Der Ring der Nibelungen ist ein deutscher Fantasyroman von Wolfgang Hohlbein und Torsten Dewi, der 2004 erschien und eine Bearbeitung des Stoffes der Nibelungensage darstellt. Es handelt sich nach Hagen von Tronje von 1986 um den zweiten Roman Hohlbeins, der sich mit den Nibelungen befasst.
Handlung
Das Königreich Xanten wird von den Dänen unter ihrem König Hjalmar bedrängt. Im Kampf um die Hauptstadt zerbricht Nothung, das Schwert von König Siegmund. In der Hoffnung, dass seine Blutlinie überlebt, schläft Siegmund noch einmal mit seiner Frau Sieglinde und schickt sie dann gemeinsam mit dem Krieger Laurens nach Süden in ein Gebiet, das Odins Wald genannt wird, um sich vor den Häschern Hjalmars bei dem Schmied Regin zu verstecken, der früher einmal am Hof in Xanten tätig war. Sieglinde bringt dort im Exil einen Sohn zu Welt, stirbt jedoch bei der Geburt, sodass Regin den jungen Siegfried erzieht. Laurens begibt sich zurück nach Norden, um im Geheimen den Widerstand gegen die Dänen zu organisieren. Das Schwert Nothung wurde zuvor vergraben, Siegfried soll es später als sein Erbe bekommen.
Siegfried wird ein tüchtiger Schmied, Regin klärt ihn jedoch nie über seine königliche Herkunft auf. Sie beschließen, ihre geschmiedeten Werkzeuge an einem Hof anzubieten. Siegfried würde es reizen, nach Xanten zu gehen, Regin setzt jedoch durch, dass sie nach Süden nach Worms, an den Hof der Burgunder, gehen. Auf dem Weg dorthin fällt den beiden auf, dass das Land von irgendetwas verwüstet worden ist. In Worms werden sie am Hof freundlich als Gäste aufgenommen und erfahren, dass seit längerem ein Drache namens Fafnir die Gegend heimsucht und damit Burgund sehr schwer schadet. König Gundomar zieht schließlich in Begleitung seiner Söhne Giselher und Gunther mit einigen Kriegern los, um dem Untier endlich ein Ende zu setzen, das Unternehmen schlägt jedoch fehl: Der König als auch der Kronprinz sterben, wodurch Gunther unvorhergesehen auf den Thron gelangt.
Siegfried hat sich inzwischen in Kriemhild, die Tochter des Königs verliebt, diese empfindet auch etwas für ihn, allerdings trennt sie der unterschiedliche Stand. Kriemhild hat, weil ihr Herz sich nach Siegfried sehnt, sogar zum Unmut ihres Vaters das Werben des Hunnenkönigs Etzel, mit dem Worms dauerhaft einen mächtigen Verbündeten gewinnen würde, abgelehnt. Überraschend taucht dann aber Laurens wieder auf und trägt das ausgegrabene Schwert Nothung bei sich. Er macht Regin Vorwürfe, Siegfried nie die Wahrheit gesagt zu haben. Siegfried erfährt schließlich, dass er königlicher Abstammung und somit ein geeigneter Ehemann für Kriemhild wäre – nur fehlt ihm dazu noch sein früheres Königreich.
Siegfried zieht schließlich im Alleingang los und sucht den Drachen auf, welchen er schließlich auch besiegen kann. Er findet danach in der Höhle, in der das Tier hauste, einen großen Goldvorrat, darunter auch einen Helm, der unsichtbar machen kann, sowie einen Ring. Die Stimmen der Nibelungen, Geister, welcher in dieser Waldgegend leben, warnen Siegfried eindringlich davor, sich an ihrem Eigentum zu vergreifen. Dieser verspricht, die beiden kostbaren Stücke zurückzugeben, sobald es ihm damit gelungen sein sollte, den Thron Xantens zurückzuerobern.
Mit dem Gold aus dem Nibelungenschatz kann er König Gunther dazu bewegen, Söldner anzuwerben und einen Kriegszug gegen Xanten zu unternehmen. Siegfried will einen Sieg über die Dänen ohne großes Blutvergießen, daher gibt er sich gegenüber Hjalmar als Erbe Siegmunds zu erkennen. Es kommt zu einem Zweikampf zwischen beiden, in dem Siegfried eigentlich unterlegen wäre, aber Hjalmars Hiebe verletzten Siegfried nicht, da dieser im Blut des Drachen gebadet hat. Siegfried kann somit nicht nur die Krone Xantens, sondern auch die Dänemarks erringen.
