Ernst Albrecht Reinhard (* 18. Juli 1915 in Schwerin; † 18. Januar 2001 in Neubrandenburg) war ein deutscher Dirigent, der nach einem Studium am Konservatorium Leipzig, u. a. bei Hermann Abendroth, als Kapellmeister am Stralsunder Theater, als Musikdirektor am Landestheater Dessau und als Generalmusikdirektor in Gera, Stralsund und Greifswald wirkte.
Leben Als Sohn des Bankbeamten Arthur (Ernst) ReinhardBei der Beurkundung seiner Trauung in Schwerin (Paulskirche) 1913 wurde Arthur ausdrücklich als Rufname markiert. In der Volkszählung 1919 in Mecklenburg-Schwerin gab er seinen Namen auch selbst mit Arthur Reinhard an. Andere Lebensdokumente nennen ihn abweichend mit beiden (allen?) Taufnamen als Arthur Ernst Reinhard. (1881–1952) und dessen Frau Toni (Luise Johanna Clara Betty), geb. Glatz (1891–1967)Kirchenbuch Schwerin (Paulskirche), Traueintrag Nr. 11/1913 vom 11. Februar 1913., die eine Tochter des wohlhabenden Schweriner Bauunternehmers Karl Glatz war, genoss er eine „gutbürgerliche“ Erziehung, zu der auch Musikunterricht, besonders das Klavierspiel, gehörte. In Schwerin besuchte er Grundschule und Gymnasium. Nach dem Abitur studierte er von 1935 bis 1939 Musik am Konservatorium Leipzig, wo u. a. auch Hermann Abendroth zu seinen Lehrern zählte. Von 1939 bis 1945 diente er als Soldat in der Wehrmacht. Schon in dieser Zeit war er aushilfsweise als Korrepetitor und Dirigent am Theater in Stralsund tätig. So konnte er nach dem Krieg an diesem Theater seine Laufbahn als Kapellmeister beginnen. Ab 1949 war er als 1. Kapellmeister am Landestheater Dessau unter GMD Helmut Seidelmann engagiert. Hier in Dessau heiratete er 1950 Elisabeth Paula Maria Sahm (1918–1969); die Ehe scheiterte nach der Geburt des zweiten Kindes 1954.Personalakte Ernst Albrecht Reinhard, Archiv des Anhaltischen Theaters Dessau. 1956 wurde er Generalmusikdirektor am Theater Gera. Auf Beschluss des Kulturministeriums der DDR wurde er 1963 in gleicher Funktion an das Theater Stralsund versetzt. Ab 1968 wirkte er als Musikalischer Oberleiter des Theaters in Greifswald. In Greifswald heiratete er 1970 in zweiter Ehe Lisa Margarete Hanisch. Nach seiner Pensionierung 1978 zog er zusammen mit ihr nach Neubrandenburg. Hier übernahm er bis 1986 die Leitung des damaligen FDGB-Chors (heute Volkschor Neubrandenburg). In Neubrandenburg verstarb er 2001 im Alter von 85 Jahren.Ernst A. Chemnitz: Annotationen zu den Biographien der Dessauer Künstler Erna Seremi, Irmgard Roloff, Emmy Prell und Musikdirektor Ernst Albrecht Reinhard. In: Dessauer Kalender. Dessau-Roßlau 2023, , S. 81–85.
