La Stagione Frankfurt ist ein 1988 gegründetes deutsches Ensemble, das sich auf die authentische Wiedergabe im Sinne der historischen Aufführungspraxis spezialisiert hat.
Geschichte und Profil Das Ensemble wurde 1988 vom Dirigenten Michael Schneider gegründet, der bereits 1979 mit einigen Freunden das Ensemble Camerata Köln ins Leben gerufen hatte. Bei der Gründung bildeten Mitglieder der Camerata Köln den Kern von La Stagione Frankfurt, indem die Stimmführerpositionen aus diesem Kreis besetzt wurden.Matthias Hengelbrock: Unerhörtes hörbar machen. In: Fono Forum. Ausgabe Juni 1996, S. 42–45.
Der Name „La Stagione“ verweist auf einen Begriff aus der italienischen Opernpraxis und bezeichnet ursprünglich die Spielzeit sowie die Gesamtheit der in diesem Rahmen produzierten Werke. Entsprechend liegt ein Schwerpunkt des Ensembles auf vokaler Musik, insbesondere italienischer Oper sowie Oratorien und Kantaten, wobei das Ensemble auch mit bekannten Gesangssolisten zusammenarbeitet. Diese Ausrichtung prägt die Arbeitsweise des Ensembles mit einer engen Verbindung von instrumentalem und vokalem Musizieren. Neben Vokalwerken werden aber auch reine Instrumentalprogramme realisiert, etwa Aufführungen zentraler Werke des Barockrepertoires.
Das künstlerische Konzept des Ensembles umfasst mehrere Aspekte: Ein zentraler Bestandteil ist die Wiederentdeckung und Aufführung wenig bekannter oder in Vergessenheit geratener Werke, etwa der Reformoper Paride ed Elena von Christoph Willibald Gluck. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Neuinterpretation bekannter Kompositionen. Ziel ist es, diese Werke durch historisch informierte Aufführungspraxis in einem veränderten klanglichen Kontext erfahrbar zu machen. So wurde etwa Rodelinda von Georg Friedrich Händel von La Stagione Frankfurt erstmals in historischer Aufführungspraxis präsentiert, 1990 konzertant in Göttingen sowie 1996 szenisch in Halle. Darüber hinaus integriert das Ensemble stilistisch ungewöhnliche oder als experimentell wahrgenommene Werke in seine Programme.
Das Ensemble gastierte unter anderem im Concertgebouw Amsterdam, im Wiener Konzerthaus, im Wiener Musikverein, in der Alten Oper Frankfurt, im Palau de la Música Catalana sowie im Palais des Beaux-Arts de Bruxelles. In Zusammenarbeit mit dem Städelschen Kunstinstitut führte das Ensemble die Konzertreihe „Das Meisterwerk“ durch. Eintrag La Stagione Frankfurt Kulturportal der Stadt Frankfurt am Main. Abgerufen am 15. April 2026.
Repertoire Das Repertoire umfasst Werke vom musikalischen Frühbarock bis zur Wiener Klassik sowie ausgewählte Kompositionen des 20. Jahrhunderts. Im Bereich der Barockmusik stehen insbesondere die Werke von Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel, Alessandro Scarlatti, Alessandro Stradella und Antonio Vivaldi im Mittelpunkt. Eine besondere Rolle nimmt die Pflege des Werkes von Georg Philipp Telemann ein. Dies zeigt sich unter anderem in einer umfangreichen Diskographie, die neben einer Gesamteinspielung aller Concerti mit Bläsern auch Ersteinspielungen von Opern und Oratorien von Telemann umfasst. Repertoire Homepage von La Stagione Frankfurt. Abgerufen am 15. April 2026.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Erforschung der Übergangsphase zur Wiener Klassik. Neben den Werken von Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven widmet sich das Ensemble auch weniger bekannten Komponisten wie Georg Matthias Monn, Carl Friedrich Abel, Franz Ignaz Beck, Johann Stamitz.
Zudem realisiert das Ensemble auch Projekte mit Neuer Musik. Dazu zählen unter anderem Werke von Karlheinz Stockhausen, Paul Hindemith und Frank Martin.
Diskografie (Auswahl) Carl Friedrich Abel: Symphonien op.7 Nr.1–6 (cpo; 2015) Carl Friedrich Abel: Klavierkonzerte op. 11, Nr. 1–6. Mit Sabine Bauer, Klavier und Cembalo (cpo; 2003) Franz Ignaz Beck: Symphonien op.3 Nr.3–5 (cpo; 1995) Franz Ignaz Beck: Symphonien op.4 Nr.1–3 (cpo; 2005) Christoph Willibald Gluck: Paride ed Elena. Mit Roberta Alexander, Claron McFadden, Dorothea Frey, Kerstin Ganninger, Axel-E. Hoffmann (Capriccio; 1991) Georg Friedrich Händel: Rodelinda. Mit Barbara Schlick, Claudia Schubert, Claudia Cordier, Kai Wessel, Christoph Prégardien, Gotthold Schwarz (Deutsche Harmonia Mundi; 1990) Joseph Haydn: L’anima del filosofo. Mit Marilyn Schmiege, Claron McFadden, Christoph Prégardien, Gotthold Schwarz, Niederländischer Kammerchor (Deutsche Harmonia Mundi; 1990) Ignaz Holzbauer: Günther von Schwarzburg. Mit Christoph Prégardien, Robert Wörle, Michael Schopper, Claron McFadden (cpo; 1994) Alessandro Stradella: San Giovanni Batista. Mit Ruth Ziesak, Mechthild Bach, Christoph Prégardien, David Cordier, Michael Schopper (Deutsche Harmonia Mundi; 1989) Georg Philipp Telemann: Ino-Cantata, Orchestral Suite in D, Fanfare. Mit Ana Maria Labin (Deutsche Harmonia Mundi; 2015)
Auszeichnungen Preis der deutschen Schallplattenkritik für Franz Ignaz Beck: Symphonien op.4 Nr.1-3, (cpo; 2004); Diskographie Offizielle Homepage https://www.lastagione.de. Abgerufen am 15. April 2026. Georg Philipp Telemann: Kantate "Ino", TWV 20:41 (deutsche harmonia mundi; 2014); Longlist 4/2015 Website des Preises der deutschen Schallplattenkritik e.V. (PdSK). Abgerufen am 15. April 2026. Longlist Jahrespreise 2016 Website des Preises der deutschen Schallplattenkritik e.V. (PdSK). Abgerufen am 15. April 2026. Georg Philipp Telemann: The Grand Concertos for mixed instruments Vol. 6 (cpo; 2018). Longlist 4/2019 Website des Preises der deutschen Schallplattenkritik e.V. (PdSK). Abgerufen am 15. April 2026.
Weblinks
Website von La Stagione Frankfurt
Einzelnachweise
Kategorie:Orchester (Frankfurt am Main) Kategorie:Ensemble (Historische Aufführungspraxis)