Herrscher der Hölle (OT: The Dungeonmaster) ist ein US-amerikanischer Fantasy-Horrorfilm von Charles Band, der in als eine Art Episodenfilm zusammen mit David Allen, John Carl Buechler, Steve Staffort, Peter Manoogian, Ted Nicolaou und Rosemarie Turko umgesetzt hatte. Der Film erschien 1984 über Bands Produktionsfirma Empire Pictures.
Handlung Rahmenhandlung Der Film wird eingeleitet durch eine Traumsequenz, in der Paul Bradford eine mysteriöse Frau verfolgt, diese jedoch nicht erreichen kann. Irgendwann gelangt er durch einen Spalt zu ihr und beginnt das Liebesspiel, das jedoch jäh von Monstern unterbrochen wird. Eine Stimme weckt ihn schließlich auf. Der Informatiker hat eine künstliche Intelligenz entwickelt, die ihn an alle wichtigen Ereignisse erinnert und ihn bei der Bewältigung aller Aufgaben unterstützt. Nach der Arbeit trifft er seine Freundin Gwen Rogers, der er einen Heiratsantrag macht. Sie ist jedoch sehr unschlüssig, da er viel Zeit mit seiner KI verbringt und sie vernachlässigt. Die beiden haben im Anschluss Sex und schlafen ein. In der Nacht werden sie in eine andere Welt teleportiert.
Dort treffen sie auf den Dungeonmaster Mestema, der ihnen eine Reihe von Aufgaben stellt, die sie gemeinsam lösen müssen. Paul erhält einen Handschuh, mit dem er Funktionen seiner KI verwenden kann, unter anderem kann er verschiedene Laserstrahlen verschießen und die Umgebung manipulieren.
Ice Gallery Die beiden finden sich in einer Eiswelt wieder und müssen sich gegen eisige Killer erwehren, die als Eisskulpturen in der Höhle stehen. Zu den Exponaten gehören unter anderem Graf Dracula, der Wolfsmensch und Jack the Ripper. Sie erwachen zum Leben und verfolgen das Paar.
Demons of the Dead Nachdem sie den eisigen Killern entkommen konnten, landen sie in einer Höhle, wo sich Paul gegen mehrere Monster verteidigen muss.
Heavy Metal Die beiden landen auf einem konzert der US-amerikanischen Metal-Band W.A.S.P., die ihren Song Tormentor performen. Am Ende der Performance will Sänger Blackie Lawless die gefesselte Gwen mit einer Machete zerstückeln, was Paul gerade noch verhindern kann.
Stone Canyon Giant In der Wüste treffen Paul und Gwen auf eine riesige Monsterstatue, die zum Leben erwacht. Paul kann sie durch einen Laserstrahl zerstören.
Slasher Paul landet in der heutigen Zeit. Er findet eine Frauenleiche und eine Zeitung von morgen. In dieser wird Gwen als nächstes Opfer geführt. Zwei Polizisten erreichen den tatort und nehmen Paul fest. Ihm gelingt jedoch die Flucht und er kommt noch rechtzeitig zum Casting von West Side Story, wo er den Mord verhindern kann.
Cave Beast Peter kämpft gegen eine Höhlenbestie und gewinnt.
Desert Pursuit In einer Mad Max-ähnlichen Zukunft müssen Gwen und Paul einer Horde von Endzeitfahrern entkommen. Gwen kann mit der Laserpistole die anderen Fahrer ausschalten.
Nach dieser letzten Prüfung treffen sie auf Mestema, den Paul zu einem Duell Mann gegen Mann herausfordert und schlussendlich besiegen kann. Die beiden kehren in ihre Realität zurück. Gwen nimmt seinen Heiratsantrag an.
