Die AVAG Umwelt AG (AVAG) ist ein Schweizer Entsorgungs- und Energieunternehmen mit Sitz in Thun. Das Unternehmen ist mehrheitlich im Besitz von rund 130 Gemeinden des Kantons Bern und hat den staatlichen Auftrag, den Abfall dieser Gemeinden zu verwerten. Dafür betreibt es unter anderem die Kehrichtverwertungsanlage (KVA) Thun. Die bei der Abfallverwertung anfallende Abwärme wird zur Produktion von Strom, Prozessdampf und Fernwärme genutzt; letztere versorgt das Fernwärmenetz der Region Thun. Darüber hinaus erbringt die AVAG Umwelt AG umfassende Entsorgungs- und Recyclingleistungen für Gemeinden, Privatpersonen sowie Gewerbe- und Industriekunden.

Geschichte Anfangsjahre Sieben Berner Gemeinden und zwei private Kiesunternehmen gründeten 1973 zusammen die AG für Abfallverwertung AVAG, die 2022 in AVAG Umwelt AG umbenannt wurde. Grund dafür war das gesetzliche Deponie-Obligatorium, das die Gemeinden verpflichtete, den Abfall künftig an offiziellen und umweltverträglichen Deponiestandorten zu entsorgen. Die AVAG errichtete dazu in ausgeschöpften Kiesgruben neue Deponien mit einer Basisabdeckung, sodass keine Schadstoffe mehr ins Grundwasser gelangen konnten. Bereits im ersten Jahr wuchs die Zahl der angeschlossenen Gemeinden auf 15, mit insgesamt 28‘352 Tonnen Abfall, die in den Deponien fachmännisch entsorgt wurden.Wie aus der Abfall-Entsorgerin eine Energiefirma wurde In: Berner Zeitung. 15. Juni 2023, abgerufen am 2. April 2026.

Bau der Kehrichtverwertungsanlage Thun und Energiegewinnung aus Kehricht mini|Die Kehrichtverwertungsanlage Thun In den 1990er-Jahren wurde der Ruf nach einem Deponieverbot für Siedlungsabfälle in der Schweiz lauter.Das Ablagerungsverbot setzt sich durch In: News Service Bund. 14. April 2000, abgerufen am 2. April 2026. 1995 plante die AVAG deshalb, auf dem Gebiet Kleine Allmend in Thun eine Schwelbrennanlage (SBA) zu bauen. Als Vorbild diente die damals im Bau befindliche Müll-Schwelbrennanlage in Fürth. In den Folgejahren regte sich in der Bevölkerung Widerstand gegen das Vorhaben. Unter anderem wurde kritisiert, dass dies zu einem erhöhten Verkehrsaufkommen und die noch unerprobte Technologie der SBA zu Luftverunreinigungen führen könnte. 1998 stellte die AVAG das Projekt ein und plante stattdessen eine kleiner dimensionierte KVA mit herkömmlicher Technologie. Auch gegen diese wehrte sich die Thuner Bevölkerung. Aufgrund zunehmender Abfallmengen und des am 1. Januar 2000 in Kraft getretenen Deponieverbots für brennbare Abfälle bestand in der Schweiz jedoch ein dringender Bedarf an zusätzlichen Kehrichtverwertungsanlagen. 2001 wies das Bundesgericht sämtliche Beschwerden gegen die KVA Thun ab, woraufhin die Bauarbeiten beginnen konnten.Vom Landstädtchen zur Agglomeration In: Thuner Stadtgeschichte 1798–2018. abgerufen am 2. April 2026. Im Jahr 2003 wurde die Anlage in Betrieb genommen.Sicher und sauber In: Plattform J. 30. Oktober 2016, abgerufen am 2. April 2026. Damit wurde auch ein neues Geschäftsfeld erschlossen: Bei der thermischen Verwertung von Siedlungs-, Gewerbe- und Industrieabfällen entsteht Wärme, die zur Produktion von Strom, Prozessdampf und Fernwärme genutzt wird. So produziert die KVA Thun u. a. jährlich rund einen Drittel des Strombedarfs der Stadt Thun. Aufgrund dieser Neuausrichtung zogen sich die beiden seit der Gründung beteiligten Kiesunternehmen als Aktionärinnen aus der AVAG zurück. An ihrer Stelle beteiligten sich die ARA Thunersee und die Berner Energiewerke (EWB), während die mittlerweile rund 130 Gemeinden aus dem Einzugsgebiet die Mehrheit der Anteile hielten.

