miniatur|Palazzo del Seminario in Rieti, Fassade zur Piazza Guglielmo Oberdan Der Palazzo del Seminario ist ein Palast aus dem 13. Jahrhundert in der Stadt Rieti in der italienischen Region Latium. Er liegt an der Piazza Guglielmo Oberdan, 7, und an der Via del Seminario, 2. Die Piazza Guglielmo Oberdan schließt er nach Westen ab und seine Rückseite zeigt zur Via del Seminario. Die Via Marco Terenzio Varrone überspannt der Arco del Seminario, über den die Via Marco Terenzio Varrone in die Piazza Guglielmo Oberdan mündet. Dort befand sich das erste Priesterseminar, das nach den auf dem Konzil von Trient festgelegten Grundsätzen gegründet wurde, wenn man von dem sehr kleinen Priesterseminar von Larino absieht.

Geschichte miniatur|links|Das Portal zur Piazza Guglielmo Oberdan Der Komplex war ursprünglich der Palazzo Pretorio e del Podestà, der Ende des 13. Jahrhunderts errichtet wurde. Das Gebäude, das sich heute perfekt in das umgebende Stadtbild einfügt, hatte ursprünglich zwei von Kreuzgewölben getragene Überführungen: Eine davon führt heute noch über die Via Marco Terenzio Varrone, die andere, die später geschlossen wurde, über die Via del Seminario. Zwischen den beiden Überführungen kann man noch den alten Saal für die Volksversammlung ausmachen, dessen Decke aus einem System von vier Kreuzgewölben besteht.

Mitte des 16. Jahrhunderts schenkte die Stadt den Palast dem Bischof von Rieti, dem Kardinal Marcantonio Amulio, weil sich dort das Priesterseminar der Diözese im Zuge der Umsetzung der Beschlüsse der soeben abgeschlossenen Gegenreformation befand. Mit den Umbauarbeiten wurde Giacomo Barozzi da Vignola betraut, der 1563 nach Rieti gerufen wurde, auch wenn man von diesen Umbauten heute nicht leicht noch eine Spur findet. Das Priesterseminar wurde am 4. Juni 1564 eingeweiht; zu diesem Anlass gewährte Papst Pius IV. all jenen den Ablass, die die Kapelle besucht hatten. Es handelte sich um das erste Priesterseminar, das nach den Prinzipien des Konzils von Trient gegründet worden war, das weniger als ein Jahr vorher beendet worden war, wenn man von dem sehr kleinen Priesterseminar von Larino absieht (das fünf Monate vor dem von Rieti gegründet worden war); dessen Vorrangstellung war bis in die 1960er-Jahre vergessen worden.

Der Palast, der anfangs aus sieben Zimmern bestand und nur 26 Seminaristen aufnehmen konnte, erwies sich als unzureichend zur Befriedigung aller Anforderungen und wurde im 17. und 18. Jahrhundert mehrfach erweitert.

miniatur|links|Mauerwerk aus Travertinblöcken, eine der wenigen Spuren, die vom Palazzo Pretorio e del Podestà erhalten geblieben sind. Zwischen 1639 und 1660 wurde ein neuer Gebäudeflügel an der Via della Peschiera errichtet, der dann 1935 nochmals verlängert wurde. 1654 ließ Bischof Giorgio Bolognetti mit Arbeiten zur Erweiterung des Gartens und zur Restaurierung der Fassade beginnen. 1684 erhielt Bischof Ippolito Vicentini die Erlaubnis, über dem Übergang über die Via Marco Terenzio Varrone zu bauen; zum Gedenken an diese Bauarbeiten ließ er an der Fassade sein eigenes Familienwappen anbringen, das heute aber nicht mehr existiert.

miniatur|Der Palast mit dem Übergang über die Via Marco Terenzio Varrone Wie die Inschrift über dem Portal an der Piazza Guglielmo Oberdan angibt, wurde der Palast 1726 auf Initiative des Bischofs Serafino Camarda durch Anbau eines Lagers und sechser Zimmer erweitert, was die Kapazität des Priesterseminars gegenüber den Anfangszeiten verdoppelte; mit den Arbeiten wurde Antonio Tondetto betraut.

1764 versah Monsignore Giovanni de Vita das Priesterseminar mit einer Verordnung, die das Priesterseminar in Rom bis dahin übernommen hatte.

Am 31. Juli 1865 verfügte ein Ministererlass die Schließung des Seminars und die Enteignung von zwei Dritteln seiner Vermögenswerte; damals zählte das Seminar 123 Priesterschüler, sowohl intern als auch extern. 1879 wurde es wiedereröffnet.

1964 wurde der Komplex zur 400-Jahr-Feier des Priesterseminars vollständig renoviert.

Das Gebäude, das bereits durch eine Krise der Berufungen schlecht ausgelastet war, wurde wegen der vom Erdbeben 1997 verursachten Schäden geschlossen und einer Sanierung unterzogen, deren zweiter Abschnitt, mit dem 2009 begonnen wurde, heute noch am Laufen ist.

Einzelnachweise und Bemerkungen Rieti - Percorsi tra ambiente, storia, cultura. Fondazione Varrone, 2007. S. 210–211.

1965 wurde in der Druckerei Poliglotta Vaticana die Monographie von Ugo Pietrantonio: Il seminario di Larino, primo post-tridentino. Cenni di storia dalle origini ai giorni nostri (1564–1964) veröffentlicht, die die Materie vertiefte.

Weblinks

Kategorie:Erbaut im 13. Jahrhundert Kategorie:Barockbauwerk im Latium Kategorie:Bauwerk des Manierismus in Italien Palazzo del Seminario