mini|Leopold von Kalckreuth: Bildnis der Johanna Arnhold, 1906 mini|271x271px|Exlibris des Ehepaars Johanna und Eduard Arnhold von Max Klinger, 1906Johanna Arnhold, geborene Arnthal (* 14. Juni 1859 in Hamburg; † 10. Februar 1929 in BerlinAnna-Carolin Augustin: Berliner Kunstmatronage: Sammlerinnen und Förderinnen bildender Kunst um 1900, S. 371.), war zusammen mit dem deutsch-jüdischen Unternehmer, Kunstsammler, Kunstmäzen und Philanthropen Eduard Arnhold Mitstifterin und Namensgeberin des ehemaligen Mädchen-Waisenhauses Johannaheim. Leben Johanna Arnthal kam 1859 als Tochter von Jacob Arnthal und seiner Frau Bertha, geborene Levy, in Hamburg zur Welt. Ihre drei Brüder waren Gustav Adolf, Ernst und Julius Alfred Arnthal. Die Familie war jüdischen Glaubens. 1881 heiratete sie den Unternehmer Eduard Arnhold. Sie unterstützte ihren Mann beim Aufbau der gemeinsamen Kunstsammlung, setzte darüber hinaus aber auch eigene Akzente. So sammelte sie antike Kleinkunst, darunter vor allem Fächer, sowie Arbeiten auf Papier von zeitgenössischen Künstlerinnen wie Julie Wolfthorn, Käthe Kollwitz, Sella Hasse und Cornelia Paczka-Wagner.
Johanna und Eduard Arnhold galten zu Beginn des 20. Jahrhunderts als bedeutendes jüdisches Mäzenatenpaar in Deutschland, das vor allem durch ihre Gründung und Stiftung der Deutschen Akademie Villa Massimo in Rom im Jahr 1910, die Stiftung des Waisenhauses Johannaheim sowie der finanziellen Unterstützung von Museen in Berlin und München und karitative Aktivitäten im Kaiserreich bekannt wurde.
Johanna Arnhold engagierte sich vielfältig im karitativen Bereich. Sie gehörte dem Ehrenkomitee des Frauen-Groschen-Vereins an, war Mitglied im Damen-Komitée des Berlin-Brandenburger Heilstätten Vereins für Lungenkranke, im Lette-Verein, im Frauen-Verein von 1833 zum Besten israelitischer Waisenmädchen, im Verein israelitischer Lehrerinnenheime, im Israelitischen Frauenverein Charlottenburg und im Verein Lehrlingsheim Pankow. Darüber hinaus unterstütze sie das Mädchenhaus Pankow.Anna-Carolin Augustin: Berliner Kunstmatronage: Sammlerinnen und Förderinnen bildender Kunst um 1900, S. 372.
Dem Zeitgeist entsprechend stand ihr Mann stets im Vordergrund. Eduard Arnhold soll oft versichert haben, dass er „ohne die stillwaltende Wirksamkeit seiner Gattin längst nicht das hätte erreichen können, was ihm gelungen ist.“ Nach dem Tod ihres Mannes veröffentlichte Johanna Arnhold 1928 ein Gedenkbuch über ihn in Form eines Sammelbandes als Privatdruck mit Dokumenten und Briefen, die ein Lebensbild ihres Mannes nachzeichnen. Ihr umfangreiches Vermögen erbte die 1889Peter von Becker: Eduard Arnhold. Reichtum verpflichtet – Unternehmer und Kunstmäzen, 2019, S. 55. von den Arnholds adoptierte Tochter Elisabeth, geborene Mulert (1883–1952). Der Verbleib des Gemäldes Bildnis Johanna Arnhold von Leopold von Kalckreuth sowie einer Marmorbüste der Johanna Arnhold von August Kraus ist nicht bekannt.
Stiftung des Johannaheims Aus Anlass der silbernen Hochzeit des Ehepaares stiftete das Paar 1907 bei Werneuchen in Brandenburg ein Waisenhaus mit dem Ziel, junge Mädchen, die ohne Eltern aufwuchsen, eine Ausbildung zu ermöglichen, die ihnen später ein selbstbestimmtes Leben erlaubte. Als Mitstifterin des Mädchen-Waisenhauses „Johannaheim“ in Werftpfuhl nahm Johanna Arnhold persönlich Anteil am Leben der rund 100 internen Schülerinnen, die dort in Form von Familien-Gruppen nach damals neuesten pädagogischen Grundsätzen ihre Ausbildung erhielten. Regelmäßig besuchte sie das Heim und wurde von den Schülerinnen als "Tante Johanna" angesprochen.
Ehrungen Für ihr soziales Engagement erhielt sie 1917 den Luisenorden 2. Klasse.
Um das Gedenken an das jüdische Mäzenatenpaar wachzuhalten, wurde 2021 ein Initiativkreis als Verein zur Erinnerung an das zivilgesellschaftliche Engagement des jüdischen Bürgertums in Deutschland und Berlin gegründet. Der Initiativkreis hat die Künstlerinnen und Künstler Tatjana Doll, Karin Sander, Lars Krückeberg und Julian Rosefeldt, alle Stipediatinnen und Stipendiaten der Deutschen Akademie Villa Massimo, eingeladen, an der Gestaltung des Gedenkortes mitzuwirken. Lars Krückeberg, Mitgründer des Berliner Architektenbüros GRAFT, entwarf 2021 einen Gedenkort für das Mäzenatenpaar Johanna und Eduard Arnhold mit Bezug zum deutsch-jüdischen Bürgertum im Berliner Tiergartenviertel.
Am 5. November 2024 erfolgte die Umbenennung des Platzes vor dem Kulturforum in Berlin Tiergarten zum Johanna-und-Eduard-Arnhold-Platz. Im Juli 2025 wurde zusätzlich eine Gedenksäule mit Informationen zu Leben und Wirken des jüdischen Paares enthüllt.
Publikationen Johanna Arnhold (Hrsg.): Ein Gedenkbuch – Eduard Arnhold. Privatdruck, Berlin 1928.
Literatur Anna-Carolin Augustin: Berliner Kunstmatronage: Sammlerinnen und Förderinnen bildender Kunst um 1900, Wallstein Verlag, Göttingen 2018, ISBN 978-3-8353-3180-8. Peter von Becker: Eduard Arnhold. Reichtum verpflichtet – Unternehmer und Kunstmäzen (= Jüdische Miniaturen, Band 237.) Hentrich & Hentrich, Berlin / Leipzig 2019, ISBN 978-3-95565-321-7.
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