Die Natori () war ein Leichter Kreuzer der kaiserlich japanischen Marine aus den frühen 1920er Jahren. Das Schiff kam während des Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieges sowie im Zweiten Weltkrieg auf dem pazifischen Kriegsschauplatz zum Einsatz und ging 1944 infolge von Kriegseinwirkungen verloren. Das Schiff, benannt nach dem Fluss Natori in der Präfektur Miyagi, gehörte der aus insgesamt sechs Einheiten bestehenden Nagara-Klasse an und wurde als zweite Einheit dieser Klasse fertiggestellt. Der Kreuzer wurde am 14. Dezember 1920 auf der Werft von Mitsubishi Heavy Industries in Nagasaki auf Kiel gelegt und lief am 16. Februar 1922 vom Stapel. Die Indienstnahme erfolgte am 15. September 1922. Erster Kommandant des Schiffes war Kaigun-Taisa Soejima Keiichi.

Technik und Modifikationen

Die Natori wurde im Laufe ihrer Dienstzeit mehreren Modifikationen unterzogen. So erhielt das Schiff ab 1927 auf dem Achterschiff, zwischen den Geschützen 6 und 7, einen Flugzeugkatapult und führte ein Wasserflugzeug des Typs Nakajima E4N mit sich. Dieses Modell überalterte jedoch relativ schnell und wurde nach 1938 durch eine Maschine des Typs Nakajima E8N ersetzt. Die Flugzeugausstattung blieb vermutlich bis Anfang 1944 an Bord und wurde erst im Rahmen des längeren Werftaufenthaltes 1943/44 ausgebaut. Zudem wurde 1927 der achtere Hauptmast zu einem Dreibeinmasten umgebaut, um einen Kran zur Aufnahme der Wasserflugzeuge tragen zu können.

Nach dem sogenannten Tomozuru-Zwischenfall 1934 wurde die Stabilität aller Schiffe und auch der Natori überprüft, wobei diesbezüglich Mängel festgestellt wurden. Nachfolgend wurden rund 250 Tonnen Ballast im Bereich der Rumpfzwischenböden eingefügt. Dieser wiederum erhöhte nicht nur die maximale Wasserverdrängung (der Wert von 5.832 ts in der Informationsbox entspricht dem Wert bei der Indienstnahme; in späteren Jahren dürfte die Wasserverdrängung – auch in Kombination mit weiteren Nachrüstungen im Bereich der Flugabwehrwaffen – bei deutlich über 6.500 ts gelegen haben), sondern reduzierte auch die Höchstgeschwindigkeit. Der bei Testfahrten erreichte Wert von 35,5 Knoten wurde in späteren Jahren nicht mehr erreicht, weswegen die Höchstgeschwindigkeit des Kreuzers auch teils nur mit 33 Knoten angegeben wird (womit das Schiff aber immer noch vergleichsweise schnell war).Whitley: Kreuzer im Zweiten Weltkrieg, S. 186.

Im Verlauf der langen Werftliegezeit 1943/44 erfuhr die Flugabwehr eine deutliche Verstärkung. In diesem Zusammenhang wurden zwei der einzeln lafettierten 14-cm-Geschütze sowie die beiden veralteten 8-cm-Flak von Bord gegeben; stattdessen wurden zwei 12,7-cm-Mehrzweckgeschütze in einer Doppellafette sowie 22 leichtere 2,5-cm-Flak und sechs schwere 13,2-mm-Maschinengewehre des Typs 92 an Bord eingebaut. Im Verlauf des Sommers 1944 wurde die Zahl der 2,5-cm-Kanonen vermutlich nochmals erhöht (auf bis zu 36 Rohre?).Whitley: Kreuzer im Zweiten Weltkrieg, S. 187. Ab April 1944 befand sich außerdem ein Radar des Typs 2 21 Go für die Luftraumbeobachtung an Bord.

Geschichte des Schiffes Entsprechend den Planungsabsichten, die Schiffe der Nagara-Klasse als Führungsschiffe von Zerstörerflottillen einzusetzen, wurde die Natori nach der Indienstnahme und dem Abschluss der Probefahrten als Flottillenführer des 2. Zerstörergeschwaders von Kaigun-Shōshō Meijiro Tachi (zugehörig zur 2. Flotte) eingesetzt. In dieser Funktion verblieb das Schiff vermutlich bis ins Jahr 1933 hinein, denn ab Mai 1933 war die Natori zeitweise Flaggschiff des 3. Zerstörergeschwaders der 1. Flotte.