Künstlerisches Wirken Während seiner Tätigkeit als Kapellmeister in Stralsund waren die beiden Dirigenten Hans Löwlein (1909–1992) und Hans Gahlenbeck (1896–1975) seine Chefs. Hier konnte er als Dirigent 1946 debütieren. Von GMD Helmut Seidelmann wurde er 1949 an das Landestheater Dessau geholt, wo er als 1. Kapellmeister und schon ab 1951 auf Grund seiner herausragenden Leistungen als Musikdirektor wirkte. Entsprechend dem inhaltlichen Schwergewicht dieses Theaters auf den großen Opern Wagners („Dessau als nördliches Bayreuth“) konnte er hier in Vertretung von Helmut Seidelmann die wesentlichen Opern Wagners sowie die Werke des Repertoires dirigieren. Dabei kam es zur fruchtbaren Zusammenarbeit mit dem Heldentenor Horst Wolf, dessen Opern-Inszenierungen Reinhard dirigierte, so z. B. Versiegelt von Leo Blech, Fra Diavolo von Auber und Der Mantel von Puccini. Seine Bewerbung als Nachfolger von Erich Riede (1903–1986) auf die Position des Generalmusikdirektors wurde 1954 vom damaligen Intendanten Willy Bodenstein (1901–1981) abschlägig beantwortet. An seiner Stelle wurde der zuletzt in Stralsund tätige Heinz Röttger (1909–1977) engagiert. Daraufhin bewarb sich Reinhard auf die Position als GMD am Theater in Gera, wo er 1956 seinen Dienst antrat. Die Zusammenarbeit mit Dr. Horst Wolf fand auch in Gera ihre Fortsetzung, z. B. bei der wiederholten Aufführung von Rienzi mit Horst Wolf in der Titelpartie und bei der deutschen Erstaufführung von Jan Cikkers Auferstehung am 4. Oktober 1962 in Anwesenheit des Komponisten (mit Horst Wolf als Smelkoff).
Im Zusammenhang mit der Auflösung des Theaters in Greiz übernahm der dortige musikalische Oberleiter Joachim Dietrich Link (1925–2000) die Stelle als GMD in Gera, Reinhard wurde auf Beschluss des Kulturministeriums der DDR 1963 als Generalmusikdirektor an das Theater Stralsund versetzt.Horst Wolf: Wolfserzählung.Erlebnisse und Betrachtungen aus einem Künstlerleben. Typoskript, Stadtarchiv Dessau-Roßlau. Die Theater in Stralsund, Putbus und Greifswald waren 1960 fusioniert worden, waren aber nach Auflösung dieser Fusion ab 1968 wieder selbständig. Reinhard wechselte nun 1968 an das Theater in Greifswald, wo er bis zu seiner Pensionierung 1978 blieb.
Nach dem Umzug nach Neubrandenburg leitete er bis 1986 erfolgreich den FDGB-Chor (heute Volkschor Neubrandenburg), was durch die wiederholte Teilnahme des Chors an der TV-Sendung „Alles singt“ in Leipzig belegt ist.
Da (bislang) keine professionellen Tonaufnahmen mit Ernst Albrecht Reinhard als Dirigent bekannt sind, muss es als Glücksfall angesehen werden, dass Tonaufnahmen mit diesem Dirigenten erhalten sind. Dr. Horst Wolf hatte Anfang der 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts im Dessauer Theater zur Kontrolle seiner Stimme mit einem einfachen Tonbandgerät Aufnahmen machen lassen, darunter Arien des Cavaradossi aus Tosca, Ausschnitte aus Tiefland von Eugen d’Albert und das Gebet des Rienzi, jeweils mit Ernst Albrecht Reinhard am Pult. Diese Tonbänder wurden 40 Jahre nach dem Tod des Sängers vom Berliner Toningenieur Christian Zwarg (Fa. truesound-transfers) restauriert, digitalisiert und auf CDs gebracht.CD-Box: Die wiederentdeckte Stimme. Heldentenor Dr. Horst Wolf. Querstand, Altenburg 2022.
Literatur Stadt Dessau-Roßlau, Amt für Kultur und Sport; Museum für Stadtgeschichte Dessau (Hrsg.): Dessauer Künstler-Lexikon. Die Theaterkünstlerinnen und Theaterkünstler seit 1794. Dessau-Roßlau 2008, Band IV, S. 574. Ernst A. Chemnitz: Die Wolfserzählung. Lebenserinnerungen des Dessauer Heldentenors Dr. Horst Wolf. Kamprad, 2. Auflage, Altenburg 2025, ISBN 978-3-95755-657-8. Ernst A. Chemnitz: Annotationen zu den Biographien der Dessauer Künstler Erna Seremi, Irmgard Roloff, Emmy Prell und Musikdirektor Ernst Albrecht Reinhard. In: Dessauer Kalender. Dessau-Roßlau 2023, , S. 81–85.
Einzelnachweise
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