mini|Raphaëlle Red (2024) Raphaëlle Red (geboren 1997 in Paris) ist eine französisch-deutsche Schriftstellerin und Literaturwissenschaftlerin.
Raphaëlle Red ist in Paris geboren und in Berlin aufgewachsen. Sie studierte Literarisches Schreiben an der Université Paris VIII, wo sie mit einem Master abschloss. Sie lebt in Berlin, wo sie an der Freien Universität zu zeitgenössischer Literatur der afrikanischen Diaspora forscht. 2017 war sie Kuratorin der im Rahmen des Internationalen Literaturfestival Berlin (ilb) stattfindenden Veranstaltungsreihe decolonizing wor:l:ds.
Sie veröffentlicht Texte in Französisch (Jef Klak und L’Humanité), Englisch (Beiträge in gal-dem und The Funambulist, 2026 das Buch Safe Space) und Deutsch (in der Literaturzeitschrift Bella triste und den Anthologien Resonanzen und Glückwunsch).
Adikou 2024 veröffentlichte Raphaëlle Red ihren Debütroman Adikou im Pariser Verlag Grasset, der im gleichen Jahr in enger Zusammenarbeit mit der Autorin von Patricia Klobusiczky übersetzt im Rowohlt Verlag erschien.
Die Titelheldin lebt in einem Zustand von Unsicherheit, fehlender bzw. ungewisser kultureller Wurzeln, weiß nichts von ihrem aus Togo stammenden Vater und kennt nicht einmal die korrekte Aussprache ihres Namens. In einem heißen Pariser Sommer wird ihr die Situation unerträglich, sie setzt sich ins Flugzeug und fliegt nach Lomé, Hauptstadt von Togo und Geburtsort des Vaters. Sie kommt an, weiß nicht genau, was sie sucht, welche Fragen sie stellen soll, dafür wird sie befragt, nach Herkunft, nach Hautfarbe – in Frankreich zu dunkel, das Braun der Haut nicht französisch genug, sondern zu afrikanisch, in Togo dann umgekehrt –, Beruf (Touristin? Journalistin?), Ziel und Zweck ihres Dortseins. Sie reist weiter, entlang der westafrikanischen Küste und landet schließlich in den USA, in New York und schließlich den Südstaaten.
Stefan Michalzik sah in seiner Rezension in der Frankfurter Rundschau in Adikou einen „Diskursroman im Gewand einer Road Novel“. Er beschreibt den Roman auch als „sperrig“, aber in einem guten Sinn. „In der zerrissenen Form des Buches findet die Autorin ein Äquivalent zur existenziellen Not ihrer Protagonistin“, schreibt Michalzik. Michael Bitala beginnt seine Besprechung in der Süddeutschen Zeitung mit „Raphaëlle Red hat ein Rätsel geschrieben“, findet aber im zweiten Lektüreansatz dann doch noch einiges, was den Leser bereichern könne.
Autorin und Übersetzerin von Adikou wurden 2025 mit dem Prix PREMIERE des Institut français ausgezeichnet. Die Abfassung des Romans wurde durch ein Aufenthaltsstipendium des Maison des Artistes in Lomé unterstützt.
No Scribes 2025 brachte Red zusammen mit Paula Fürstenberg und Alisha Gamisch das Stück No Scribes – Die literarische Girlband heraus, in dem sich die drei Schriftstellerinnen mit dem Girlgroup-Phänomen der 1990er und 2000er Jahre auseinandersetzen und dem Einfluss von Gruppen wie Tic Tac Toe, Spice Girls und Destiny’s Child auf die eigene Biographie nachgehen. Das Stück hatte im November 2025 unter der Regie von Lena Brasch auf der Berliner Vagantenbühne Premiere. Raphaëlle Red sagte über das Stück und seine Entstehung:
Eine gekürzte Version des Textes erschien im SuKuLTuR-Verlag.
Auszeichnungen 2022 Schreibzeit-Literaturstipendium der Stiftung Niedersachsen 2025 Prix PREMIERE des Institut français für Adikou, zusammen mit der Übersetzerin Patricia Klobusiczky 2025 Nominierung auf der Shortlist des Prix des cinq continents de la francophonie 2025 Nominierung auf der Shortlist des Prix Ahmadou-Kourouma 2025 Arbeitstipendium des Berliner Senats 2026 Stipendium Goethe-Institut Villa Kamogawa
Bibliografie Adikou. Éditions Grasset & Fasquelle, Paris 2024, ISBN 978-2-246-83531-8. Deutsch: Adikou. Übersetzt von Patricia Klobusiczky. Rowohlt, Hamburg 2024, ISBN 978-3-498-00382-1 (Druck), ISBN 978-3-644-01835-8 (E-Book) (für die deutsche Fassung hat die Autorin einige Anpassungen vorgenommen). Hörbuch: Adikou. Ungekürzte Lesung. Argon Verlag, Berlin 2024, ISBN 978-3-7324-7654-1. mit Paula Fürstenberg und Alisha Gamisch: No Scribes. Die literarische Girlband. SuKuLTuR, Berlin 2025, ISBN 978-3-95566-192-2. Safe Space. Finding Safety in Solidarity and Self-Determination. Seagull Books, 2026, ISBN 978-1-80309-666-7.
Weblinks
Website von Raphaëlle Red Raphaëlle Red, Autorenseite des Rowohlt-Verlags Raphaëlle Red, Autorenseite des Verlags Grasset
(Internationalen Literaturfestival Berlin)
Einzelnachweise Pressemitteilung Prix PREMIERE 2025, abgerufen am 14. April 2026 (PDF). Raphaëlle Red, Kurzbiographie auf der Webseite der Autorinabgerufen am 14. April 2026. Arbeitsstipendien für Literatur in nichtdeutscher Sprache für Berliner Autorinnen und Autoren für das Jahr 2025 vergeben, Pressemitteilung des Berliner Senats vom 22. Januar 2025, abgerufen am 14. April 2026. Schreibzeit-Literaturstipendium der Stiftung Niedersachsen, abgerufen am 14. April 2026. Raphaëlle Red, Autorenseite des Verlags Grasset abgerufen am 14. April 2026. Sharon Dodua Otoo, Jeannette Oholi (Hrsg.): Resonanzen – Schwarzes Literaturfestival: Ruhrfestspiele Recklinghausen, 19.-21. Mai 2022. Eine Dokumentation. Sepctor Books, Leipzig 2022, ISBN 978-3-95905-654-0. Charlotte Gneuß, Laura Dshamilja Weber (Hrsg.): Glückwunsch. 15 Erzählungen über Abtreibung. Hanser, Berlin 2023, ISBN 978-3-446-27677-2. Was haben Girlgroups mit unserer Gegenwart zu tun?, Beitrag von Anna Vollmer auf FAZ online vom 16. November 2025, abgerufen am 14. April 2026. Michael Bitala: So findest du dich nie, Rezension in Süddeutsche Zeitung online vom 4. November 2024, abgerufen am 14. April 2026 (Paywall). Stefan Michalzik: Raphaëlle Red: „Adikou“ – Die Farbe, zu der jeder eine Meinung hat, Rezension in Frankfurter Rundschau online vom 30. Januar 2025, abgerufen am 14. April 2026.
Kategorie:Autor Kategorie:Roman, Epik Kategorie:Drama Kategorie:Literaturwissenschaftler Kategorie:Literatur (21. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Französisch) Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1997 Kategorie:Frau