mini|Verbreitungsgebiet der Blauaugendrossel
Die Blauaugendrossel, auch Taczanowski-Drossel genannt, (Turdus leucops) ist ein Singvogel aus der Familie der Drosseln (Turdidae).P. H. Barthel, C. Barthel, E. Bezzel, P. Eckhoff, R. van den Elzen, Ch. Hinkelmann & F. D. Steinheimer: Die Vögel der Erde - Arten, Unterarten, Verbreitung und deutsche Namen, 3. ergänzte Auflage, 2022, PDF
Der Vogel kommt in Bolivien, Brasilien, Ecuador, Guyana, Kolumbien, Peru, Suriname und Venezuela vor.
Als Art der Gattung Turdus beschrieben, wurde sie zunächst als Merula leucops in die Gattung MerulaH. Seebohm und R. B. Sharpe: A Monographs of the Turdidae or Family of Thrushes. Band 2. 1902, London, Biodiversity Library, dann als Planesticus leucops in die Gattung PlanesticusF. M. Chapman: The distribution of bird-life in Colombia: A contribution to a biological survey of South America. In: Bulletin of the American Museum of Natural History, Band 36, S. 533, 1917, Biodiversity Library gestellt. Von HellmayrC. E. Hellmayr: Catalogue of Birds of the Americas and the Adjacent Islands in Field Museum of Natural History. Part 7. Corvidae, Paridae, Sittidae, Certhiiidae, Chamaeidae, Cinclidae, Troglodytidae, Prunellidae, Mimidae, Turdidae, Zeledoniidae, Sylviidae. In: Field Museum of Natural History Publication 330. Zoological Series 13, S. 431, 1934, Biodiversity Library wurde die Art als Unterart der Gelbfußdrossel (Turdus flavipes) in der Gattung Platycichla betrachtet und als Platycichla flavipes leucops bezeichnet.
Die ersten molekularbiologischen Untersuchungen ordneten die Blauaugendrossel der Familie der Fliegenschnäpper (Muscicapidae) zu.C. G. Sibley und B. L. Monroe: Distribution and Taxonomy of Birds of the World. Yale University Press, 1990
Mit den Untersuchungen von Remsen und Mitarbeitern aus dem Jahre 2012 wurde die Art wieder der Gattung Turdus zugeordnet.J. V. Jr. Remsen, C. D. Cadena, A. Jaramillo, M. Nores, J. F. Pacheco, J. Pérez-Emán, M. B. Robbins, F. G. Stiles, D. F. Stotz und K. J. Zimmer: A Classification of the Bird Species of South America. In: American Ornithologists’ Union, 2012
Der Lebensraum umfasst feuchte Wälder, Bergwald, alten Sekundärwald, Waldränder von 850–2000 m örtlich bis 2600 m. ü. M. Zum Brüten werden moosbewachsene Bäume in nur wenigen Metern Abstand von einem Wasserlauf bevorzugt. Außerhalb der Brutzeit kann es zu örtlichen Wanderungen kommen, aber im gleichen Habitat.M. McMullan: Field Guide to the Birds of Colombia Rey Naranjo Editores, 2018, ISBN 978-958-8969-77-0Thomas Scott Schulenberg, Douglas Forrester Stotz, Daniel Franklin Lane, John Patton O’Neill, Theodore Albert Parker III: Birds of Peru. Princeton University Press, 2007, ISBN 978-0-691-04915-1C. Verea: Pale-eyed Thrush (Turdus leucops), version 2.0. In: F. Medrano (Herausgeber): Birds of the World. 2023, Cornell Lab of Ornithology, Ithaca, NY, USA. Turdus leucops
Der Artzusatz kommt von und .J. A. Jobling: A Dictionary of Scientific Bird Names. Oxford University Press. 1991. ISBN 0-19-854634-3.
Merkmale Der Vogel misst 19–24 cm und wiegt 54–80 g. Hauptmerkmale sind die helle bis weiße Iris in Kombination mit dem komplett schwarzen Gefieder des Männchens, der blasse Augenring (beim Männchen, aber auch nicht immer), der gelbe bis orangefarbene Schnabel sowie die gelblichen Beine. Die Geschlechter unterscheiden sich deutlich in der Färbung. Männchen sind durchgehend glänzend bläulich-schwarz mit deutlich blassem Auge und Gelb oder Orange an Schnabel und Beinen. Weibchen sind dunkel olivbraun, an der Unterseite etwas heller mit dunklem Schnabel und mattgelben Beinen. Jungvögel sind weibchenartig gefärbt, aber an der Oberseite gelbbraun orangefarben gefleckt und gestrichelt, bräunlich schwarz geschuppt von der Brust bis zu den Flanken. Der Schnabel ist beim Jungvogel schwarz, manchmal gelb oder orangefarben mit gelbem Schneidrand, beim Weibchen schwarz oder braun, während des Brütens gelb. Beim Männchen ist der Schnabel hell gelb, gelborange oder orangefarben. Die Iris ist beim Jungvogel hellbraun ohne Augenring, beim Weibchen hell-, grau- oder braun ohne Augenring. Beim Männchen ist das Auge bläulich weiß mit blass orangefarbenem Augenring, eventuell auch ohne Ring. Die Beine und Füße sind beim Jungvogel braun oder gelblich braun, beim Weibchen gelb, bräunlich überhaucht, beim Männchen immer so wieder Schnabel gefärbt.