Vorkriegszeit Ab Ende 1938 war der Kreuzer der 9. Kreuzerdivision von Kaigun-Shōshō Kondō Nobutake (5. Flotte) zugeteilt und operierte in chinesischen Gewässern im Rahmen des Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieges. Zwischen September 1939 und November 1940 erfolgte der Umbau der Natori in Maizuru zu einem Flaggschiff, unter anderem wurden in dieser Zeit Stabsquartiere für rund 30 Offiziere an Bord eingebaut. Ab November 1940 diente der Kreuzer dann als Flaggschiff der 2. China-Expeditionsflotte (Kaigun-Chūjō Takasu Shirō) und war zugleich Führungsschiff des 5. Zerstörergeschwaders von Kaigun-Shōshō Kenzaburo Hara. mini|links|Die Natori kurz nach der Indienstnahme (1922).

Am 31. Januar 1941 wurden an Bord der Natori im Hafen von Saigon die Waffenstillstandsvereinbarungen im Rahmen der Beendigung des Französisch-Thailändischen Krieges unterzeichnet. Bereits rund vier Monate zuvor, im September 1940, hatte sich der Kreuzer an der japanischen Besetzung des nördlichen Teils von Französisch-Indochina beteiligt. Im Sommer 1941 schließlich besetzte Japan auch den südlichen Teil von Französisch-Indochina. Die Natori, mittlerweile Teil der 3. Flotte und seit Juli 1941 unter dem Kommando von Kaigun-Taisa Sasaki Seigo, überführte dabei japanische Heereseinheiten aus dem Norden des Landes nach Saigon.

Zweiter Weltkrieg Nach dem Angriff auf Pearl Harbor im Dezember 1941 und dem damit verbundenen Eintritt der Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg wurde die Natori, die zum Zeitpunkt des Angriffs auf Pearl Harbor im Hafen von Magong (Pescadoren) lag, in die japanischen Operationen zur Eroberung der Philippinen mit einbezogen.

Einsatz vor den Philippinen Der Kreuzer sicherte in den ersten Kriegstagen, zusammen mit dem 5. und dem 22. Zerstörergeschwader und drei Minensuchern, einen Konvoi von sechs Truppentransportern (mit Teilen der 48. Division an Bord), welcher am 10. Dezember 1941 die mitgeführten Truppen bei Vigan an der Westküste von sowie bei Aparri im Norden von Luzon anlandete.Bertke, Donald A. / Kindell, Don u. a.: World War II – Sea War: Air Raid Pearl Harbor. This Is Not a Drill. Volume 5. Bertke Publications. Dayton (OH) 2013, S. 76. Die Natori leistete anfangs Feuerunterstützung, indessen war die Gegenwehr sehr gering und die Landung gelang ohne größere Schwierigkeiten. Allerdings wurde der Landungsverband in den Mittagsstunden von drei schweren US-Bombern des Typs Boeing B-17, die zuvor vom Flugplatz Clark Airfield aus aufgestiegen waren, angegriffen. Die Natori erhielt zwar keinen direkten Treffer, aber Splitter von Naheinschlägen setzten das Bordflugzeug in Brand und töteten sieben Besatzungsangehörige. Zudem gab es 15 Verwundete. Die Schäden durch das Feuer waren so beträchtlich, dass der Kreuzer zu den Pescadoren zurückbeordert wurde und Kaigun-Shōshō Hara zeitweise von seinem Flaggschiff auf den Zerstörer Nagatsuki umsteigen musste. Die Reparaturen am Kreuzer in Magong konnten noch im Verlauf des Dezember 1941 abgeschlossen werden.

Operationen gegen Niederländisch-Indien Zu Beginn des Jahres 1942 verlegte die Natori nach Niederländisch-Indien und wurde dort in der Cam Ranh Bay in Bereitschaft gehalten für die geplanten japanischen Landungen auf Java. Am 18. Februar 1942 schließlich liefen der Kreuzer und die acht Zerstörer (der beiden Zerstörergeschwader 5 und 22) von der Cam Ranh Bay aus und sicherten, zusammen mit den Leichten Kreuzern Sendai und Yura, fünf weiteren Zerstörern, dem Minenleger Shirataka und vier Minensuchern, die aus 56 Transportern und Landungsschiffen bestehende sogenannte Westgruppe.Whitley: Kreuzer im Zweiten Weltkrieg, S. 188. Die Fernsicherung der Operation wurde unter anderem von dem Flugzeugträger Ryūjō und dem Wasserflugzeugtender Chiyoda übernommen.

