mini|hochkant|Joseph Wilhelm Menges (um 1900) Joseph Wilhelm Menges (auch Josef Menges; * 14. Februar 1856 in Kaiserslautern; † 17. Oktober 1916 in München) war ein deutscher Bildhauer in dritter Generation der gleichnamigen Bildhauerfamilie aus Kaiserslautern. Er schuf in den beiden Jahrzehnten vor und nach 1900 eine Reihe großformatiger Denkmäler im Königreich Bayern und der Bayerischen Pfalz sowie an einzelnen Orten im Deutschen Reich (Essen, Säckingen am Hochrhein).

Leben Ausbildung und Niederlassung in München Josephs ältere Brüder Jakob d. J. und Karl hatten Ende der 1860er bzw. Anfang der 1870er Jahre eine Ausbildung an der Münchner Akademie der Bildenden Künste absolviert. Er selbst besuchte als Heranwachsender bis 1872 die Gewerbeschule und als junger Mann von 1874 bis 1876 die nach Münchner Modell neu gegründete Baugewerkschule Kaiserslautern. Neben der Führung des Familienbetriebs versah sein Vater Lehraufträge als Werkmeister an den genannten Schulen.Eltern und Kinder lebten und arbeiteten im stadtbekannten „Mengeshof“ in der Kaiserslauterer Alleestraße 14. Erst nach dem Tod Jakob Menges’ d. Ä. (1817–1881) schrieb er sich mit 26 Jahren an der Bildhauerschule der Akademie der Bildenden Künste München ein.Matrikel Nr. 4293 mit Datum vom 9. Januar 1883.

mini|Menges’ Atelier, Gipsmodelle von links: Alfred Krupp, Prinzregent Luitpold, weibliches Relief, Aktstudie des Schmieds am Krupp-Denkmal. Foto: Carl Teufel (1889) Die Mitarbeit im Familienbetrieb endete damit noch nicht. Ein sorgfältig arrangiertes Foto von Menges’ Münchner Atelier aus dem Jahr 1889 zeigt ein weibliches Gewandrelief, das etwa zur gleichen Zeit auf einer Grabstätte im Kaiserslauterer Hauptfriedhof angebracht wurde.Familiengrabstätte Simbgen mit mittig platziertem weiblichen Gewandrelief an der Friedhofsmauer.

Als Schüler der Akademie wurde er in den Jahren 1884 und 1885 für eingereichte Lösungen von Preisaufgaben belobigt. Für seine Prüfungsarbeiten in der Bildhauerschule von Professor Widnmann erhielt er 1885 eine bronzene Medaille zugesprochen, 1886 eine Belobigung. Ferner sammelte er Anerkennungen für Wettbewerbsbeiträge in den Jahren 1887, 1888 und 1889.Laut Meldungen der Allgemeinen Zeitung (AZ) und der Münchner Neuesten Nachrichten (MNN): AZ vom 13. Jan. 1884, MNN vom 11. Jan. 1885, MNN vom 26. Juli 1885, MNN vom 29. Juli 1886, AZ vom 31. März 1887, AZ vom 21. Jan. 1888 und MNN vom 19. Jan. 1889.

Seit Beginn des Studiums hielt sich Joseph Menges in München auf. Ab 1891 wird er im Münchner Adressbuch als wohnhaft in der Akademiestr. 13, gegenüber der Akademie der Bildenden Künste, aufgeführt. Sein Atelier lag zwei Häuserblocks entfernt im Rückgebäude eines im Besitz der Universität befindlichen Mietshauses in der Amalienstr. 57.Adressbuch für München 1891

Rascher Erfolg und berufsständisches Wirken mini|Alfred-Krupp-Denkmal vor dem Essener Werksgelände Im Jahr 1889 bewarben sich Joseph Menges und der ein Jahr ältere Bildhauer Alois Mayer um die Ausführung eines Denkmals zu Ehren von Alfred Krupp. Im gleichen Jahr war in Essen das von den Stadtvätern gestiftete Alfred-Krupp-Denkmal an der Marktkirche enthüllt worden. Nun wollte die Belegschaft dem verstorbenen Firmengründer ihrerseits huldigen. Die zwei namenlosen Bildhauer setzten sich gegen ca. 40 Konkurrenten durch.Allgemeine Zeitung vom 19. November 1889, S. 4855. Bei der Einweihungsfeier Ende August 1892 hob dies der Vorsitzende des Denkmal-Komitees, an die Künstler gewandt, hervor: „Noch jung im Dienste der Kunst und völlig unbekannt, übergaben wir Ihnen dennoch die Ausführung des Denkmals. (...) Dieses Denkmal ist die erste größere Arbeit Ihres künstlerischen Schaffens und bildet dadurch gleichsam das Fundament zu Ihren ferneren Schöpfungen, welche in großer Zahl noch aus Ihrer kunstgeübten Hand hervorgehen mögen.“Essener Volkszeitung vom 30. August 1892.