Hintergrund
Produktion Herrscher der Hölle wurde von Charles Band basiert auf Charles Bands Vorliebe für Comic-Literatur. ursprünglich sollte es ein Film mit einem Nerd werden, der mit einem bösen Zauberer konfrontiert ist. Nachdem er zwanzig Minuten Filmmaterial mit den Hauptdarstellern Jeffrey Byron, Richard Moll und Leslie Wing abgedreht hatte, merkte er, dass das ursprüngliche Konzept nicht aufging. Das Filmmaterial wollte er jedoch unbedingt veröffentlichen und so kam er auf die Idee einen Episodenfilm daraus machen zu lassen. Als erstes kam Peter Manoogian an Bord, der sich auch um die weitere Planung kümmerte. Es folgten die weiteren Regisseure.
Rahmenhandlung (Regie: Charles Band) Nicht alles zu dem Film ist geklärt. Die eröffnende Traumsequenz gehörte eigentlich nicht zum Film und unklar ist auch, wer sie gedreht hat. Sie mutet eher wie ein Musikvideo an. Zwar spielt Byron mit, doch die namenlose Frau wird von Gina Calabrese, einem bekannten Modell und Schauspielerin gespielt.
Kurz nach der eigentlichen Rahmenhandlung wurde die Epsiode Blood Boil eingefügt, eine Traumsequenz bei der Paul erstmals auf Mastema trifft und blutige Wunden erhält. Dies sollte ursprünglich eine eigenständige Episode werden, letztlich verblieben aber nur zwei Minuten im Film.
Ice Gallery (Regie: Rosemarie Turko) Ice Gallery wurde von Rosemarie Turko inszeniert, die aus dem Musikvideo-Bereich kam. Kurz zuvor debütierte sie mit Underground in L.A., einem Psychothriller.
Demons of the Dead (Regie: John Carl Buechler) Demons of The Dead wurde inszeniert von John Carl Buechler, der aus dem Effektbereich stammte, und bereits mit Roger Corman zusammenarbeitete. Er pbernahm bei Empire Pictures die Effekte und ist der Kopf hinter den Kreaturen aus Ghoulies, Trancers und Troll. Aus Demons of the Dead stammt der Satz „I reject your reality and substitute my own“ (dt. „Ich lehne ihre Visionen ab , ich halte mich an meine Realität“). Dieser wurde von Adam Savage adaptiert, der ihn in fast allen Episoden der Serie MythBusters – Die Wissensjäger zum Besten gibt. Den Anführer der „Dämonen“ in der Episode spielt Buechler selbst. Daneben ist mit Peter Kent das langjährige Stuntdouble von Arnold Schwarzenegger in seiner ersten Rolle als Zombie zu sehen.
Heavy Metal (Regie: Charles Band) Charles Band inszenierte hier quasi ein W.A.S.P.-Musikvideo als Episode des Films. W.A.S.P. blieben langjährige Gäste bei Empire. Tormentor wurde auch bei Swordkill (1984) erneut verwendet, für den 1987er Film Ghoulies II schrieben W.A.S.P. den exklusiven Song Scream Until You Like It und traten erneut auf.
Stone Canyon Giant (Regie: David Allen) David Allen ist Stop-Motion-Effekttechniker und inszenierte mit Herrscher der Hölle seine zweite Regiearbeit nach dem Kurzfilm Raiders of the Stone Ring (1968). In der Episode hatte außerdem der kleinwüchsige Phil Fondacaro seinen zweiten Auftritt nach Die Rückkehr der Jedi-Ritter, wo er einen Ewok spielte. Auch er blieb Empire treu und spielte in mehreren Filmen mit, darunter Troll (1986), Ghoulies II (1987) und The Creeps (1997) mit. Der andere Kleinwüchsige wurde von seinem Bruder Sal gespielt.
Die Episode wurde im Naturpark Vasquez Rocks inszeniert.
Slasher (Regie: Steve Staffort) Bei Slasher führte Steve Staffort Regie, das Drehbuch schrieb jedoch Hauptdarsteller Joseph Byron, der außerdem sein Bruder ist. Steve Stafford gab sich den Namen Steven Ford in Anlehnung und als Tribut an ihren gemeinsamen Großvater, die Regielegende John Ford.