Weiterer Ausbau der nachhaltigen Energie 2011 weihte die von der AVAG und einer Partnerin gegründete und von der AVAG betriebene Oberland Energie AG das Biomassezentrum Spiez ein. Dort werden seither mit einer Vergärungsanlage, einem Kompostierwerk sowie einer Alt- und Restholzheizung aus Biomasse Qualitätskompost und nachhaltige Energie für die Region hergestellt.BKW/Oberland Energie weiht Biomassezentrum in Spiez ein In: swissinfo.ch. 9. August 2011, abgerufen am 2. April 2026. Für das Wiederverwertungssystem und die damit verbundene Einsparung fossiler Brennstoffe wurde die Oberland Energie AG 2012 vom Bundesamt für Energie mit dem Preis «Watt D’Or» in der Kategorie «Erneuerbare Energien» ausgezeichnet.Gewinner des Watt d'Or 2012 Bundesamt für Energie. 5. Januar 2012, abgerufen am 2. April 2026. 2017 wurde der AVAG für die ökologische Stromproduktion und den technisch hochmodernen Metall-Recyclingprozess in der KVA Thun vom «Verein für umweltgerechte Energie» die Auszeichnung «naturemade resources star» verliehen. Zusammen mit dem Kehrichtheizkraftwerk Hagenholz in Zürich zählt die KVA Thun damit zu den ersten mit diesem Gütesiegel ausgezeichneten Kehrichtverwertungsanlagen der Schweiz.KVA erhält Auszeichnung In: Plattform J. 16. Februar 2017, abgerufen am 2. April 2026.

Im Folgejahr gründete die AVAG zusammen mit den regionalen Energieversorgern NetZulg AG und Energie Thun AG die Fernwärme Thun AG, die für den Auf- und Ausbau eines regionalen Fernwärmenetzes zuständig ist. 2022 wurden die ersten Gebäude in Thun an das gemeinsame Fernwärmenetz angeschlossenAvag investiert weiter in Fernwärme In: Berner Zeitung. 27. März 2025, abgerufen am 2. April 2026. und seither laufend ausgebaut. Im Jahr 2024 verfügte die Fernwärme Thun AG über rund 26 km Fernwärmeleitungen und lieferte 68´070 MWh Fernwärme an Liegenschaften im Raum Thun, Steffisburg, Uetendorf und Heimberg, was einer Einsparung von jährlich rund 7 Millionen Litern Heizöl entspricht.Wärme aus Kehricht Fernwärme Thun AG. Abgerufen am 2. April 2026.

2017 gründete die AVAG zusammen mit der Terra Nova GmbH und der Schweizer Zucker AG die Holzraftwerk Aarberg AG. In der Folge wurde 2021 eines der schweizweit grössten und innovativsten Holzkraftwerke eingeweiht. Das von der AVAG betriebene Kraftwerk kann dank einer umfassenden Rauchgasreinigung Altholz sämtlicher Klassen zu CO2-neutraler Energie verwerten, anstatt dieses exportieren zu müssen. Hauptabnehmerin der Energie ist die benachbarte Schweizer Zucker AG, welche dadurch den Einsatz von fossilen Brennstoffen erheblich reduzieren konnte.Neues Holzkraftwerk für 70’000 Tonnen Altholz In: Organisator. 20. September 2021, abgerufen am 2. April 2026.

Als Gründungsmitglied vom 2022 gegründeten «Verein zur Dekarbonisierung der Industrie» forscht die AVAG gemeinsam mit Partnern an Lösungen für die nachhaltige Energieversorgung in der Industrie. 2025 wurde dazu eine bisher einzigartige Methan-Pyrolyse-Anlage auf dem Areal der V-Zug in Betrieb genommen.VZDI weiht bei V-Zug erste Methan-Pyrolyse-Anlage ein In: Switzerland Global Enterprise. 3. Dezember 2025, abgerufen am 2. April 2026. Weiter verkündete die AVAG Umwelt AG Ende 2025 zusammen mit dem Eidgenössischen Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport und der Ruag Real Estate AG die Gründung einer Stromnetzpartnerschaft. Ab 2027 soll der Strombedarf des Waffenplatzes Thun vollständig mit dem Strom aus der KVA Thun der AVAG Umwelt AG abgedeckt werden.Arealpartner machen für sichere Stromversorgung gemeinsame Sache In: Plattform J. 10. Dezember 2025, abgerufen am 2. April 2026.

