mini|Lage der Insel Poveglia nebst dem kleineren Ottagono Poveglia in der Lagune von Venedig, Satellitenbild mini|Blick auf Hospital und den 37 m hohen Campanile San Vitale war die einzige Kirche auf der venezianischen Insel Poveglia. Sie bestand wohl schon im 9. Jahrhundert und wurde 1809 abgerissen, nur der Campanile, der freistehende Glockenturm, besteht bis heute.

Geschichte Ab 864 wurden nach der Ermordung des Dogen Pietro Tradonico venezianische Familien wieder auf der seit 809 menschenleeren Insel angesiedelt. Ein Gastalde war nunmehr für die Herrschaftsausübung zuständig; die Inselbewohner gehörten zu der auf der Insel ansässigen Kirchengemeinde San Vitale. Ein Edikt vom April 912 machte Chioggia, zu dessen Bistum die Insel gehörte, im Bereich der Lagune von Venedig bis zu dieser Insel nordwärts für Transportaufgaben zuständig.Timothy Peter Wiseman: Roman Studies. Literary and Historical, Francis Cairns Publications, 1987, S. 107.

Die Kirche existierte in jedem Fall bereits im 12. Jahrhundert,Poveglia. L’isola alle origini di Venezia, 2021, S. 43. als die Insel dicht besiedelt war. Doch mit dem Chioggia-Krieg der Jahre 1378 bis 1381 musste die Bevölkerung, als die genuesische Flotte in die Lagune eindrang, evakuiert werden. Unter Pietro Doria beschossen die Genuesen das Kloster Santo Spirito; am Ende des Krieges lebten nur noch wenige Dutzend Menschen auf der Insel.

Nach Cesare Augusto Levi war die „Chiesa dell’isola di Poveglia“ (Levi nennt keinen Namen) bis zum Ende des 15. Jahrhunderts die Mutterkirche („chiesa matrice“), danach wurde sie Filialkirche von Malamocco. Der Pfarrer war allerdings schon 1433 auf Almosen angewiesen, die Insel schrumpfte in dieser Zeit stark, wozu die schweren Überschwemmungen der Jahre 1386 und 1409 beigetragen haben mögen. Am 10. November 1442 traf die Insel ein heftiger Sturm, ebenso am 9. Dezember 1600.

Flaminio Corner beschreibt in seinen Notizie storiche delle chiese e monasteri di Venezia, e di Torcello von 1758,Flaminio Corner: Notizie storiche delle chiese e monasteri di Venezia, e di Torcello, tratte dalle chiese veneziane, e torcellane, Giovanni Manfrè, Padua 1758, S. 486 f. (Digitalisat). wie die Republik Venedig 1523 versuchte, den Kamaldulensermönch Paolo Giustiniano (1476–1528) und seine Eremitenkongregation zu einer Ansiedlung auf Poveglia zu bewegen. Die Kongregation lebte unter Einhaltung der Benediktsregel und folgte dabei den Konstitutionen Romualds. Die venezianische Administration der Ragion Vecchie wollte dazu die Kapelle San Vitale auf Poveglia Giustiniano überlassen. Das Angebot blieb jedoch ohne Folgen, da der Mönch von Papst Clemens VII. mit der Gründung der Eremitagen von Monte Soratte bei Rom befasst wurde.

Die Gemeinde bestand weiterhin. 1559 wurde die Kirche renoviert, erneut 1657. Der Campanile des 17. Jahrhunderts war, so Levi, 37 m hoch.Cesare Augusto Levi: I campanili di Venezia. Notizie storiche, Ferdinando Ongania, Venedig 1890, n. 152, S. 96. Er wurde 1745 neu erbaut. Allerdings soll die Gemeinde 1777 nur noch acht Mitglieder gehabt haben.Angelo-Antonio cavaliere Frari: Cenni storici dell’ isola di Poveglia e della sua importanza sotto l’aspetto sanitario, Tipografia di Alvisopoli, Venedig 1835, S. 46.

Die Kirche wurde ab 1809 abgerissen; eines der Kunstwerke, das Kruzifix von Poveglia, das um 1300 geschaffen worden war, übernahm die Kirche Santa Maria Assunta in Malamocco.Giovanni Distefano: Atlante storico di Venezia. Non in terra, neque in aqua sumus nos viventes, Supernova, 2008, S. 487. Es wurde jährlich bei einer Prozession durch den Ort getragen. Das Gemälde Cristo condotto al Calvario von Giulia Lama ist hingegen verloren. Das Altarbild der Kirche (Deposizione nel sepolcro), ein nachweislich 1714 vom Meister von Pagnano d’Asolo Giuseppe Torretti geschaffenes Werk, befindet sich heute im Vorraum der Sakristei der Kirche Santa Maria della Salute in Venedig.Paolo Goi: Un inedito di Giuseppe Torretti, AFAT 36, Triest 2018, S. 133–147, hier: S. 141 und Abb. 13 (online).

Von 1853 bis 1867 wurde das Bauwerk zu Unterkünften für auf der Insel Beschäftigte umgebaut. 1861 wurde der Vorschlag gemacht, eine neue Kirche zu bauen, doch verlief dieses Vorhaben im Sande. Derweil wurde der Campanile zu einem Leuchtturm umgebaut, 1876 restauriert. Bei dieser Gelegenheit wurde das Uhrwerk, das Bartolomeo Ferracina (1692–1777) angefertigt hatte, entfernt.

Weblinks Malamocco oggi Festa per il Crocifisso di Poveglia, in: Gente Veneta, 14. September 2023

Literatur Giulia Altissimo: Il Crocifisso di Poveglia, in: Sara Bini, Vittorio Baroni, Nadia De Lazzari (Hrsg.): Venezia : cronache della Soprintendenza : attività e ricerche (Collana sul restauro, 253), Rom 2025, S. 61–74. Poveglia. L’isola alle origini di Venezia, 2021. Cesare Augusto Levi: I campanili di Venezia. Notizie storiche, Ferdinando Ongania, Venedig 1890, n. 152, S. 96. Angelo-Antonio cavaliere Frari: Cenni storici dell’ isola di Poveglia e della sua importanza sotto l’aspetto sanitario, Tipografia di Alvisopoli, Venedig 1835, S. 39, 43–46. (Google Books) Johann C. Maier: Beschreibung von Venedig, Teil III,1, Gottlieb Hertel, Frankfurt/Leipzig 1791, S. 77 („Ein wunderthaätiges Krucifix lokt jedoch noch viele Andaächtige hin, die dortige artige Kirche zu gewissen Zeiten zu besuchen.“). (Digitalisat)

Anmerkungen

Kategorie:Kirchengebäude in Venedig Poveglia Kategorie:Kirchengebäude im Patriarchat von Venedig Kategorie:Abgegangenes Bauwerk in Venetien Kategorie:Erbaut im 9. Jahrhundert Kategorie:Zerstört in den 1800er Jahren