Cave Beast (Regie: Peter Manoogian) Pater Manoogian führte Regie bei Cave Beast. Wie auch die folgende Episode Desert Pursuit war sie im ursprünglichen Drehbuch nicht vorgesehen, sondern wurde als Zeitfüller eingesetzt. Es handelte sich um das Regiebüt von Peter Manoogian, einem langjäkrigen Arbeitskollegen von John Carl Bluecher.
Desert Pursuit (Regie: Ted Nicolaou) Ted Nicolau, der für Band vor allem als Schnittechniker verantwortlich zeichnete, durfte mit dieser Episode sein Regiedebüt geben. Er war bei Empire später der Regisseur der Subspecies-Reihe.
Titel Ursprünglich sollte der Film nach dem Willen von Charles Band Ragewar – The Challengers of Excalibrate genannt werden. Dieser war jedoch der Marketingabteilung und den Kinobetreibern zu lange und sperrig. Man experimentierte mit dem Titel Digital Knights und einem Filmposter, das an den erfolgreichen Film Tron (1982) angelehnt war, doch auch dies stieß nicht auf Gegenliebe. Schließlich wurde der Film in Anlehnung an das zu jener Zeit sehr beliebte Rollenspiel Dungeons & Dragons der Titel The Dungeonmaster verliehen.
Veröffentlichung Der Film hatte seine Premiere am 14. Mai 1984 auf den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 1984 und wurde in den Vereinigten Staaten ab dem 24. August 1984 in die Kinos gebracht. in Deutschland erlebte er seine Erstveröffentlichung für den Videothekenmarkt im Juni 1987 im Verleih von CBS/Fox. Eine Verkaufsfassung erschien ab September 1990. Der Film erhielt eine Freigabe ab 16 Jahren.
Fortsetzung 1988 produzierte Band den Episodenfilm Pulse Pounders, bei dem Jeffrey Byron und Richard Moll erneut als Paul Bradford und Mestema auftreten sollten. Der Film, der gleichzeitig auch den Film Trancers fortsetzen sollte, konnte jedoch nie realisiert werden, da Empire insolvent wurde und Band aus der Konkursmasse Full Moon Entertainment erschuf, das ausschließlich den Videothekenmarkt bediente.
Rezeption In seinerm Lexikon Der Angst sitzt neben dir schrieb Frank Trebbin: „„Der Herrscher der Hölle“ ist in seiner Gesamtheit ein greuliches Sammelsurium aus altbekannten Horrormotiven, die natürlich in solch einer Kompilation aus verschiedenen Regiestilen völlig an Bedeutung verlieren. Zudem ist das Ganze wenig spannungsgeladen, so daß trotz der Kürze der einzelnen Storys schnell Langeweile aufkommt.“
Haiko Herden schrieb in Haikos Filmlexikon: „Nette Masken, teils nette Effekte (paintmäßig), das ist leider schon alles positive, was man zu diesem Film sagen kann, ansonsten ist das der letzte Müllfilm, okay, das ist auch schon wieder übertrieben, das ist der drittletzte Müllfilm, aber das ist er wirklich. (…) Charles Band, einer der Regisseure dieser sechs Einzelepisoden, die zu einem großen Ganzen aufgebauscht wurden, zeigt hier wieder einmal, dass er kaum mal etwas vernünftiges zustande bringen kann.“
Im Fanzine Neon Zombie schrieb Markus Haage „The Dungeonmaster (…) gehört zu den seltsamsten, freakigsten, originellsten und trashigsten Streifen, die man in ein Video-Home-System schieben kann. Word. Für Fans der 80er-Jahre-Billig-Science-Fiction ist der Film heiß, alle anderen können nebenbei locker 10 Bier trinken.“
Das Lexikon des internationalen Films urteilte: „Ein wie ein langweiliges Computerspiel aufgebauter Episodenfilm, der sämtliche filmischen Traditionen verleugnet. Allenfalls ein Dokument für die Verwahrlosung filmischen Erzählens.“
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Episodenfilm Kategorie:US-amerikanischer Film Kategorie:Filmtitel 1984 Kategorie:Low-Budget-Film Kategorie:Horrorfilm Kategorie:Fantasyfilm Kategorie:Science-Fiction-Film