Auf- und Ausbau Recycling mini|Das Entsorgungszentrum Jaberg beim Bau 1990 Die AVAG setzte sich neben den Deponien bereits früh mit dem Thema Abfalltrennung auseinander. So wurden beispielsweise bereits während der Gründungsjahre Altreifen separat gesammelt und verwertet. Über die Jahre wurden die Separatsammlung und das Recycling laufend ausgebaut, sodass die regionalen Standorte der AVAG, welche ursprünglich für den Umlad des Gemeindekehrichts gebaut wurden, zu regionalen Entsorgungszentren für die Bevölkerung und das Gewerbe heranwuchsen. Als Gesamtentsorgerin verwertet und rezykliert die AVAG heute nahezu alle Abfallarten und bietet für Gemeinden und ihre Bevölkerung zudem spezifische Entsorgungslösungen an, wie beispielsweise für Alttextilien, Kunststoffe, Sonderabfall, Papier und Karton, Glas, Aludosen, Weissblechbüchsen usw.Lösungen speziell für Gemeinden AVAG Umwelt AG. Abgerufen am 2. April 2026.

Dabei hat die AVAG in der Schweiz verschiedentlich eine Vorreiterrolle eingenommen, beispielsweise 2016 bei der Lancierung des Recyclingsacks für Kunststoffflaschen und Getränkekarton in ihrem Einzugsgebiet.Neuer Sack für Kunststoff und Karton In: Plattform J. 28. Juni 2016, abgerufen am 2. April 2026. Oder 2023 bei der Entwicklung und Etablierung der gemischten Kunststoffsammlung «Bring Plastic Back» im Kanton BernEinheitliches System: Berner Haushalte sollen Plastik sammeln In: SRF. 25. April 2023, abgerufen am 2. April 2026., womit 2025 bereits rund 1´600 Tonnen Haushaltskunststoffe in 216 Berner Gemeinden gesammelt wurden.Bernerinnen und Berner sammeln Plastik wie wild In: Plattform J. 9. Februar 2026, abgerufen am 2. April 2026. Zudem baut die AVAG Umwelt AG ihre interne Wertschöpfungstiefe im Recycling gezielt aus und hat dazu beispielsweise 2025 einen Schredder sowie eine Sortieranlage für Altmetall in Betrieb genommen sowie eine neue Sammellösung für Altmetalle aus Haushaltungen lanciert.Altmetall kann nun einfacher entsorgt werden In: Plattform J. 25. Februar 2026, abgerufen am 2. April 2026.

Tätigkeiten In den Anfangsjahren war die AVAG ausschliesslich für die Errichtung und Bewirtschaftung von Deponien zuständig. Mit dem Bau der KVA Thun erweiterte sich das Tätigkeitsfeld: Die AVAG wurde zur Abfallverwerterin und Energieproduzentin. Als Gesamtentsorgerin bietet die AVAG Umwelt AG zudem für nahezu alle Abfallarten umfassende Entsorgungs- und Recyclingleistungen für Gemeinden, Privatpersonen sowie Gewerbe- und Industriekunden an. Dazu betreibt die AVAG eigene Verwertungsanlagen und verfügt über ein breites Partnernetzwerk mit spezialisierten Abfallverwertern.Entsorgungslösungen AVAG Umwelt AG. Abgerufen am 2. April 2026.

Standorte mini|Das Entsorgungszentrum Jaberg im Jahr 2023 Neben der Kehrichtverwertungsanlage in Thun betreibt die AVAG Umwelt AG acht regionale Entsorgungszentren in Brienz, Frutigen, Interlaken, Jaberg, Langnau, Saanen, Wimmis und Zweisimmen. In Jaberg betreibt das Unternehmen zudem zwei Deponien, eine Aufbereitungsanlage für Strassenwischgut und Strassensammlerschlämme sowie Recyclinganlagen für die Sortierung von Altmetall und in Spiez das Biomassezentrum der Oberland Energie AG.Entsorgungsstandorte AVAG Umwelt AG. Abgerufen am 2. April 2026. Die AVAG verantwortet zudem im Mandat die Geschäfts- und Betriebsführung der Holzkraftwerk Aarberg AGÜber uns HKW Aarberg AG. Abgerufen am 2. April 2026. sowie der Sortiergesellschaft SOGES AG an den Standorten Uttigen, Interlaken und Wimmis.Standorte SOGES AG. Abgerufen am 2. April 2026.

Weblinks

Website der AVAG Umwelt AG

Einzelnachweise

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