maget here, daz die rainen volle schonet. got hat den himel unde die welt mit ir tugenden bekroͤnet.
Wir sin bilgerîne unde zogen vaste hin. in der sunden lîme stecket min sin, daz ich sin drûs nit gebrechen mac. wir varen aine straze, die nieman verbiert. wir sun durch nith enlazen, wir beraiten den wirt, der uns hat geborget da her mangen tac. gelt im! bi dem tage diz leben smilzet alsi ain zin. ez gat an den abend dez libez; der morgen ist da hin. wir sun uns gezite dez besten beraten; begrifet uns du nath mit der schulde, so wirt ez ze spate.Text zitiert nach: , verderbte Verse II 4–6 in der rekonstruierten Fassung nach: Lachmann, Haupt: Des Minnesangs Frühling, Ausgabe 1857, S. 120.
Literatur
August Nebe: Drei thüringische Minnesänger: Christian Luppin, Heinrich Hetzbolt von Weissensee und Heinrich von Kolmas (Separatabdruck aus Band XIX der Zeitschrift des Harzvereins für Geschichte und Altertumskunde). Hendel, Halle (Saale) 1886, S. 46–51 (babel.hathitrust.org). Karl Bartsch, Wolfgang Golther: Deutsche Liederdichter des zwölften bis vierzehnten Jahrhunderts. 3. Auflage. Göschen, Stuttgart 1893, S. 32 f. . Rudolf Herrmann: Heinrich von Kolmas. Ein Minnesänger aus der Gegend von Weida. In: Thüringer Fähnlein, Monatshefte für die mitteldeutsche Heimat, 4. Jg. Heft 9, September 1935, S. 539–543; thulb.uni-jena.de. Volker Mertens: Der von Kolmas. In: Kurt Ruh u. a. (Hrsg.): Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon. 2. Ausgabe. Band 5: Kochberger, Johannes – 'Marien-ABC'. De Gruyter, Berlin 1985, ISBN 3-11-009909-8, Sp. 39 f.
Weblinks
Der von Kolmas im Handschriftencensus Der von Kolmas, digitale Gesamtedition bei Lyrik des deutschen Mittelalters (www.ldm-digital.de) Der von Kolmas, neuhochdeutsche Nachdichtung von Richard Zoozmann (1927) im Projekt Gutenberg-DE
Einzelnachweise
Kategorie:Autor Kategorie:Literatur (13. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Mittelhochdeutsch) Kategorie:Person (Thüringen) Kategorie:Geboren im 12. oder 13. Jahrhundert Kategorie:Gestorben im 13. oder 14. Jahrhundert Kategorie:Mann