Die Filmtage Globale Perspektiven (von 1976 bis 2017 Fernsehworkshop Entwicklungspolitik) sind offene Konferenzen mit Filmprogramm für Fachpublikum und Interessierte, die alle zwei Jahre im Mai stattfinden und vom Bundesverband kommunale Filmarbeit veranstaltet werden. In deren Rahmen werden aktuelle Film- und Fernsehproduktionen zu Themen des Globalen Südens gesichtet und mit Filmschaffenden und Fachleuten aus der Bildungsarbeit, der Medienarbeit und der Entwicklungspolitik diskutiert, um einen Einblick in die Vielfalt des filmischen Umgangs mit Themen des Globalen Südens zu erlangen. Zu den Themen gehören etwa politische und soziale Auswirkungen der Globalisierung, Fluchtursachen und Migration, Menschenrechte und Geschlechtergerechtigkeit sowie Dekolonisierung und die Auswirkungen des Klimawandels. Übergeordnetes Ziel ist es, Produktion und Verleih von Filmen zu globalen Themen durch Filmförderinstitutionen stärker zu unterstützen sowie die Auftragsproduktion von Filmen durch öffentlich-rechtliche Sender zu stärken.

Geschichte 1972 rief Jürgen Wichmann, Leiter der Katholischen Akademie Trier, den Fernseh-Workshop für eine Gerechte Welt ins Leben. Ziel der Veranstaltung war es, „das Verständnis für die Entwicklungsländer und ihre Menschen zu wecken und die Möglichkeiten der Entwicklungshilfe und Entwicklungspolitik bewusst zu machen, indem eine sachgerechte Information durch Sendungen des Fernsehens und durch Filme in Unterricht und Erwachsenenbildung gefördert wird.“ Zwei Jahre später fand die Veranstaltung an der Evangelischen Akademie Arnoldshain statt. Deren damaliger Leiter Martin Stöhr sah in der „Überlebensfrage [...] im Kern die Frage, die Verteilung von Lebenschancen und Lebensmitteln, von Macht und Bildung, von Arbeitsplätzen und Ressourcen so zu ändern, dass der gegenwärtige Trend zu klaffender Ungerechtigkeit sich in einen Trend zu mehr Gerechtigkeit verwandelt.“

Einen vorherrschenden Ethnozentrismus in der medialen Auseinandersetzung attestierten und kritisierten 1974 die Teilnehmer in einer von ihnen unterzeichneten Erklärung: „Die weitaus meisten Filme zeichnen sich durch Oberflächlichkeit, Unkenntnis und Vorurteil aus. Der entwicklungspolitische Fernsehfilm ist in einem katastrophalen Rückstand. Ursachen von Unterentwicklung werden in den meisten Filmen unvollständig beziehungsweise stark verkürzt gesehen. Die Bedingungen des Welthandels werden gewöhnlich nicht dargestellt. Die Menschen in den Entwicklungsländern werden zumeist als bloße Objekte vorgeführt und kommen selten selbst zu Wort, eine Berichterstattung über Gefahren und negative Auswirkungen ausländischer Entwicklungshilfe fehlt.“ Wenngleich „nicht immer mit konstruktiven Ergebnissen“, leisteten die Veranstaltungen „Entwicklungshilfe in eigener Sache“, indem sie die vielschichtige Widersprüchlichkeit der medialen Darstellung der Entwicklungspolitik thematisierten. So entwickelten sie sich in den folgenden Jahrzehnten zu einem „Schaufenster des entwicklungsbezogenen Films“ und der Kritik an dessen Beiträgen. „Waren es 1972 die kirchlichen Spendenfilme, die den allgemeinen Unmut hervorriefen, so waren es 1974 die politischen Redaktionen der Fernsehanstalten wegen ihrer platten Berichterstattung, 1976 die Industrie mit ihren Werbefilmen für Großprojekte, 1978 die Auslandskorrespondenten wegen der zu wenig gezeigten Betroffenheit und 1980 die Fernsehanstalten in Bausch und Bogen.“

Spätestens ab 1999 fand die Veranstaltung zeit- und teilweise in Köln statt, wo von 2001 bis 2017 ebenfalls der Eine-Welt-Filmpreis NRW vergeben wurde. Seit 2013 findet sie wieder in Frankfurt am Main statt.

Die Bezeichnung „Fernseh-Workshop“ wurde ursprünglich gewählt, um sich von einem Festival abzugrenzen und den Arbeitscharakter der damals fünftägigen Veranstaltung hervorzuheben. Während die ersten beiden Veranstaltungen noch Fernseh-Workshop für eine Gerechte Welt hießen, lautete der Name ab 1976 Fernsehworkshop Entwicklungspolitik. 2019 wurde die mittlerweile viertägige Veranstaltung in Filmtage Globale Perspektiven umbenannt. Seit 2024 erstreckt sich das Programm über drei Tage.

Organisation Organisiert werden die Filmtage Globale Perspektiven vom Trägerkreis Globale Perspektiven im Film (bis 2017 Arbeitsgemeinschaft Fernsehworkshop Entwicklungspolitik), der Menschenrechtsorganisationen und Organisationen aus der Entwicklungszusammenarbeit sowie Bildungsinstitutionen und Interessenverbände der Filmwirtschaft vereint.

Die im Trägerkreis zusammengeschlossenen Organisationen sind zu einem großen Teil konfessionell gebunden. Neben adveniat, der Deutschen Bischofskonferenz, Justitia et Pax, dem Katholischen Filmwerk und Misereor finden sich Brot für die Welt, die Evangelische Akademie Frankfurt, Medienzentrale der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, das Evangelische Zentrum für entwicklungsbezogene Filmarbeit sowie das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik. Darüber hinaus sind die Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm und Konferenz der Landesfilmdienste vertreten.