Schon vor der Enthüllung des Denkmals hatten sich Mayer und Menges über die Frage zerstritten, wer von ihnen der geistige Schöpfer des Gesamtkunstwerks sei.Als zweifelsfrei gilt, dass Menges die Nebenfigur des Schmieds und Mayer die der Arbeiterwitwe entworfen hat. Karl Falk, Deutschlands große Industriewerkstätten. Die Granit- und Syenitwerke im Odenwalde. In: Die Gartenlaube Heft 20 1893, S. 330–334. Der eskalierende Streit mündete in gegenseitige Beleidigungsklagen, in die auch Mayers Ehefrau hineingezogen wurde. Eine dreistündige Gerichtsverhandlung vor dem Schöffengericht am Landgericht München I im Januar 1893 brachte keine Klarheit und endete mit geringfügigen Geldstrafen für alle Beteiligten.Auszug aus einem Bericht der Augsburger Abendzeitung vom 17. Januar 1893, S. 4: „Am 19. August v. J. kam es nun zum vollen Bruche. Mayer beschimpfte den Menges in seinem Atelier in gröblichster Weise und gebrauchte Ausdrücke wie Schwindler, schlechter Kerl etc., was Menges veranlaßte, gegen Mayer Beleidigungsklage zu stellen. Die Frau des Letzteren hatte inzwischen in Erfahrung gebracht, daß sich Menges Dritten gegenüber dahin geäußert hatte, daß die Mayer’s ihm Dank schuldig seien, da er ihnen so viel Gutes erwiesen habe, daß Frau Mayer ihm um den Hals gefallen sei und ihn geküßt habe. Frau Mayer, die dies als gänzlich unwahr bezeichnet, ließ sich die Nachrede nicht gefallen und nannte am 25. August v. J. Herrn Menges einen elenden miserablen Kerl, wegen welcher Ausdrücke sie sich gleichfalls wegen Beleidigung zu verantworten hat.“ In zweiter Instanz erwirkte Menges Ende März 1893 eine Verschärfung der verhängten Geldstrafen für Mayer und seine Ehefrau.Augsburger Abendzeitung vom 1. April 1893, S. 4

Der plötzlich zu Ruhm gekommene Künstler spezialisierte sich auf Herrscherfiguren (Reichskanzler Otto von Bismarck, Prinzregent Luitpold von Bayern) und Kriegerdenkmäler. Alfred Krupp und der Dichter Joseph Victor von Scheffel blieben die einzigen Gestalten aus der Zivilgesellschaft. Einige seiner Schöpfungen maßen mit Sockel und zentraler Bronzeplastik sieben bis acht Meter und waren mit überlebensgroßen Assistenzfiguren versehen. Während der beiden Weltkriege fielen etliche von ihnen den angeordneten Metallspenden für die Kriegswirtschaft zum Opfer.

Im Januar 1898 wurde Joseph Menges erstmals als Beisitzer in den Vorstand der Münchner Künstlergenossenschaft (MKG) gewählt. Er hatte dieses Amt über einen Zeitraum von sechs Jahren bis 1903 inne. Schon ab 1897 gehörte er drei Jahre lang bis 1899 der Auswahljury für Bildhauerei der MKG an.Quelle: Die Offiziellen Kataloge der Münchner Jahresausstellungen im Kgl. Glaspalast.

mini|Scheffel-Denkmal auf dem Säckinger Münsterplatz Im Jahr der Fertigstellung des Säckinger Kriegerdenkmals legte Menges der Stadt den Entwurf eines Scheffel-Denkmals vor. Bei der Auftragserteilung akzeptierte er einen Vertragspassus, der ihn verpflichtete, Gutachterwünsche zu respektieren. Er begann mit der Arbeit, ohne ein ausstehendes Gutachten des Karlsruher Architekturprofessors Josef Durm abzuwarten. Nachträgliche Änderungen verursachten erhebliche Mehrkosten, die er zwischen 1903 und 1906 einzuklagen versuchte. Die gerichtliche Auseinandersetzung zog sich über drei Instanzen bis zum Reichsgericht in Leipzig hin. Der ausgehandelte Pauschalpreis von 25 000 M. wurde nicht um die nachgeforderten 4 500 M. erhöht.Akten des Stadtarchivs Bad Säckingen.

Menges bediente das zeitgenössische Verlangen nach patriotischen Großdenkmälern noch, als sich in der Bildhauerei mehr und mehr Formen des Jugendstils durchsetzten. Sein Verharren in der hergebrachten Ästhetik dürfte dazu beigetragen haben, dass er ab dem Jahr 1900 nicht mehr in die Auswahljury der Münchner Glaspalast-Ausstellungen berufen wurde.

Abstand vom Kunstbetrieb Im September 1902 gab der damals 46-jährige Bildhauer seine Verlobung bekannt: „Familien-Nachrichten. München: Verlobt: Jos. Menges, Bildhauer von Kaiserslautern, mit Helene Sauer, geb. Beckmann, von hier.“Allgemeine Zeitung vom 18. September 1902, S. 4 Das Paar wurde am 14. Oktober standesamtlich in München getraut.Heiratsregistereintrag: 1077/1902/B/München I; Signatur: DE-1992-STANM-1399.