Hagen von Tronje, Gunthers Berater, sieht hierbei Gefahr im Verzug, da Siegfried nun eine große Machtgrundlage hat und sollte der bislang kinderlose Gunther sterben, würde über Kriemhild auch Burgund an Siegfried fallen. Hagen rät daher, dass Gunther bald heiraten sollte. Als sie hören, dass auf Island die Königin Brunhilde einen Mann sucht, begeben sie sich dorthin, Gunther bittet Siegfried um dessen Hilfe. Gunther stellt sich mutig der Herausforderung, dass Brunhilde nur denjenigen, heiraten will, der sie im Kampf besiegt. Brunhilde ist ihm jedoch körperlich deutlich überlegen, Gunther kann den Kampf nur bestehen, weil Siegfried ihm mit Hilfe des Tarnhelms zur Hilfe kommt. Island fällt damit an Burgund und die Brunhilde geht mit dem Sieger nach Worms.
Gunther muss sich, als er in der Hochzeitsnacht von Brunhilde gedemütigt wird und sich ihr körperlich nicht erwehren kann, Siegfried um Hilfe bitten. Während der unsichtbare Siegfried die Königin festhält, vollzieht Gunther den Akt. Siegfried ist anschließend von seiner Beihilfe dazu verstört und gesteht es Kriemhild, welche entsetzt davon ist, dass ihr Mann und Bruder eine Königin geschändet haben. Die Stimmung zwischen den jungen Brautleuten kühlt sichtlich ab, Kriemhild lässt nun so schnell wie möglich alles für die Abreise nach Xanten vorbereiten. Brunhilde hat inzwischen auch herausgefunden, wie der Wettkampf und die Hochzeitsnacht abgelaufen sind.
Gunther bedrückt die nun sehr angespannte Stimmung im Hof und er bespricht sich darüber heimlich mit Hagen im Wald. Sein Berater rät dazu, Siegfried zu töten, um die Probleme aus der Welt zu schaffen. Gunther ist zunächst strikt dagegen, sieht später aber keinen anderen Weg und willigt schließlich in Hagens Plan ein. Ihr Gespräch wurde jedoch von Gunthers Bruder Gernot, der sich mit Hagens Tochter Elsa ebenfalls im Wald befand, belauscht. Dieser sagt schließlich Kriemhild Bescheid, die sofort in den Wald aufbricht, wo Gunther, Hagen und Siegfried gerade zur Jagd ausgeritten sind. Als sie ankommt, ist Siegfried bereits von Hagen ermordet worden. Gunther, der starke Zweifel am ganzen Vorhaben hatte, wollte Hagen zuvor doch noch daran hindern, tötet dann, als die Tat geschehen ist, schließlich Hagen. Zurück am Hof wird Gunther von Brunhilde angegriffen, der König setzt sich zur Wehr und tötet sie. Brunhilde stirbt in dem Gewissen, dass sie auf diesem Wege in Kürze wieder mit Siegfried vereint sein wird. Gunther hingegen befällt der Wahnsinn, er bildet sich fortan den toten Hagen an seiner Seite ein.
Nach ihrer Ankunft in Xanten nimmt Kriemhild Kontakt zum Hunnenkönig Etzel auf und zeigt sich bereit, ihn nun doch zu heiraten und an den Hof der Hunnen in Gran zu ziehen. Zur Hochzeit lädt sie auch Gunther ein, der jedoch mit Gernot und einigen Kriegern dort auftaucht. Nachdem es zunächst ein frohes Fest ist, gibt Kriemhild ihren niederländischen Kriegern schließlich den Befehl, alle Burgunder am Hof zu töten. Etzel ist entsetzt von den Vorgängen, Kriemhild rät ihm aber, nicht mit seinen Hunnen einzugreifen, wenn er ein noch größeres Blutbad vermeiden will. Einzig ihren Bruder Gernot lässt die Königin am Leben. Gunther und seine Schwester töten sich schließlich gegenseitig.