Veranstalter der Filmtage Globale Perspektiven waren in der Vergangenheit u. a. das Institut für Medienpädagogik und Kommunikation Hessen und das Büro für Kultur- und Medienprojekte, aktuell ist es der Bundesverband kommunale Filmarbeit.

Die 28. Filmtage Globale Perspektiven fanden vom 19. bis 21. Mai 2026 erstmals im Deutschen Filminstitut & Filmmuseum in Frankfurt am Main statt. In diesem Jahr konzentriert sich das Programm auf aktuelle Werke von vor allem jungen Filmschaffenden mit Fokus auf Geschlechtergerechtigkeit und Widerstandsbewegungen u. a. in Lateinamerika.

Konzept Aktuelle Filme zu den Lebenswirklichkeiten in den Ländern des Globalen Südens gehören zum Programm, das alle zwei Jahre gezeigt wird „und verschiedene Sparten zusammenfaßt: den meist von kirchlichen Gruppen produzierten Spendenfilm, Werbefilme für die deutsche Entwicklungspolitik, Unterstützerfilme aus der linken Solidaritätsszene, Dokumentar- und Spielfilme aus und über die Dritte Welt sowie sämtliche Fernsehproduktionen zu diesem Thema.“ Dabei fokussiert sich die Filmauswahl häufig thematisch auf einen oder mehrere Schwerpunkte. Gespräche mit Filmschaffenden und Experten nach den Filmvorführungen bieten Interessierten und Aktiven aus der Film- und Bildungsarbeit ein Forum.

Ursprünglich und aktuell sind Sichtung, Vorführung und Diskussion eine Programmeinheit und öffentlich zugänglich. Zwischenzeitlich fanden auch jährliche Sichtungen für das Fachpublikum im Frühjahr und die öffentliche Präsentation der ausgewählten Filme zweijährlich im Herbst statt.

Eine Fachjury empfiehlt aus den eingereichten Filmen eine Auswahl für die kulturelle und politische Bildungsarbeit. Das Spektrum reicht von Spiel- und Dokumentarfilmen verschiedener Längen über TV-Dokumentationen bis hin zu Reportagen. Lehrer und Ausbildende erhalten hierdurch Orientierungshilfen und Anregungen. In einem etwa 1500 Beiträge umfassenden Katalog kann themen- und länderbezogen nach Filmen und Inhalten recherchiert werden.

Rahmenprogramm Neben den Filmsichtungen werden während der Filmtage Workshops, Panels und Masterclasses angeboten. Deren Kerngedanke ist die aktive Vernetzung von Filmschaffenden aus dem Globalen Süden mit Film- und Medienschaffenden aus dem Globalen Norden.

Teilweise finden in Kooperation mit Filmfestivals und anderen Akteuren der politischen und medialen Bildung Veranstaltungen auch außerhalb der Filmtage statt. So z. B. das Seminar „Strategien der Annäherung – Darstellung des Fremden im deutschen Fernsehen“ in Kooperation mit dem Forum des Goethe-Instituts München, der Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm, der Zeitschrift für Pädagogik und dem Institut für Ethnologie und Afrikanistik der Universität München (2003) oder ein Workshop zu dem internationalen Dokumentarfilmprojekt „Why Democracy?/Demokratie – für alle?“ in Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung (2008).

Auszeichnungen und Preise Neben den Empfehlungen für die kulturelle und politische Bildungsarbeit werden von einer drei- bis fünfköpfigen Fachjury Filme ausgezeichnet, um der entwicklungspolitischen Diskussion in der Öffentlichkeit neue Impulse zu geben und einen Perspektivwechsel zu ermöglichen.

Eine-Welt-Filmpreis NRW Als Anerkennung für die Arbeit von Filmschaffenden in einem marginalisierten Bereich wurde 2001 der Eine-Welt-Filmpreis NRW vom Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen bzw. der Landesregierung Nordrhein-Westfalen gestiftet. Er war ursprünglich mit 3000, 2000 und 1000 DM, zuletzt mit 5000, 3000 und 1500 Euro bzw. 7000, 5000 und 3000 Eurohttps://www.friedensband.de/wp-content/uploads/2017/10/Pressemitteilung-zur-Verleihung-des-Eine-Welt-Filmpreises.pdf dotiert und wurde bis 2017 in Köln verliehen.

Preisträger sind u. a. Eisenfresser von Shaheen Dill-Riaz (2007), Dirty Paradise von Daniel Schweizer (2011), Raising Resistance von Bettina Borgfeld und David Bernet (2013), Jakarta Disorder von Ascan Breuer und Viktor Jaschke (2015) und Das grüne Gold – Dead Donkeys Fear No Hyenas von Joakim Demmer (2017).

Filmpreis Globale Perspektiven Seit 2019 existiert der Filmpreis Globale Perspektiven in bis zu vier Kategorien Kinofilm, Dokumentarfilm, TV-Dokumentation sowie Nachwuchsfilm. Seit 2024 wird dabei der Preis für den besten Kinofilm von der Jugend Filmjury vergeben, um der Notwendigkeit des Globalen Lernens eine besondere Bedeutung zuzumessen.

Weblinks Internetpräsenz der Filmtage Globale Perspektiven

Einzelnachweise

Kategorie:Gegründet 1972 Kategorie:Filmorganisation (Deutschland) Kategorie:Entwicklungspolitik (Deutschland) Kategorie:Entwicklungshilfe (Deutschland)