Der Vogel Blumentriller ist ein persisches Volksmärchen (ATU 550).Arthur Christensen (Übert.): Die Märchen der Weltliteratur – Persische Märchen. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1958, S. 20–35, 301–302.
Handlung Einst lebte ein Sultan, der krank wurde, woraufhin ein Arzt meinte, dass ein grüner Fisch mit einem goldenen Ring am Schwänzchen aus dem Meer gefangen und in Stücke geschnitten auf das Herz des Sultans gelegt werden müsse, damit dieser genese. Seine drei Söhne begaben sich sofort auf die Suche nach besagtem Fisch, doch als der Jüngste von ihnen, Mälik Ibrâhîm, ihn in die Hände bekam, sah er, dass auf dessen Stirn eine Lobpreisung Allahs, des Propheten und Alîs geschrieben stand und so warf er ihn wieder ins Meer. Sein Vater enterbte ihn daraufhin, doch fiel dem Arzt noch ein weiteres Genesungsmittel ein, den Vogel Blumentriller, dem beim Singen Blumen aus dem Schnabel fallen, die auf das Herz des Sultans gelegt, für Heilung sorgen würden.
Die drei Söhne begaben sich sofort auf den Weg, wobei sie sich an einer Weggabelung trennten, denn Mälik beschloss alleine weiter zu reiten, den schwereren Weg. Durch eine gefundene steinerne Tafel gelang es ihm dann drei Hexen zu töten und Maimûne Khâtûn, die Tochter des Königs der Päri, aus der Gewalt der dritten zu befreien. Bei Maimûnes Vater angelangt erlöste Mälik auch dessen Sohn aus den Fängen zweier weiterer quälender Hexen, woraufhin Maimûne und Mälik mit einem großen Fest vermählt wurden. Nach der Hochzeit wurde Mälik dann der Weg zum Vogel Blumentriller gewiesen, der Tarfe Bânû, der Tochter eines anderen Königs der Päri auf dem Berge Qâf, gehörte und der von Tausenden von Dîwen bewacht wurde.
Dort angekommen versuchte Mälik nicht gegen die Dîwen zu kämpfen, sondern trug sein Anliegen höflich vor, sodass diese sich erbarmten und ihn in das Schloss der Tarfe Bânû ließen, aus dem er den Vogel Blumentriller stahl. Einer der Dîwen brachte ihn dann in die Nähe seines Heimatreiches, wo Mälik an der Weggabelung ein Schläfchen hielt, doch als seine ebenfalls zurückkehrenden Brüder ihn dort fanden, entwendeten sie ihm den Vogel und gaben daheim beim Sultan vor, dass sie ihn gefunden hätten. Der Vogel blieb aber stumm, also meinten sowohl der Arzt als auch des Sultans Vezier, dass diese beiden den Vogel nicht gefunden haben können und dies Mäliks Werk sein müsse. Und kaum war Mälik zugegen begann der Vogel zu singen, woraufhin ihm sein Vater die Krone aufsetzte.
Einen Monat später erreichte Tarfe Bânû die Stadt des neuen Sultans und schlug ein Lager mit fürstlichen Zelten davor auf. Sie gab vor, dass sie gekommen wäre, um den Vogel Blumentriller zurückzuholen, als Mälik dann aber ihr Zeit betrat, offenbarte sie ihm, dass sie sich geschworen hatte, ihn ob seiner tapferen und mutigen Taten zu heiraten. Eine große Hochzeit wurde gefeiert und nachdem diese zu Ende war, schickte man auch nach Maimûne, sodass alle drei in Herrlichkeit und Freude leben konnten.
Hintergrund Das Märchen stammt aus der handschriftlichen Sammlung der Frau Munschîzâdeh und erhielt in Arthur Christensens Die Märchen der Weltliteratur – Persische Märchen (Düsseldorf / Köln 1958) den Titel Der Vogel Blumentriller. Es ist das persische Pendant zu Grimms Der goldene Vogel. Qâf ist ein Gebirge am Ende der Welt.
Literatur Arthur Christensen (Übert.): Die Märchen der Weltliteratur – Persische Märchen. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1958, S. 20–35, 301–302.
Einzelnachweise
Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Persisch) Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Märchen