1903 bezogen Menges und seine Frau Wohneigentum in einem wenige Jahre zuvor errichteten zweistöckigen Doppelhaus an der Frundsbergstr. 42 im heutigen Stadtbezirk Neuhausen-Nymphenburg. 1904 war der Neubau eines eigenen Ateliers auf dem Gartengrundstück hinter dem Haus fertiggestellt.Meldung vom 15. Dez. 1902 über Genehmigung des Bauantrags; Adressbuch für München 1905. Der Bildhauer hatte die prestigeträchtige Maxvorstadt verlassen, um seine Tätigkeit am nordwestlichen Stadtrand fortzusetzen, dessen boomende Neubauquartiere Arbeitern und Gewerbetreibenden Wohnraum boten. Der Umzug fällt zeitlich mit der Eröffnung des nahe gelegenen Münchner Westfriedhofs zusammen, von dem er sich Aufträge versprach. Zur angrenzenden Villenkolonie Gern mit ihren bekannten Künstlerateliers hielt Menges Abstand.

Die Todesanzeige des Kunstbildhauers („nach längerer Krankheit sanft entschlafen“) datiert vom 17. Oktober 1916 und ist von seiner Ehefrau Helene Menges unterzeichnet.Münchner Neueste Nachrichten vom 18. Oktober 1916, S. 8. Die Bestattung am 19. Oktober des Kriegsjahrs 1916 erwähnte die Presse eher kurz: „Künstler, Beamte und andere Trauernde geleiteten im Westfriedhof den Bildhauer Joseph Wilhelm Menges zur Ruhestätte. Pfarrer Geistlicher Rat Gatzenmeier von der Altkatholischen Gemeinde vollzog die religiöse Handlung und würdigte in der Gedächtnisrede die Verdienste des Künstlers. Professor Bolgiano legte für die Künstlergenossenschaft unter Worten des Dankes und der Anerkennung einen Lorbeer nieder.“General-Anzeiger der Münchner Neuesten Nachrichten vom 20. Oktober, S. 1. Es ist bemerkenswert, dass als Hauptredner kein Standesvertreter, sondern der altkatholische Münchner Stadtpfarrer Anton Gatzenmeier auftrat. Das Grab besteht nicht mehr.Die Grabstätte befand sich am Westfriedhof, Grabfeld 36-1-0012 (Auskunft der Gräberverwaltung der Städtischen Friedhöfe München vom 06.05.2026).

Werke (Auswahl) mini|hochkant|Prinzregenten-Büste in der Kaiserslauterer Fruchthalle mini|hochkant|Bismarck-Denkmal in Kaiserslautern mini|hochkant|Kriegerdenkmal in Säckingen mini|hochkant|Scheffel-Denkmal in Bad Säckingen mini|hochkant|Gedenktafel für Josephine 'Scheffel in Oberndorf a. N. 1892: Alfred-Krupp-Denkmal in Essen mit den Assistenzfiguren „Arbeit“ (Schmied mit Eisenbahnrad) und „Humanität“ (Arbeiterwitwe und Mädchen). Das Original der zentralen Figur befindet sich heute im Ruhr Museum EssenAbbildung, ein Abguss im Hügelpark. Die Nebenfiguren wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört. 1892: Bismarck-Büste in Weinheim an der Bergstraße. Nach dem Zweiten Weltkrieg im Schrott geborgen, 1965 im Haganderpark, Bahnhofstr. 20 wiedererrichtet. 1893: Fassadenfiguren aus Sandstein („Ora et labora.“) in Bad Säckingen, Eckhaus am Münsterplatz. 1894: Prinzregent-Luitpold-Büste in Kaiserslautern, Nische im großen Saal der Fruchthalle.„München, 9. April. (...) Se. k. Hoh. der Prinz-Regent besuchte gestern Vormittag die Ausstellung des Kunstvereins und das Atelier des Bildhauers Menges. Dieser hat soeben eine Kolossalbüste des Regenten für den großen Saal der Getreidehalle in Kaiserslautern fertiggestellt.“ Allgemeine Zeitung vom 9. April 1894 Die Büste wurde 1920 auf Initiative des Bürgermeisteramts mit der Begründung entfernt, dass sie nicht zum ästhetischen Konzept der laufenden Innenrenovierung passe.Sitzungsprotokoll des Stadtrats vom 7. Oktober 1920, Stadtarchiv Kaiserslautern Weiterer Verbleib unbekannt. 1895: Kriegerdenkmal des 1. Feldartillerie-Regiments in München, Galvanoplastik mit stehendem Löwen, Schild, Kanonenrohr und Lorbeerkranz.Allgemeine Zeitung vom 22. März 1895, S. 3. Verbleib unbekannt.