Džumak und seine Frauen ist ein tadschikisches Märchen (AaTh 856 II).Isidor Levin (Hrsg.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen vom Dach der Welt – Überlieferungen der Pamir-Völker. Eugen Diederichs Verlag, 1986, S. 128–145, 328–329. Übersetzt von Gisela Schenkowitz.

Handlung Einst lebte ein armer Mann namens Džumak, der eine Frau hatte, mit der er zwölf Ziegen besaß. Eines Tages begegnete er auf der Weide einem Fremden, der traurig war, weil er Schulden hatte und dafür seine Tochter geholt wurde. Džumak hatte Mitleid und schenkte dem Fremden die Ziegen, damit dieser seine Tochter auslösen konnte. Seiner Frau gab er als Erklärung für die fehlenden Tiere vor, sie auf der Weide gelassen zu haben, also bestürmte sie ihn wieder einmal mit einem Knüppel und jagte ihn davon, sie zu holen. Džumak begab sich daraufhin in die Stadt, wo er im königlichen Pferdestall unterkam.

In der Stadt gab es eine Prinzessin und einen Wesirssohn, die sich verliebt hatten. Da der König seine Tochter jedoch mit einem Prinzen vermählen wollte, beschlossen die beiden zu fliehen. Sie verabredeten sich am frühen Morgen am königlichen Pferdestall; der Wesirssohn verschlief aber, und weil es noch dunkel war, hielt die Prinzessin den schlafenden Džumak für diesen, woraufhin sie gemeinsam loszogen. Später erkannte sie ihren Irrtum, konnte aber nicht mehr zurückkehren, also ritt sie mit Džumak weiter.

In einer anderen Stadt angekommen, begab sich Džumak in die Dienste des dortigen Königs. Dessen Wesir erblickte die Prinzessin und berichtete dem König von ihrer Schönheit, woraufhin der König sie sehen wollte. Zu diesem Zweck lud er Džumak ein, um anschließend auch von ihm eingeladen zu werden. Während der Begegnung verwechselte Džumak aber die Söhne des Königs und des Wesirs, als er dem Königssohn einen Spielknöchel und dem Wesirssohn einen Rubin schenkte, den er, neben anderen, unterwegs gefunden hatte. Beim Gegenbesuch des Königs war dieser dann von der Schönheit der Prinzessin so beeindruckt, dass er beschloss Džumak für die Beleidigung durch die Verwechslung von Königs- und Wesirssohn hängen zu lassen. Die Prinzessin riet Džumak darauf, dem König vorzugeben, dass in seinem Land Spielknöchel mehr Wert hätten als Rubine und dass wenn der König wolle, er ihm drei Säcke Rubine bringen könne.

Mit Einwilligung des Königs suchte Džumak die Stelle auf, an der er die Rubine gefunden hatte. Dort fand er im Wasser einer Quelle viele Rubine und füllte seine Säcke. Danach erblickte er eine Platane von der aus Blut in die Quelle tropfte, das sich in Rubine verwandelte. Er kletterte den Baum empor und fand darin ein Haus, in dem er eine tote Peri entdeckte. Mit einem gefundenen Heilmittel erweckte er sie zum Leben, woraufhin sie ihm berichtete, dass ein Dev sie entführt habe, der sie stets tötet, wenn er fortgeht, sie am Abend aber wieder zum Leben erweckt. Džumak bekam daraufhin heraus, dass die Seele des Devs in einer Steppe, in einer großen Platane war, in deren Inneren sich eine gusseiserne Truhe befand, die ein Fläschchen enthielt, in dem ein Elsterjunges lebte, das seine Seele war. Džumak bemächtigte sich daraufhin des Fläschchens und brachte das Elsterjunge um, wodurch auch der Dev starb und zog mit der Peri zurück in die Stadt, wo er dem König die Rubine aushändigte.

Als der Wesir nun auch die schöne zweite Frau von Džumak erblickte, beschlossen er und der König, ihn loszuwerden, um sich die Mädchen zu teilen. Džumak bekam also den Auftrag die Lachende Blume zu holen, die sich, nach den Worten der Peri, auf dem Berg Kaf befand, wo ihre Schwester wohnte, der beim Lachen Blumen aus dem Mund fielen. Wenn diese dort badet, solle er sich auf ihre Kleider setzen und nicht aufstehen bevor sie nicht einwilligt mit ihm zu gehen. Zurück in der Stadt, fing die Peri an zu lachen, als sie ihre Schwester wieder sah und Džumak brachte dem König einen Sack voll Lachender Blumen.

Noch neidischer ob der drei Frauen Džumaks, wurde diesem daraufhin aufgetragen, das Schwert des verstorbenen Vaters des Königs aus dessen Grab zu holen, das unauffindbar war. Es stellte sich jedoch heraus, dass die Schwester der Peri das Schwert besaß und diese riet Džumak dem König weiszumachen, dass er durch einen Scheiterhaufen seinen Vater aufsuchen wolle, um das Schwert zu holen. Seine drei Frauen brachten Džumak dann heimlich aus dem Feuer, schrieben einen Brief und legten Džumak am nächsten Tag mit Brief und Schwert unter die Asche des Scheiterhaufens. Der überraschte König fand ihn dort und nahm den Brief an sich, in dem sein Vater ihm vorwarf nicht selbst gekommen zu sein. Also ließ sich der König mitsamt dem Wesir verbrennen und Džumak wurde zum König gekrönt.

Hintergrund Das Märchen stammt aus Schugnan und wurde von I. Sarubin aufgezeichnet. In Isidor Levins Die Märchen der Weltliteratur – Märchen vom Dach der Welt – Überlieferungen der Pamir-Völker (1986) erhielt es den Titel Džumak und seine Frauen. Verglichen werden kann die Übersetzung von A. Grünberg und D. Karamšojev in Skazki Narodov Pamira (Moskau 1976, Nr. 2). Nach Ulrich Marzolphs Typologie des persischen Volksmärchens (Beirut 1984) bekam es den Typ *465 zugeordnet. Nach Wolfram Eberhards und Pertev Naili Boratavs Typen türkischer Volksmärchen erhielt es den Typ 256 V.

Literatur Isidor Levin (Hrsg.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen vom Dach der Welt – Überlieferungen der Pamir-Völker. Eugen Diederichs Verlag, 1986, S. 128–145, 328–329. Übersetzt von Gisela Schenkowitz.

Einzelnachweise

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