Der Wladimirsteig (, ) ist eine Straße in der jetzigen ukrainischen Hauptstadt Kiew. Die im heutigen Rajon SchewtschenkoDie administrative Gliederung der Stadt Kiew hat sich in den letzten zweihundert Jahren mehrfach geändert. Grenzen und Namen der heutigen Rajone stimmen daher nicht mit denen der historischen Verwaltungsbezirke und Rajone überein. gelegene, etwas mehr als 800 m lange Straße verbindet den Europäischen Platz mit dem Postplatz.
Geschichte Bis in die frühe Neuzeit verlief die Alte Petschersker Straße genannte Verbindung zwischen den historischen Siedlungskernen PodolIn diesem Artikel werden die zur Zeit der Entstehung amtlichen bzw. üblichen Bezeichnungen verwendet. und Petschersk am rechten Ufer des Dnepr, ungefähr der heutigen Nabereschno-Krechtschikskaja-Straße folgend und durch die Schlucht Kreschtschaty jar. Der Anstieg in der Schlucht vom Ufer bis zum Höhenniveau Petschersk war steil, die Straße durch häufige Erdrutsche und Überschwemmungen des Dnepr gefährdet. Mit der Entwicklung Kiews zum wirtschaftlichen und administrativen Zentrums Kleinrusslands und der Ausdehnung der Stadt entsprach diese Verbindung nicht mehr den gestiegenen Anforderungen.
Der Bau einer neuen Straße über den Michailhügel begann 1711. Ursprünglich namenlos, wurde die Straße später Kreschtschatik-Durchfahrt (Крещатицкий проезд) genannt, danach Mostowaja-StraßeMostowaja- kann im Russischen sowohl die Bedeutung Brücke, als auch fester Straßenbelag haben, da sie die erste Straße in Kiew mit einem gepflasterten Gehweg war.
Von 1869 bis 1919 war der Steig Teil der Großen Alexanderstraße (Большая Александровская), die vom Nikolsker Platz (heute Arsenalplatz) zum Postplatz verlief. Auf zeitgenössischen Ansichten findet sich oftmals der Name Alexandersteig (Александровсий спуск). 1919 wurde der Steig in Straße der Revolution (улица Революции) umbenannt. 1934 erhielt er als Kirow-Straße (улица Кирова) den Namen des sowjetrussischen Revolutionsführers Sergei Kirow. Den heutigen Namen erhielt der Steig 1944 nach dem in der Nähe gelegenen Denkmal für den Großfürsten Wladimir. 1955 wurde der Schdanow-Boulevard von der Straße abgetrennt und damit die Länge der Straße auf 830 m reduziert.heute Wulizja Petra Sagaidatschnogo
Vom Wladimirsteig führt eine Treppe zum Denkmal für das Magdeburger Recht im Kreschtschaty jar. Westlich der Straße entstand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Wladimirhügel genannte Parkanlage, ostwärts die Kaufmannsgärten.
Bebauung Entlang der Straße befinden sich nur sehr wenige Gebäude.
Nr. 1 Bei dem Gebäude mit der Nummer 1 handelt es sich um den sogenannten Palästinensischen Filter, das älteste noch erhaltene Gebäude des Kiewer Wasserversorgungssystems.
Nr. 2 Am südlichen Ende des Wladimisteigs an der Einmündung zum Zarenplatz liegt das Gebäude der Kiewer Kaufmannsversammlung, in dem sich seit 1882 die Kiewer Philharmonie befindet. Das im Stil der Neorenaissance errichtete Gebäude wurde von dem russischen Architekten Wladimir Nikolajewitsch Nikolajew entworfen. Die 1863 gegründete Kiewer Abteilung der Russischen Musikalischen Gesellschaft (Русское музыкальное общество) kaufte das Gebäude unmittelbar nach seiner Fertigstellung, Nikolajew wurde nach einigen Jahren Mitglied des Direktoriums der Kiewer Abteilung.
Nr. 4–6 Bei diesen Gebäuden handelt es sich um ein zweistöckiges hölzernes Wohnhaus für die Beschäftigten der Kiewer Wasserversorgung und ein 1871/72 errichtetes Lagerhaus aus Backstein.
Verkehr Der Steig hatte als einzige leistungsfähige Straßenverbindung zwischen dem Hafen- und dem Handwerkerviertel Podol und Petschersk eine große wirtschaftliche Bedeutung. Er ermöglichte auch die Erschließung des Tals des Kreschtschatik und seine Entwicklung zum heutigen Zentrum der Stadt Kiew. Mit dem Anschluss Kiews an das russische Eisenbahnnetz nahm nach dem Bau des Kiewer Hauptbahnhofs die Bedeutung der Straße für den Güterverkehr ab. Mit dem Bau des Kiewer Güterbahnhofs, des Nikolaihafens und des diese verbindenden Nördlichen Eisenbahnhalbrings wurde der Gütertransport um die Stadt Kiew herumgeführt. Der Wladimirsteig blieb jedoch für den örtlichen Personenverkehr bedeutsam.
mini|Straßenbahn am Alexandersteig
Ab 1891 entstand in Kiew ein Straßenbahnnetz. Treibende Kraft war dabei der russische Industrielle Armand Struwe, der auch Besitzer der Kiewer Straßenbahn wurde. Zu den ersten Linien gehörten Wassilkowskaja-Kreschtschatikskaja-Linie vom Demejewski-Bahnhof zum Zarenplatz und die Podolskaja-Linie vom Dreifaltigkeitsplatz zum Alexanderplatz; letztere wurde am 27. November 1891 kurz nach ihrer Eröffnung bis zur Geburtskirche am Postplatz verlängert. Die Kiewer Straßenbahn wurde zunächst als Pferdestraßenbahn betrieben. Die Lücke zwischen dem Zaren- und dem Postplatz konnte vorerst nicht geschlossen werden, da die Steigung nicht zu bewältigen war. Zwar hatte Struwe von Anfang an eine elektrische Straßenbahn geplant, war jedoch insbesondere bei den städtischen Behörden Kiews auf Widerstand gestoßen, da man Störungen der Telegraphenleitungen befürchtete. Auch als ein Teil der Linien auf Dampfbetrieb umgestellt wurde, konnte die Lücke nicht geschlossen werden. Erst als sich Struwe verpflichtete, für eventuelle Schäden an Telefon- und Telegraphenleitungen durch den Betrieb der elektrischen Straßenbahn aufzukommen, konnte der Lückenschluss in Angriff genommen werden. Am 21. September 1891 begannen die Bauarbeiten, die Eröffnung fand am 13. Juni 1892 statt. Damit war diese Verbindung die erste elektrisch betriebene Straßenbahn im Kaiserreich Russland. Nachdem nachgewiesen wurde, dass der Betrieb der elektrischen Straßenbahn wesentlich wirtschaftlicher als Pferde- oder Dampfstraßenbahn war und auch die befürchteten Störungen des Telgrafen- und Telefonbetriebes nicht eintraten, wurden ab 1894 die Linien des Kiewer Straßenbahnnetzes zügig auf elektrischen Betrieb umgestellt. Nach Bau und Inbetriebnahme der Linie 2 der Kiewer Metro wurde die nicht mehr benötigte Straßenbahnlinie am Wladimirsteig 1978 zurückgebaut.
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
Anmerkungen
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