Woldemar Anatol Weyl (geboren 13. Juni 1901 in Darmstadt; gestorben 30. Juli 1975 in State College (Pennsylvania)) war ein deutschamerikanischer Chemiker und Glastechnologe.
Leben Woldemar Weyl war ein Sohn des Wladimir Weyl und der Auguste Blech. Er studierte Chemie an der TH Darmstadt und machte 1925 die Prüfung zum Diplom-Ingenieur. Von Februar 1924 bis September 1926 war er Assistent an der von Paul Wagner gegründeten Landwirtschaftlichen Versuchsstation Darmstadt und ging danach als Assistent an das Kaiser-Wilhelm-Institut für Silicatforschung in Berlin-Dahlem. Er wurde 1931 bei dem auswärtigen Institutsmitglied Hermann Salmang an der TH Aachen promoviert.
Im Jahr 1934 wurde er vom Institutsgründer Wilhelm EitelWilhelm Eitel, bei GEPRIS. Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG). zum Leiter der Abteilung für Glastechnologie ernannt. 1936 erhielt er eine Einladung als Gastwissenschaftler in die USA, und er nutzte die Gelegenheit, seine Emigration vorzubereiten. Im Oktober 1937 heiratete er die Berlinerin Ilse Rudow (1911–2009), ihre 1939 geborene Tochter Karin Weyl wurde Wissenschaftlerin an der Mayo Graduate School of Medicine in Rochester. Im Januar 1938 emigrierten die beiden, und Weyl wurde Professor für Non-Metallic Technology am Pennsylvania State College, ab 1953 Research Professor in Physical Science der Pennsylvania State University. 1943 erhielten sie die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. Weyl wurde 1966 emeritiert und arbeitete noch bis 1975.
Weyl gelang es, am State College einen Forschungsschwerpunkt in der Glastechnologie zu etablieren, ab 1944 war er für fünf Jahre nebenher Forschungsdirektor der „Glass Science Inc.“, die von den führenden US-amerikanischen Glasunternehmen gegründet worden war. Er publizierte mehr als 120 Artikel in Fachzeitschriften und mehrere Monografien, er hielt 14 Patente.
Der International Congress of Glass vergibt alle drei Jahre einen „Woldemar Weyl International Glass Science Award“.
Schriften (Auswahl) Über Reaktionen der Kohlensäure mit Silikaten unter hohen Drucken. Offenbach: Verlag der Deutschen Glastechnischen Gesellschaft, 1931. Woldemar Weyl, Eva Thümen: Über die Konstitution des Glases II. Theoretische Grundlagen der Glasfärbungen. Offenbach: Verlag der Deutschen Glastechnischen Gesellschaft, 1933. Optische Untersuchung über die Konstitution von Lösungen und Gläsern. Berlin: Verlag Chemie, 1935. Fluorine chemistry. New York, NY : Acad. Press, 1950. Coloured glasses. Society of Glass Technology, 1951. Woldemar A. Weyl, Evelyn Chostner Marboe: The constitution of glasses. , 1: Fundamentals of the structure of inorganic liquids and solids: a dynamic interpretation. New York: Interscience Publ., 1962.
Literatur Weyl, Woldemar Anatol, in: Werner Röder; Herbert A. Strauss (Hrsg.): International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933–1945. Band 2,2. München: Saur, 1983, S. 1242. Woldemar Anatol Weyl, in: Reinhard Rürup, Michael Schüring: Schicksale und Karrieren. Gedenkbuch für die von den Nationalsozialisten aus der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft vertriebenen Forscherinnen und Forscher. Göttingen: Wallstein, 2008, S. 363–365.
Weblinks
Woldemar Anatol Weyl, bei Prabook Dr. Woldemar Weyl, authority on glass, Nachruf, NYT, 4. August 1975 Woldemar Weyl, founder of modern glass science, Pennsylvania State University, 2014
Einzelnachweise
Kategorie:Silikatchemiker Kategorie:Chemiker (20. Jahrhundert) Kategorie:Werkstoffwissenschaftler Kategorie:Hochschullehrer (Pennsylvania State University) Kategorie:Wissenschaftliches Mitglied der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft Kategorie:Emigrant aus dem Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus Kategorie:Deutscher Emigrant in den Vereinigten Staaten Kategorie:Deutscher Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1901 Kategorie:Gestorben 1975 Kategorie:Mann