alternativtext=Stilisierte Buchstabenfolge MoMo Berlin|mini|Logo MoMo Berlin MoMo Berlin ist ein öffentliches Vortragsforum mit einem breit angelegten geisteswissenschaftlichen Profil. Gegründet wurde MoMo 1986 als philosophischer Arbeitskreis. Seit 2006 richten sich die Vorträge vermehrt an eine breite Öffentlichkeit. Trotz der damit einhergehenden Professionalisierung ist es MoMo ein Anliegen, dass die Veranstaltungen ihren Werkstattcharakter beibehalten.
Seit der Gründung wurden über 250 Fachvorträge ausgerichtet, seit 2023 im Babylon Kino in Berlin-Mitte. Der Arbeitskreis erstellt neben der Vortragsreihe enzyklopädische Beiträge und lobt seit 2023 alle zwei Jahre eine Preisfrage aus.
Gründung mini|Die Café- und Kneipengasse am Berliner S-Bahnhof Savignyplatz, dem Gründungsort von MoMo Berlin MoMo Berlin wurde im Oktober 1986 gegründet. Das erste Treffen fand im Café „Jahrmarkt“ am Savignyplatz in Berlin-Charlottenburg statt. Teilnehmer waren Peter Geble, Wolfert von Rahden, Claus-Dieter Rath, Ulrich Raulff und Wilhelm Schmid. Der Name leitet sich aus dem Bestreben ab, am ersten Montag im Monat zusammenzukommen, um die aktuellen Schreibarbeiten zu diskutieren.
Großen Zuwachs erhielt MoMo durch die Fusion mit dem Foucault-Seminar im Oktober 1989, das im Rahmen des Fellow-Jahres 1988/89 am Wissenschaftskolleg zu Berlin stattfand und von François Ewald, dem letzten Assistenten von Michel Foucault, geleitet wurde.
Profil der ersten Phase In den Anfangsjahren wurde MoMo Berlin von Personen geprägt, die sich als professionelle Philosophen verstanden. Dazu zählten inzwischen international bekannte Philosophen wie Axel Honneth, Wilhelm Schmid, Rüdiger Safranski, Rainer Forst, Rahel Jaeggi, Wolfgang Welsch, Andrea Rödig und Panajotis Kondylis.
Sie setzten sich enthusiastisch mit der damals an deutschen Universitäten noch weitgehend unbeachteten, neuen französischen Philosophie auseinander, insbesondere dem Poststrukturalismus und der Postmoderne. Weitere Schwerpunkte waren die politische Philosophie sowie die Sozial- und Medienphilosophie.
Die Zeitschrift Information Philosophie charakterisierte MoMo im Jahr 1997 als „erklärte Opposition zum offiziellen Betrieb“ der universitären Philosophie:
In dieser Zeit wurde der Arbeitskreis von Peter-Ulrich Philipsen organisiert und fand in den Privatwohnungen der Mitglieder statt. Zu den weiteren aufstrebenden Vortragenden zählten Martin Roth, Joseph Vogl, Ulrich Johannes Schneider, Günter Abel, Heinz Dieter Kittsteiner, Gernot Böhme, Stefan Gosepath, Richard Herzinger, Peter Bexte, Karlheinz Lüdeking, Barbara Naumann, Susanne Lüdemann, Andreas Hartmann, Henning Schmidgen, Dieter Mersch, Jörg Noller, Michaela Ott sowie der bereits etablierte Hermann Schmitz.
Neuorientierung und Öffnung Im Jahr 2006 geriet MoMo in eine Krise. Was als ein Projekt junger, engagierter Philosophen begonnen hatte, wurde mit den Jahren zu einem Kreis arrivierter Intellektueller, die fester Bestandteil des akademischen Betriebs waren und ihre Vorträge auf etablierten Konferenzen hielten. Dem Kreis drohte das Aus.
Im Jahr 2007 übernahm der Verleger und Philosoph Wolfgang Sohst die Organisation von MoMo. Er öffnete den Arbeitskreis für ein breites Publikum und etablierte MoMo als Vortragsreihe für in- und ausländische Vortragende. Anstatt in privaten Wohnungen fanden die Vorträge nun an öffentlichen Orten statt; zunächst in den Hinterzimmern Berliner Kneipen, ab 2013 dann im türkischen Kulturzentrum und Theater Tiyatrom. 2023 zog MoMo ins renommierte Babylon Kino in Berlin-Mitte.