Am 28. Februar 1942 erreichte die Landungsflotte ihre Ziele vor dem nördlichen Eingang der Sundastraße, wobei die Natori mit ihren Zerstörern eine Sicherungsposition vor dem westlichen Ausgang der Straße bezog. In der Nacht des 28. Februar/1. März 1942 versuchten der US-amerikanische Schwere Kreuzer Houston und der australische Leichte Kreuzer Perth (aus Batavia kommend) sowie ein niederländischer Zerstörer die Straße mit Südkurs zu durchlaufen, stießen dabei aber in der Dunkelheit unvermittelt auf den japanischen Landungsverband, woraus sich nachfolgend die Schlacht in der Sundastraße entwickelte. Gegen 22:48 Uhr wurden die drei alliierten Schiffe von der Natori aus entdeckt (bereits zuvor war eine Sichtmeldung des Zerstörers Fubuki eingegangen).O'Hara, Vincent P.: The U.S. Navy Against the Axis: Surface Combat 1941–1945. Naval Institute Press. Annapolis (MD) 2007, S. 48ff. Kaigun-Shōshō Hara schob daraufhin seinen Kreuzer und seine Zerstörer zwischen die alliierten Kreuzer und die eigenen Transporter. In der Folge entspann sich ein erbittertes Nachtgefecht zwischen den alliierten Schiffen und den Japanern. Zwischen 23:10 und 23:19 Uhr feuerten die Natori und fünf ihrer begleitenden Zerstörer 28 Torpedos auf die beiden alliierten Kreuzer ab. Gegen 23:44 Uhr tauschten die Natori und die Perth über wenige Minuten hinweg mehrere Salven direkt aus, wobei der japanische Kreuzer 29 14-cm-Granaten und vier Torpedos abfeuerte, gleichwohl konnten jedoch keine Treffer bemerkt werden. Es ist unklar, welches Schiff welche Torpedotreffer erzielte, zumal gegen 23:27 Uhr auch die beiden japanischen Schweren Kreuzer Mogami und Mikuma sowie weitere Zerstörer in den Kampf eingriffen und weitere Torpedos abfeuerten. Bis 00:45 Uhr wurden die beiden alliierten Kreuzer durch zahlreiche Artillerie- und Torpedotreffer versenkt. Die Natori blieb unbeschädigt.

Eroberung der Weihnachtsinsel

Nach dem Abschluss der Operationen gegen Niederländisch-Indien wurde die Natori Ende März 1942 in die japanische Landung auf der Weihnachtsinsel mit einbezogen. Die an Phosphat reiche Insel wurde von einer aus der Natori, den Leichten Kreuzern Nagara und Naka, acht Zerstörern und zwei Transportern (mit rund 850 japanischen Soldaten an Bord) bestehenden Landungsflotte angegriffen. Die Eroberung der Insel ab dem 31. März 1942 gelang ohne nennenswerte Gegenwehr seitens der stark unterlegenen britisch-indischen Garnison, die innerhalb von 24 Stunden kapitulierte. Indessen jedoch wurde der Kreuzer Naka am 1. April 1942 vor der Insel von dem US-U-Boot Seawolf – welches zuvor erfolglos auch mehrere Torpedos auf die Natori abgefeuert hatte – torpediert und stark beschädigt.Bertke, Donald A. / Kindell, Don u. a.: World War II – Sea War: The Allies Halt the Axis Advance. Volume 6. Bertke Publications. Dayton (OH) 2013, S. 75. Der Kreuzer musste von der Natori in Schlepp genommen werden, konnte aber später sicher nach der Bantam-Bucht eingebracht werden.

Weitere Operationen 1942/1943 In den folgenden Monaten pendelte die Natori zwischen Ambon, Penang, Makassar, Singapur und anderen Häfen in Südostasien und übernahm vorzugsweise Nachschub- und Sicherungsaufgaben, die weitestgehend ereignislos blieben. Im Sommer 1942 folgte eine kurze Überholung in Maizuru. Ende Dezember 1942 transportierte der Kreuzer Speziallandungskräfte von Tarakan nach Hollandia. mini|links|Blick auf das abgerissene Achterschiff der Natori (vermutlich in Singapur aufgenommen, Februar 1943)

Am 9. Januar 1943 wurde die alleine laufende Natori, die zur Unterstützung des in Ambon durch US-Bomber beschädigten Torpedobootes Tomozuru von Lembata nach Ambon beordert worden war, rund 18 Seemeilen südöstlich von Ambon von dem US-U-Boot Tautog gesichtet und mit einem Torpedofächer angegriffen. Zwei der Torpedos trafen den Kreuzer ins Achterschiff und richteten schwere Schäden an, wobei Teile des Hecks mitsamt dem Ruderblatt abbrachen. An Bord gab es sieben Tote und zwölf Verwundete. Trotz der Schäden (und da die Propeller unbeschädigt geblieben waren) konnte die Natori ihre Fahrt fortsetzen, wenngleich auch sehr langsam, und aus eigener Kraft noch am gleichen Tag Ambon erreichen.