miniatur|Palazzo Vescovile (Bischöflicher Palast) von Rieti: Hauptfassade. Auf der rechten Seite ist der Arco di Bonifacio VIII. Der Palazzo Vescovile, auch Palazzo Papale, ist ein Palast aus dem 13. Jahrhundert in der Stadt Rieti in der italienischen Region Latium. Er liegt an der Via Cintia, 83, neben der Kathedrale. Seine Hauptfassade zeigt zur Piazza Mariano Vittori, seine Seitenfassade zur Via Cintia, in der – ein paar Meter zurückgesetzt – der Arco di Bonifacio VIII liegt.
Geschichte miniatur|links|Das Ensemble aus Kathedrale, Bischofspalast und Arco di Bonifacio VIII miniatur|links|Die Gewölbedecken des Palazzo Vescovile im Erdgeschoss Im 12. Jahrhundert war Rieti öfters Sitz des Papstes. Im Laufe eines Jahrhunderts residierten in Rieti die Päpste Innozenz III. (1198), Honorius III. (1219 und 1225), Gregor IX. (1227, 1232 und 1234), Nikolaus IV. (1288 und 1289) und Bonifatius VIII. (1298).
Wegen der Anwesenheit der Kurie wurde der Palast errichtet. Mit dem Bau begann Maestro Andrea 1283 unter dem Episkopat von Monsignore Pietro Gerra (1278–1286) und 1288 wurde er fertiggestellt.
Nach dem Erdbeben von 1298 ließ Papst Bonifatius VIII. den nach ihm benannten Bogen errichten, der die Via Cintia überspannt und sich an den Palast anlehnt.
Bischof Antonio Serfino Camarda (der das Bistum von 1724 bis 1754 leitete) ließ im Erdgeschoss des Palastes gemauerte Trennwände errichten, um Lager und Ladengeschäfte zu erhalten, die an Handwerker und Händler vermietet werden konnten. So erhielt er die Gelder, die für die Reparaturen der Gebäude benötigt wurden, die beim Erdbeben von 1703 beschädigt worden waren. Die Gewölbe des Palazzo Vescovile waren noch Anfang des 20. Jahrhunderts in dieser Weise genutzt; sie waren damals an einen Steinmetz und einen Zimmermann vermietet.
Ursprünglich war der Palast mit einer Treppe ausgestattet, die an der Außenmauer der Kathedrale angebracht war und vom Platz vor der Hauptfassade direkt ins Obergeschoss führte. Später, vermutlich im Zuge des Baus der Seitenkapellen der Kathedrale im 18. Jahrhundert, wurde die Treppe in die Mitte der Hauptfassade des Palazzo Vescovile verlegt, wo sie den Zugang zur Vorhalle und zu den Gewölben im Erdgeschoss überdeckte.
Bei Gründung der Römischen Republik war General Giuseppe Garibaldi in Rieti, um die Grenzen mit dem Königreich Neapel zu schützen. Garibaldi logierte im Palast der Markgrafen Colelli vom 29. Januar bis zum 13. April 1849 und requirierte den bischöflichen Palast als Schlafplatz für seine Legionen von Freiwilligen. Ihr Aufenthalt fügte dem Palast großen Schaden zu, da Garibaldis Truppen als Zeichen ihrer Verachtung des Klerus die Wände mit obszönen Schriftzügen und Zeichnungen beschmierten, womit sie den Bischof Gaetano Carletti zwangen, die Wappen des Papstes und der Bischöfe, die die Wände des Audienzsaales schmückten, mit Putz abzudecken.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts baten Kommune und Diözese um Wiederherstellung des Palastes, aber das Ministerium für öffentliche Arbeiten zögerte, einen Kredit zu gewähren.
Schließlich wurde der Palast bei den Erdbeben von 1898 beschädigt und im Jahre 1900 wies das Justizministerium auf Bitten der Stadt Rieti einen Zuschuss von 1000 Lire für notwendige Arbeiten zur Sicherung des Daches zu. Bei dieser Gelegenheit ergab ein Gutachten der Baubehörde, dass infolge zahlreicher Umbauten im 16.–18. Jahrhundert im Auftrag der Bischöfe ‚‘Colonna, Guido di Bagno‘‘, Giorgio Bolognetti und Camarda vom Dach aus dem 13. Jahrhundert nichts mehr übriggeblieben war.
Mit der vollständigen Restaurierung des Gebäudes begann man schließlich 1927 unter der Leitung von Francesco Palmegiani, dem ehrenamtlichen Inspektor für Denkmäler und Ausgrabungen in Rieti, dank des Eingreifens seines Vorgängers Angelo Sacchetti Sassetti und der Zusammenarbeit mit Bischof Massimo Rinaldi.
Die Arbeiten wurden 1934 abgeschlossen und beschränkten sich nicht auf die Konsolidierung des Gebäudes: Palmegiani verfolgte auf der ständigen Suche nach dem vom faschistischen Regime verherrlichten „römischen Ideal“ radikal puristische Ansätze durch umfangreiche Wiederherstellung des ursprünglichen, mittelalterlichen Erscheinungsbildes des Palastes. Das Erdgeschoss erstand wieder in seiner ursprünglichen Form und wurde von den Ladengeschäften der der Handwerker befreit; die Zwischenwände wurden eingerissen und die Gewölbe wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt. Die Fassade wurde wesentlich verändert, der Putz entfernt die Loggia in ihren romanischen Formen wiederhergestellt und die monumentale Treppe, die vom Platz direkt ins Obergeschoss führte, eliminiert (und durch eine neue Treppe im Kreuzgang ersetzt). Dies ermöglichte den Bau einer Vorhalle als Zugang zum Erdgeschoss. Außerdem wurde ein Kerker, der an die Ostseite des Palastes anschloss, abgerissen.