Farbkombinationen von schwarzem Männchen und braunem Weibchen finden sich bei verschiedenen Drosseln wie Gelbfußdrossel (Turdus flavipes), Samtdrossel (Turdus serranus) und Kapuzendrossel (Turdus olivater).
Das Weibchen der Gelbfußdrossel hat einen gelben Augenring und eine Strichelung an Kinn und Kehle. Die Samtdrossel ist größer, gegenüber deren Weibchen ist die Blauaugendrossel an Schwanz und Schnabel kürzer, hat keinen Augenring, ist mehr olivfarben und weniger rotbraun, ist blasser mittig am Unterbauch und Steiß, hat braune und nicht rotbraune Flügelunterdecken. Das Weibchen der Kapuzendrossel ist etwas größer, hat einen dünnen gelblichen Augenring und ist an der Unterseite blasser gelblich braun. Bei der Andengraudrossel (Turdus nigriceps) ist die Kehle beim Weibchen weißer und kräftiger gestrichelt.
Geografische Variation Die Art ist monotypisch.IOC World Bird List 15.1 ThrushesAviList Core Team. 2025. AviList: The Global Avian Checklist, v2025. AviList.v2025
Obwohl sich die Blauaugendrossel und die eng verwandte Gelbfußdrossel (Turdus flavipes) in ihren Ausbreitungsgebieten teilweise überlappen, sind (bislang) keine Hybride zwischen den beiden Arten nachgewiesen.
Stimme Der Vogel ist ein ausgezeichneter Sänger, der hoch aus den Bäumen vorgetragene Gesang wird als zwitschernd, kratzig, als abwechslungsreiche Folge hoher klingender Phrasen, melodiös oder klingelnd, mit viel Imitationen anderer Vögel, Insekten und Frösche beschrieben. Rufe sind ein Gackern, ein hohes klingendes „ti-seee“ oder abfallendes „seee“. Der Gesang erinnert an den der Gelbfußdrossel (Turdus flavipes), ist aber melodiöser.
Lebensweise Die Art ist im überwiegenden Teil des Verbreitungsgebietes ein Standvogel, jedoch kann es zu Höhenwanderungen außerhalb der Brutzeit kommen. Die Art lebt überwiegend auf Bäumen meist unterhalb oder in den Wipfeln, ist scheu und schwer zu sehen, allenfalls bei fruchttragenden Bäumen. Mitunter kommt sie auch ins Unterholz entlang Wasserläufen und Galeriewälder. Die Nahrung besteht hauptsächlich aus Früchten und Beerenobst, das in den Bäumen gesucht wird, manchmal auch in kleinen Gruppen auf fruchttragenden Bäumen. Im Waldinnern wird auch am Erdboden und im Gefolge von Wanderameisen gesucht. Hinzu können Skorpione, kleine Wirbeltiere kommen.
Neben der Blauaugendrossel kommen im gleichen feuchten bis nassen Lebensraum weitere verwandte Drossel vor wie Andenklarino (Myadestes ralloides), Weidenmusendrossel (Catharus fuscescens), Grauwangen-Musendrossel (Catharus minimus), Gelbfußdrossel (Turdus flavipes), Samtdrossel (Turdus serranus), Halbringdrossel (Turdus albicollis), Kakaodrossel (Turdus fumigatus), Fahlbrustdrossel (Turdus leucomelas) und Kapuzendrossel (Turdus olivater).
Die Art ist auch zusammen mit andern Vögeln in gemischten Jagdgemeinschaften zu finden wie Schwarzameisenvogel (Hafferia immaculata), Grauwangen-Baumsteiger (Dendrocincla fuliginosa), Eulerschnäppertyrann (Lathrotriccus euleri), Einsiedlerzaunkönig (Henicorhina leucophrys), Graukopftangare (Eucometis penicillata), Ockerbrust-Buschammer (Atlapetes semirufus), Larvenwaldsänger (Myioborus miniatus) und Dreistreifen-Waldsänger (Basileuterus tristriatus).
Die Brutzeit liegt zwischen April und Juni, in Ecuador zusätzlich im Dezember und Januar. Das Nest wird in der Regel in wenigen Metern Höhe in einem Baum angelegt, aber auch in Böschungen.
Das Gelege besteht aus meist 2 grünlichen, olivgrünen bis hell blauen Eiern mit braunen bis rotbraunen, unregelmäßigen Flecken. Das Weibchen brütet, beide füttern die Nestlinge.
Gefährdungssituation Die Blauaugendrossel gilt als nicht gefährdet (Least Concern).
Literatur W. Taczanowski: Turdus leucops. In: Proceedings of the Zoological Society of London, Band 1877, pt.2, S. 331, 1877, Biodiversity Library
Weblinks
Macaulay Library
Einzelnachweise
Kategorie:Drosseln