Medardus Reig († 24. Dezember 1697) war ein österreichischer Stückgießer.

Leben Über die Herkunft von Medardus Reig ist nichts bekannt. Vielleicht stammt er aus Nassau in Deutschland.

Reig arbeitete ab ca. 1671 als bürgerlicher Glockengießer in Graz und hatte seine Gussstätte im Kälbernen Viertel, in der Gegend um die Franziskanerkirche Graz. Im Jahr 1685 wurde er für die Regierung tätig. Ein Jahr darauf, 1686, wurde er der neue Leiter der Kaiserlichen Gusshütte am Sacktor und erhielt den Titel Hof-Stuckgießer.

Mitten in der Arbeit an einer neuen Serie von Geschützen starb er 1697 unerwartet. Seine Witwe Theresia Reig führte den Betrieb weiter und heiratete im Jahr 1700 Balthasar Antonio Kippo, welcher der Nachfolger von Reig wurde. Von Balthasar Antonio Kippo sind keine Glocken nachweisbar, aufgrund seiner mangelnden Kenntnisse musste er schon 1702 den Betrieb an Florentin Streckfuß, einen Schüler Reigs, abtreten.

Werk Reig war viel beschäftigt und goss zahlreiche Glocken und Geschütze.

Die Glocken sind in einer Barockform gegossen, welche teils gedrungen und teils eine etwas längliche Gestalt haben, also teils Oktavglocken mit vertiefter Prim, teils aber auch Septimglocken. Die Klangqualität ist eher mittelmäßig und nicht so gut wie bei Adam Roßtauscher, und die Glocken haben oft nur eine mäßig helle Tongebung. Die Gussausführung und die äußere Gestaltung seiner Glocken weist reichen barocken Schmuck auf.

Charakteristisch sind Zierformen wie Bordüren, die man zuerst um 1650 auf den Glocken des Lothringer Porta findet, welche von den Glockengießern Findenklee und Zwölfer, beide in Graz, sowie von Lorenz Pez in Klagenfurt kopiert wurden. Diese Bordüren hat auch Reig für die Glockenzier übernommen, und sie blieben in der Gusshütte am Sacktor bis ca. 1750 in Verwendung und stellten ein Kennzeichen der Gusshütten in Graz, Klagenfurt und Wiener Neustadt dar. Weiters findet man einige Zierformen von Zwölfer auch auf Reigs Glocken, sodass man annehmen muss, dass Reig bei Zwölfer gelernt haben dürfte.

Glocken als bürgerlicher Gießer: 1674: Ramsau 1676: Schloss Rothenturm 1679: Straßgang Graz 1683: Schlosskirche, Schloss BertholdsteinSchlosskirche, Schloss Bertholdstein, Medardus Reig 1683. In: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Dehio Steiermark (ohne Graz) 1982. S. 43. 1685: St. Peter Sulmtal

Glocken als kaiserlicher Stückgießer: 1687: Kreuzkirche in Vorau 1688: Stiftskirche St. Lambrecht 1688: St. Stefan Leoben (Dm 103 cm) 1689: St. Martha Knittelfeld 1689: St. Veit Graz (Dm 98 cm) 1689: Sommerau in Kärnten 1690: Oswaldiglocke der Pfarrkirche Kalwang, seine größte Glocke (Dm 139 cm), gusstechnisch und künstlerisch ausgezeichnet, klanglich dagegen nur unterdurchschnittlich. 1690: St. Radegrund Graz (Dm 109 cm) 1692: Fladnitz Teichalm 1692: Proleb 1693: Stiftskirche St. Lambrecht 1694: Landesmuseum Graz

Literatur Steiermark. Kaiserliche Gußhütte am Sacktor. Metardus Reig (ca. 1671–1697). In: Jörg Wernisch: Glockenkunde von Österreich. Journal Verlag, Lienz in Osttirol 2006, ISBN 3-902128-10-0, S. 166–167.

Einzelnachweise

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