Sylvilagus daulensis ist eine nur wenig bekannte Art der Baumwollschwanzkaninchen (Sylvilagus), die im südamerikanischen Ecuador in den trockenen Gebieten rund um den Golf von Guayaquil beheimatet ist.

Merkmale mini|hochkant|Der Golf von Guayaquil und seine Umgebung (Satellitenaufnahme) Die Tiere haben ein relativ grobes, raues Fell ohne nennenswerte Unterwolle. Auf dem Rücken sind sie schwärzlich gefärbt. Die einzelnen Haare sind agoutifarben, das heißt die Haare sind gebändert mit einer schwarzen Basis, gefolgt von einem breiten gelbbraunen Abschnitt und einer breiten schwarzen Spitze. Die Körperseiten sind hellbeige, wobei auch hier die Haarspitzen schwarz sind. Die Kopfoberseite ist rotbraun, oberhalb der Augen verläuft ein gelbbrauner Streifen, die Wangen sind gelbbraun. Im Nacken befindet sich ein großer, rotbrauner Fleck. Die Schultern und die Oberschenkel sind gelblich-rotbraun. Die Vorder- und die Hinterpfoten sind weißlich-beige. Der Bauch ist mit weißem, kurzem, wolligem Fell bedeckt. Auch die Seiten der Nase, die Kehle und das Kinn, sowie die Innenseiten der Gliedmaßen, sowie die Pfoten sind weiß. Die Ohren sind hell rotbraun gefärbt. Ihre Außenseiten sind mit kurzen Haaren bedeckt, innen sind sie fast kahl. Vermessen wurde bisher nur ein Typusexemplar. Es ist 35 Zentimeter lang, die Hinterfußlänge beträgt 7,2 Zentimeter und die Ohren sind 5,3 Zentimeter lang.

Die Zahnformel lautet: I 2/1, C 0/0, P 3/2, M 3/3 = 28.

Lebensraum und Lebensweise mini|links|Trockenwald bei Santa Elena Die Tiere leben an der Pazifikküste Ecuadors rund um den Golf von Guayaquil und nördlich etwa bis zur Provinz Manabí. Die Region weist eine ausgeprägte Trockenzeit auf. Die Umgebung besteht dort aus verbuschten Landschaften und Laubwäldern und beherbergt eine spezialisierte, an trockene Umgebungen angepasste Flora. Die „Matorral Seco de la Costa“ genannten Buschlandschaften werden von Pflanzen aus den Familien der Süßgräser, Korbblütler und Hülsenfrüchtler dominiert. Zu den vorherrschenden Gattungen und Arten zählen Croton, Wolfsmilch, Sauerklee, Senna, Handroanthus chrysanthus aus der Familie der Trompetenbaumgewächse, Gustavia angustifolia und Prestonia parvifolia, eine endemische Kletterpflanze. Die Trockenwälder, die dort als „Bosque Deciduo de la Costa“ bezeichnet werden, bestehen vor allem aus Laubbäumen, die während der langen Trockenzeit ihre Blätter abwerfen. Die meisten gehören zu den Hülsenfrüchtlern und Malvengewächsen. Außerdem wachsen dort die Palmen Attalea colenda und Phytelephas aequatorialis, sowie Ceiba trichistandra. Sylvilagus daulensis ernährt sich von einer breiten Palette von Kräutern und Gräsern. Wahrscheinlich verzehren sie in der Regenzeit eher Kräuter und sind gezwungen in der Trockenzeit auf Laub, Rinde und faserreiches Gras auszuweichen.

Potentielle Fressfeinde von Sylvilagus daulensis sind der Ozelot, der Maikong, die Tayra, die Boa constrictor, verwilderte Haushunde und der Schopfkarakara.

Systematik Die Kaninchenart wurde 1914 durch den US-amerikanischen Zoologen Joel Asaph Allen erstmals wissenschaftlich beschrieben. Diersing und Wilson konnten sie im Jahr 2017 nicht von Sylvilagus andinus unterscheiden und ordneten sie als Unterart von S. andinus ein. Ruedas und Mitarbeiter fanden dagegen im Jahr 2019 deutliche Unterschiede hinsichtlich der Schädelmorphologie. Während die Oberfläche des Hirnschädels bei Sy. andinus völlig glatt ist, ist sie bei S. daulensis schwammartig und mit zahlreichen Löchern versehen. Deshalb gaben sie Sylvilagus daulensis den Rang einer eigenständigen Art.

Gefährdung Die IUCN listet Sylvilagus daulensis nicht als eigenständige Art und macht keine Angaben zum potentiellen Gefährdungen. Im „Red Book of Ecuadorian Mammals“ wird S. daulensis als gefährdet eingestuft, da der Lebensraum durch Entwaldung, Fragmentierung und den Klimawandel bedroht ist. Außerdem wird die Art gewildert und viele Individuen werden von Autos überfahren.

Einzelnachweise J.A. Allen (1914): Two new mammals from Ecuador. Bulletin of the American Museum of Natural History 33(14): 199–200. Victor E. Diersing, Don E. Wilson: Systematic status of the rabbits Sylvilagus brasiliensis and S. sanctaemartae from northwestern South America with comparisons to Central American populations. Journal of Mammalogy 98 (6), 2017, S. 1641–1656. doi:10.1093/jmammal/gyx133 Consuelo Lorenzo, Jose´ Manuel Mora und Gloria Tapia-Ramírez: Ecuadorean Tapeti Sylvilagus daulensis J.A. Allen, 1914 in Consuelo Lorenzo Monterrubio, José Manuel Mora: Mammals of Middle and South America: Lagomorpha. Verlag Springer, 2026, ISBN 978-3-032-10768-8 Luis A. Ruedas, Sofia Marques Silva, Johnnie H. French, Roy Nelson Platt, II, Jorge Salazar-Bravo, José M. Mora, Cody W. Thompson: Taxonomy of the Sylvilagus brasiliensis complex in Central and South America (Lagomorpha: Leporidae). Journal of Mammalogy 100 (5), 2019, S. 1599–1630. doi:10.1093/jmammal/gyz126

Kategorie:Baumwollschwanzkaninchen daulensis Kategorie:Endemisches Tier Ecuadors