mini|Pierre Étienne Lesueur: Porträt von Robert Le Vrac de Tournières. Schloss Versailles Robert Le Vrac de Tournières (* 17. Juni 1667 in Caen; † 18. Mai 1752 ebenda) war ein französischer Porträt- und Historienmaler.

Leben Robert Tournières erhielt seine erste Ausbildung vermutlich bei dem Karmelitermönch Lucas de La Haye in Caen, bevor er nach Paris ging und im Atelier von Bon Boullogne studierte. Im Jahr 1693 heiratete er die Witwe Françoise Dauvin, deren Sohn François Lemoyne bis zur Trennung des Ehepaares im Jahr 1702 seine erste malerische Ausbildung durch Robert Tournières erhielt. 1695 wurde er als Meister in die Académie de Saint-Luc aufgenommen. Nachweislich war er in den Jahren 1698 und 1699 als Kopist im Atelier von Hyacinthe Rigaud tätig.

Im Jahr 1702 wurde er als Porträtmaler in die Académie royale de peinture et de sculpture aufgenommen. Als Rezeptionsstücke dienten die Bildnisse der Maler Michel II. Corneille und Pierre Monier (Öl auf Leinwand, Versailles, Musée national des châteaux de Versailles et de Trianon). Im Jahr 1704 beteiligte er sich erstmals am Salon de Paris mit einundzwanzig Porträts sowie zwei Historiengemälden. Da er auch als Historienmaler in die Akademie aufgenommen werden wollte, wurde er 1714 agréé und 1716 reçu mit dem Gemälde Dibutade ou l'invention du dessin (Öl auf Holz, École nationale supérieure des beaux-arts, Paris). 1721 wurde er zum Conseiller und 1725 zum Professor adjoint der Akademie ernannt. An deren Sitzungen nahm er bis 1733 regelmäßig teil. 1737 bat er um Entbindung von seiner Lehrtätigkeit. Im selben Jahr heiratete er Louise-Angélique Noblesse, die Tochter des Zeichners François Noblesse. Zu dieser Zeit war er vermögend. 1745 erhielt er vom Magistrat der Stadt Paris den Auftrag, anlässlich der Genesung Ludwigs XV. ein der heiligen Genoveva gewidmetes Ex-Voto-Gemälde zu schaffen. Der Standort ist unbekannt, doch befand sich das Gemälde ursprünglich in der Kirche Sainte-Geneviève in Paris. Um 1750 zog der verarmte Tournières zu seinem Neffen Louis nach Caen, wo er bis zu seinem Tod blieb.

Werk Sein Œuvre umfasst vornehmlich Einzel- und Gruppenporträts sowie Historiengemälde, daneben Allegorien, Vanitas-Stillleben und eine Landschaft. Sein vielseitiges und eklektisches Schaffen gilt als typisch für die Zeit der Régence. Unter seinen Zeitgenossen orientierten sich seine Kompositionen besonders an Rigaud, wobei er durch die Einbeziehung niederländischer Malerei einen eigenständigen Charakter entwickelte. Robert Tournières kopierte manche Gemälde auch, beispielsweise eine Figur von Arent de Gelder mit Pomona (Stockholm, Nationalmuseum). Besonders prägend war Gerrit Dou, nach dem er zahlreiche Pasticci schuf. Bekannt war er zudem für seine Nachtszenen bei Kerzenlicht in der Tradition von Godefridus Schalcken, was sein Rezeptionsstück Dibutade belegt.

Im Zentrum seines Schaffens stehen Porträts. Ein frühes Beispiel ist das Bildnis von Louis Phélypeaux, comte de Pontchartrain (1699–1700, Öl auf Leinwand, Musée des Beaux-Arts de Dijon). Sehr geschätzt waren seine Gruppenporträts, häufig vor Landschaftshintergrund, wie Portrait d'une famille dans un paysage (1724, Öl auf Leinwand, Musée des Beaux-Arts de Nantes) oder Portrait du comte Ferdinand Adolf von Plettenberg et sa famille (1727, Öl auf Leinwand, Szépművészeti Múzeum Budapest). Beliebt waren auch seine allegorischen Bildnisse wie Portrait d'une femme en Hébé (Öl auf Leinwand, Eremitage, Sankt Petersburg) sowie seine Serien mit Allegorien der Jahreszeiten. Unter seinen Historienbildern gilt Moïse sauvé des eaux (Moses wird aus dem Wasser gerettet; 1716, Öl auf Holz, Musée des Beaux-Arts de Caen) als eines der gelungensten. Neben seinem Selbstporträt ist das Aussehen des Künstlers durch ein Bildnis von Pierre Étienne Lesueur überliefert (1747, Öl auf Leinwand, Schloss Versailles).

Werke (Auswahl)

Literatur A. J. Dézallier d’Argenville: Abrégé de la vie des plus fameux peintres. Bd. IV, Paris, 1762. Gérard Chomer: Peintures françaises avant 1815. La collection du Musée de Grenoble. Paris/Grenoble, 2000. Pierre Grate: French Paintings in Swedish Public Collections, Bd. II: Eighteenth Century. Stockholm, 1994. Pierre Rosenberg, David Mandrella: Französische Gemälde des 17. und 18. Jahrhunderts in deutschen Sammlungen. Bonn/München, 2005. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 13: Sommer – Valverane. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online. Herausgegeben von De Gruyter, Verlag De Gruyter, 2009. Robert Le Vrac Tournières. Les facettes d’un portraitiste. (Ausst.-Kat. Musée des Beaux-Arts de Caen), Snoeck, Gent, 2014.

Weblinks

Hubert Duchemin. Robert Le Vrac Tournières

Einzelnachweise

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