Das Märchen von Sänämâ ist ein persisches Volksmärchen (ATU 441).Arthur Christensen (Übert.): Die Märchen der Weltliteratur – Persische Märchen. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1958, S. 87–90, 304.
Handlung Eine Waschfrau, die kein Kind bekommen konnte, bat Gott um Fruchtbarkeit, selbst wenn sie nur ein Bienlein bekäme. Ihr Gebet wurde erhört, jedoch gebar die Unglückliche zwei- bis dreitausend Bienen, die sie sofort aus dem Haus trug. Ein einziges Bienlein aber versteckte sich im Haus und begann fortan heimlich die fälligen Arbeiten zu erledigen. Eines Tages kam dann der Königssohn höchstpersönlich zum Haus der Waschfrau, um seine Sachen zu holen. Da diese jedoch nicht zugegen war, teilte das Bienlein ihm durch die verschlossene Tür mit, dass er des Abends wiederkommen solle. Dem Königssohn ging derweil die süße Stimme nicht aus dem Kopf und so beschloss er das vermeintliche Mädchen zu heiraten.
Als die Wahrheit über das Bienlein ans Licht kam, bestand der Königssohn trotzdem auf eine Hochzeit, woraufhin eine Verlobung beschlossen wurde. Die Hochzeit sollte eine Woche später stattfinden und um sich bis dahin abzulenken, ging der verliebte Königssohn auf die Jagd, bei der er schwer verunglückte. Das gesamte Volk begab sich zu ihm, da es wissen wollte, wie es um ihn stand und so zog sich auch das Bienlein, das Sultân Sänämâ hieß, den Tschâdor und den Rûbänd an und flog zu ihrem, dem Tode nahen, zukünftigen Mann.
Dort angekommen, hielt sich gerade auch die Tochter des Pärî-Königs auf, die schon seit Jahren an einem ihr im Rachen steckenden Schwertfisch litt. Doch als sie Sultân Sänämâ sah, brach sie in solches Gelächter aus, das der Schwertfisch ihr aus dem Hals glitt. Sultân Sänämâ erhielt daraufhin einen Wunsch und so wünschte sie sich eine schöne Menschenfrau zu sein, was ihr sogleich gewährt wurde. Der Königssohn genas indes von seiner Verletzung und so wurde eine freudige Hochzeit gefeiert.
Hintergrund Das Märchen stammt aus der handschriftlichen Sammlung der Frau Munschîzâdeh und erhielt in Arthur Christensens Die Märchen der Weltliteratur – Persische Märchen (Düsseldorf / Köln 1958) den Titel Das Märchen von Sänämâ. Für Christensen war es „ein hübsches Gegenstück zu Hans mein Igel“ der Brüder Grimm. Ein Rûbänd war ein kleiner Schleier, der das Gesicht bedeckt.
Literatur Arthur Christensen (Übert.): Die Märchen der Weltliteratur – Persische Märchen. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1958, S. 87–90, 304.
Einzelnachweise
Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Persisch) Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Märchen