Die Jalmȧghiz (Jalmoyiz kampir) ist ein usbekisches Zaubermärchen (AaTh 300: Drachentöter).Ilse Laude-Cirtautas (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen der Usbeken. Eugen Diederichs Verlag, Köln 1984, S. 98–102, 260.

Handlung Ein Junge vergaß beim herbstlichen Umzug von der Bergweide ins Dorf seine goldene Murmel. Er bestieg ein Fohlen, um sie zu holen, als er jedoch auf der Bergweide ankam, sah er, wie eine Jalmȧghiz mit der Murmel spielte. Die alte Frau gab vor sehr schwach zu sein und legte die Murmel ein Stück weit vor sich hin, damit der Junge sie sich nehmen konnte. Also ritt dieser heran, schnappte sich die Murmel und galoppierte davon. Da sprang die Jalmȧghiz auf und begann den Jungen zu verfolgen. Als dann die Nacht hereinbrach und das Fohlen ermüdete, entdeckte der Junge einen Esel, auf den er wechselte und weiter flüchtete. Auch der Esel wurde müde; der Junge fand jedoch ein Pferd und dann ein Kamel, sodass er sich den ganzen Tag der Alten entziehen konnte. Um Mitternacht begegnete er einer Herde von Rindern, von denen nur ein Kalb ihn aufsitzen ließ. Nach einem weiteren Tag auf der Flucht, ermüdete auch das Kalb, das daraufhin Nebel schnaubte, sodass die Jalmȧghiz sie aus den Augen verlor.

Später gelangte das Kalb in das Schloss des Padischahs hinein, wo sich die vierzig Dienerinnen der Tochter des Padischahs mit ihm vergnügten und auf ihm ritten. Als auch die Prinzessin auf ihm reiten wollte, lief das Kalb mit ihr zum Tor hinaus, schnaubte, sodass sie nicht verfolgt werden konnten und brachte sie zu dem Jungen. Danach trug das sprechende Kalb dem Jungen auf es zu schlachten; seine Augen aber getrennt von seinem Körper zu vergraben. Am nächsten Morgen waren aus den Augen zwei Jagdhunde und aus dem Körper ein prächtiges Haus entstanden, worin das junge Paar ab da an lebte. Nach einiger Zeit stieß der Junge dann erneut auf die Jalmȧghiz, die von den Jagdhunden zerrissen wurde. Derweil hatte der Padischah seine Tochter wiedergefunden, vermählte sie mit dem wohlhabenden Jungen und bestimmte diesen zu seinem Nachfolger, sodass seine Eltern überglücklich waren.

Hintergrund Das Märchen stammt aus dem Werk Usbekische Volksmärchen (2 Bände, Taschkent 1963–1964, S. 173–175) von M. I. Afzalov, X. Rasulov, Z. Husanova u. a. und erhielt in Ilse Laude-Cirtautas’ Die Märchen der Weltliteratur – Märchen der Usbeken (Köln 1984) den Titel Die Jalmȧghiz. Aufgezeichnet wurde es 1948 nach dem Sänger Rahmatulla Jusuf ŭyli. Nach Laude-Cirtautas ist diese Version des Märchens unvollständig, da nach kirgisischen, kasakischen, baschkirischen und tuwinischen Varianten die Jalmȧghiz das Kind verfolgt, weil der Vater ihr seinen Sohn versprochen hat, um sein Leben zu retten. In dem kasakischen Märchen Der goldene Spielknöchel aus dem Werk Kasakische Märchen (Alma-Ata 1957–1964, Band I, S. 91–95) versteckt der Vater selbst, hier einen Spielknöchel, auf der Bergwiese. In Erika Taubes Baj Nasar aus dem Werk Tuwinische Volksmärchen (Berlin 1978, S. 196) ist es eine Feile. Gleiches Motiv findet sich in dem kirgisischen Märchen Er Töštük aus dem Werk Kirgisische Volksmärchen (Frunse 1978, S. 6–7) von V. Kebekova und A. Tökömbaeva und in der kasakischen Variante Ie Töstük in Kasakische Märchen (Alma-Ata 1957–1964, Band I, S. 12–14).

Literatur Ilse Laude-Cirtautas (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen der Usbeken. Eugen Diederichs Verlag, Köln 1984, S. 98–102, 260.

Einzelnachweise

Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Usbekisch) Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Märchen