Etzel, dessen Liebe zur Kriemhild aufrichtig war, zeigt sich schwer davon enttäuscht, dass seine Frau ihn lediglich als Mittel für die Rache an ihrer Familie benützt hat. Er möchte daher auch das Kind von Siegfried und Kriemhild nicht länger bei sich am Hof haben und gibt es Gernot mit. Zurück in Worms beschließt dieser mit Elsa, das Kind selbst aufzuziehen. Gernot will allerdings nicht König von Burgund werden, sondern sie wollen nach Island gehen, wo sie weit weg von all dem Geschehenen sind. Auf dem Weg dorthin geben sie auch den Nibelungen den gestohlenen Ring, den zuletzt Kriemhild besessen hat, wieder zurück.
Veröffentlichung
Der Roman erschien als Taschenbuch im Heyne-Verlag. Dieser gab mit dem Erscheinen auch eine Neuauflage von Hohlbeins älterem Roman Hagen von Tronje aus dem Jahr 1986 heraus.
2007 erschien eine weitere Ausgabe bei cbt, 2011 gab es eine weitere Ausgabe von Weltbild, die als Hardcover Teil der Reihe „Hohlbeins Historische Welten“ war.
Rezeption
Auf der Seite literaturkritik.de urteilte 2005 Daniel Könitz, inzwischen wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Deutsche Philologie des Mittelalters der Philipps-Universität Marburghttps://www.uni-marburg.de/de/fb09/deutsche-philologie-des-mittelalters/institut/dr-daniel-koenitz, dass das Ende des Werkes verglichen mit dem eigentlichen Nibelungenstoff „wie eine zensierte Hollywoodversion“ wirke, „bei der nach dem Lesen bloß niemand depressiv und desillusioniert das Buch aus der Hand legen sollte.“ Geschmacklich sei dies „zumindest zweifelhaft zu bewerten“, stelle aber nicht die größte Schwäche des Romans dar. Während die erste Hälfte des Romans gelungen den Aufstieg und Fall Siegfrieds darstelle und die beiden Autoren „viel Wert auf die Motivationen der einzelnen Figuren legen“, verliere der Roman danach an Qualität. Die Entscheidung am Hof der Hunnen werde auf vergleichsweise nur achtzig Seiten abgehandelt. Könitz vermutet, aufgrund dieser „rein quantitative[n] Diskrepanz zwischen den beiden Romanteilen“, „dass den beiden Autoren der eigentliche Mut für diesen Nibelungenroman gefehlt hat“. Am Ende bleibe ein Roman zweier Autoren, „die sich nicht entschieden haben, was sie eigentlich schreiben wollten.“Daniel Könitz: Zu wenig Ausdauer. Auf den letzten Metern geht dem neuen Nibelungenroman von Wolfgang Hohlbein und Torsten Dewi die Luft aus, literaturkritik.de vom 14. Oktober 2005, abgerufen am 26. Juli 2026.
Auf der Seite literaturzeitschrift.de urteilte Wolf Barthel 2006, „Hohlbein arbeitet das gewaltige Heldenepos äußerst trivial auf, und seine viel gerühmte Erzählkunst wirkt merkwürdig flach gegenüber dem mächtigen Stoff, aus dem die Geschichte um die Nibelungen gewoben ist.“Wolf Barthel: Der Ring der Nibelungen by Wolfgang Hohlbein, literaturzeitschrift.de vom 29. Juni 2006, abgerufen am 26. Juli 2026.
Fortsetzungen
2007 folgte – wieder als Zusammenarbeit von Hohlbein und Dewi – mit Die Rache der Nibelungen eine Fortsetzung des Romans, 2010 erschien mit Das Erbe der Nibelungen ein dritter Band der Reihe.
Ausgaben Wolfgang Hohlbein, Torsten Dewi: Der Ring der Nibelungen. Wilhelm Heyne Verlag, München 2004, ISBN 978-3-453-53026-3. Wolfgang Hohlbein, Torsten Dewi: Der Ring der Nibelungen. cbt, München 2007, ISBN 978-3-570-30403-7. Wolfgang Hohlbein, Torsten Dewi: Der Ring der Nibelungen (= Hohlbeins Historische Welten), Weltbild, Augsburg o. D. .
Einzelnachweise
Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Literatur (21. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Roman, Epik Kategorie:Nibelungen Kategorie:Fantasyliteratur Kategorie:Werk von Wolfgang Hohlbein