1926 ließ Bischof Massimo Rinaldi zum 700. Todestag von Franz von Assisi eine Statue des Heiligen auf dem Platz vor dem Palast aufstellen; sie schuf der Bildhauer Cristo Giordano Nicoletti.
Beschreibung miniatur|links|Innenhof, der zum Obergeschoss führt miniatur|Der Brunnen Das Gebäude hat zwei Stockwerke. Die Hauptfassade zeigt im Erdgeschoss eine Vorhalle, durch die man ins Innere des Palastes gelangt, und im Obergeschoss eine Loggia mit einem durch zwei Steinsäulen altrömischen Ursprungs und einen Pfeiler in der Mitte gestützten Dach. Früher war diese Loggia direkt vom Vorplatz aus über eine Steintreppe erreichbar, die in den 1920er-Jahren abgerissen wurde; heute ist diese nur noch auf einigen alten Fotos zu sehen.
In der rechten Seitenwand des Obergeschosses gibt es acht Fenster aus der Zeit der Renaissance (1532).
Auf der linken Seite, an die Wand zur Kathedrale gelehnt, befindet sich ein Brunnen, dessen Becken aus einem gerippten, altrömischen Sarkophag besteht, über dem eine Halbreliefplatte mit einem Greif aus dem 12. Jahrhundert eingemauert ist.
miniatur|Audienzsaal, in dem die Diözesanpinakothek untergebracht ist Im Erdgeschoss, in das man entweder an der Hauptfassade oder durch zwei Seiteneingänge in der Via Cintia gelangt, sind die „Bischöflichen Gewölbe“ untergebracht, eine grandiose, zweischiffige Vorhalle, aufgeteilt durch sechs kreuzförmige Pfeiler, die vierzehn Joche mit gotischen Kreuzgewölben tragen, die mit Kordeln verziert sind. In den Gewölben im Erdgeschoss finden aufgrund der bühnenreifen Umgebung häufig Ausstellungen und Messen statt und sie erfüllen die Funktion eines Vestibüls: Von dort gelangt man durch ein Gittertor in einen kleinen Innenhof, von dem aus man über eine Treppe zu den Räumen im Obergeschoss gelangt.
Einen großen Teil des Obergeschosses nimmt der Audienzsaal ein, ein großer Saal mit 46 Metern Länge, 14 Metern Breite und maximal 13,5 Metern Höhe, gedeckt durch einen Dachstuhl mit offenen Balken, in dem seit 2005 die Pinakothek des Diözesanmuseums untergebracht ist. Aus dem Audienzsaal gelangt man auf die Loggia, die man an der Hauptfassade sieht, in den Wappensaal und in den Saal San Probo, der von Vincenzo Mananti mit Fresken versehen wurde, sowie in die anderen Räume des Palastes, die die Privaträume des Bischofs und Büros der Diözesankurie beherbergen.
Eine Inschrift, die ursprünglich in die Loggia eingemauert war und heute an der Tür des Saals angebracht ist, erinnert an die Hochzeit von Konstanze von Sizilien und Heinrich VI., dem Sohn von Friedrich Barbarossa und späteren Kaiser, die am 23. August 1185 in Rieti nur in Gegenwart der Braut gefeiert wurde (Heinrich VI. weilte wegen der Beerdigung seiner Mutter in Deutschland). Die Hochzeit wurde am 27. Januar des Folgejahres in Mailand nachgeholt; Rieti wählte man wegen seines symbolischen und politischen Wertes; es fand die Zustimmung von Teilen der Kirche als erste Stadt außerhalb der Grenzen des Königreiches Sizilien, durch die Konstanze in Begleitung eines prunkvollen Gefolges von Fürsten und Baronen auf ihrem Weg von Palermo nach Mailand zog.
“ANN. DNI M.C.LXXXV INDICT. III - MENS. AG. D. XXIII TEPORIBUS LUCII. III ET FRIDERICI ROMANORUM INP. BENEDICT. REATINE SEDIS EP. CORADI DUCIS SPOLETI. REX HENRICUS FILIUS EJUSDEM INP. RECER REATE REGINA CONSTANTIA FILIA ROGERII REGIS SICULI IN UXOREM P. LEGATOS SUOS. CUM MAMMA MULTITUDINE PRICIPUM ET BARONUM“(dt.: Im Jahre des Herrn 1185, dritter Indiktion, am Tag 23 des Monats August, in der Zeit von Papst Lucius III. und des Kaisers Friedrich, des Bischofs von Rieti, Benedetto und des Herzogs von Spoleto, Corrado, nahm der König Heinrich, Sohn des Kaisers, durch seine Legaten in Rieti die Königin Konstanze, Tochter des Königs Roger von Sizilien mit sehr großem Gefolge von Fürsten und Baronen zur Frau.)
Bildergalerie
Einzelnachweise
Quellen Francesco Palmegiani: L’antichissimo palazzo vescovile di Rieti. Ricostruzione storico artistica con disegni e fotografie. Papi e imperatori a Rieti. La serie dei vescovi. Ind. tip. Romana, 1925.
Weblinks
Palazzo Vescovile Kategorie:Palast im Latium Kategorie:Bauwerk der Romanik im Latium Kategorie:Bauwerk der Gotik im Latium Kategorie:Erbaut im 13. Jahrhundert