Die Corona-Pandemie erforderte, dass die Vorträge vorübergehend virtuell abgehalten werden mussten. Dadurch erlangte MoMo über Berlin hinaus Bekanntheit und die Vortragenden und das Publikum internationalisierten sich weiter. Heute finden die MoMo-Vorträge hybrid statt.
mini|Das Kino Babylon am Berliner Rosa-Luxemburg-Platz (November 2025)
Inzwischen arbeitet MoMo mit zahlreichen unabhängigen zivilen Foren des intellektuellen Austauschs wie dem Otherwise Network oder der Denkwerkstatt Berlin zusammen.
Zukunft Nachdem Wolfgang Sohst seit 2007 die gesamten Aktivitäten des Kreises und auch die Webseite von MoMo Berlin allein organisiert bzw. aufgebaut hat, bemüht er sich seit Mitte 2024 um den Aufbau eines Organisationsstabes, unter dem die laufenden Aufgaben verteilt werden können und das abzusehende weitere Wachstum des Kreises sichergestellt werden kann.
Im Jahr 2026 ist eine Jubiläumsveranstaltung zum vierzigjährigen Bestehen des Arbeitskreises geplant.
Preisfragen Seit 2023 lobt MoMo alle zwei Jahre eine Preisfrage aus. Die Einsendungen werden von allen Interessierten öffentlich diskutiert. Eine feste Jury gibt es nicht. Die Preisfragen lauteten bisher:
2023: „Was bedeutet es, ein Tier zu sein?“ 2025: „Haben wir Zeit?“
Veröffentlichungen
Schriftenreihe Der Arbeitskreis gehört seit 2007 formal zum xenomoi Verlag. Inhaltlich ist MoMo Berlin jedoch vollkommen unabhängig von der Tätigkeit dieses Verlages. Im Rahmen des Verlages erscheint eine Schriftenreihe unter dem Titel "Philosophische KonTexte / MoMo Berlin". Dort sind bisher erschienen:
Wolfgang Sohst (Hrsg.), Die Figur des Neuen, Berlin: xenomoi, 2008. (= Philosophische KonTexte / MoMo Berlin, Bd. 1) Wolfgang Sohst, Prozessontologie. Ein systematischer Entwurf der Entstehung von Existenz, Berlin: xenomoi, 2009. (= Philosophische KonTexte / MoMo Berlin, Bd. 2) Wolfgang Sohst (Hrsg.), Die Globalisierung der Affekte, Berlin: xenomoi, 2013. (= Philosophische KonTexte / MoMo Berlin, Bd. 3) Thomas Ebke und Marc Berdet (Hrsg.), Anthropologischer Materialismus und Materialismus der Begegnung. Zweisprachig deutsch/französisch, Berlin: xenomoi, 2014. (= Philosophische KonTexte / MoMo Berlin, Bd. 4) Rainer E. Zimmermann, Nothingness as Ground and Nothing but Ground. Schelling’s Philosophy of Nature, Berlin: xenomoi, 2014. (= Philosophische KonTexte / MoMo Berlin, Bd. 5) Rainer E. Zimmermann, Metaphysics of Emergence. Part 1: On the Foundations of Systems, Berlin: xenomoi, 2015. (= Philosophische KonTexte / MoMo Berlin, Bd. 6) Wolfgang Sohst, Reale Möglichkeit. Eine allgemeine Theorie des Werdens, (= Philosophische KonTexte / MoMo Berlin, Bd. 7) Anna Strasser, Wolfgang Sohst, Katja Stepec, Ralf Stapelfeldt (Hrsg.), Künstliche Intelligenz – Die große Verheißung, Berlin: xenomoi, 2021. (= Philosophische KonTexte / MoMo Berlin, Bd. 8) Anna Strasser (Hrsg.), Anna's AI Anthology. How to live with smart machines?, Berlin: xenomoi, 2024. (= Philosophische KonTexte / MoMo Berlin, Bd. 9)
Veranstaltungsmitschnitte Mitschnitte der Vorträge bei MoMo Berlin werden auf einem eigenen YouTube-Kanal veröffentlicht.
Weblinks Website von MoMo Berlin
Einzelnachweise
Kategorie:Philosophische Institution Kategorie:Gegründet 1986 Kategorie:Wissenschaft in Berlin