Der glückliche Einfältige ist ein libanesisches Märchen (ATh 1641).Ursula und Yussuf Assaf (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus dem Libanon. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1978, S. 185–191, 259.

Handlung Ein einfältiger Mann namens Faris, der schon immer arbeitslos war, ließ sich von seiner Frau durchs Leben bringen, bis diese älter wurde und nicht mehr so viel arbeiten konnte, sodass sie ihn anwies sich endlich Arbeit zu suchen, damit sie über die Runden kommen. Verärgert lief Faris daraufhin durch die Stadt und gelangte an den Königspalast, wo der König gerade seine Gänse fütterte. Um freie Hand zu haben, legte der König seinen königlichen Ring vor dem Füttern stets ab und Faris allein bekam mit, wie eine Gans diesen verschluckte. Zu Hause bei seiner Frau tadelte sie ihn dafür, hätte er doch eine Belohnung erhalten können, wenn er dies dem König mitgeteilt hätte. Also riet sie ihm sich als Wahrsager auszugeben, um so in die Gunst des Königs zu gelangen.

Die List gelang und für den wiedergefundenen Ring erhielt Faris 100 Pfund Gold, doch der neidische Großwesir intrigierte gegen ihn, bezeichnete ihn vor dem König als Lügner und überredete diesen eine zweite Prüfung von Faris zu verlangen. Zu diesem Zweck steckte der Großwesir einen Frosch in einen Tontopf, wobei Faris das Tier erraten sollte. Faris Frau hatte jedoch den Beinamen Frosch, also rief dieser vor dem Tontopf stehend „O Frosch, was habe ich dir gesagt!“, womit er seine Frau meinte, die ihn auf die Idee des Wahrsagerseins gebracht hatte, wodurch die Prüfung bestanden war und Faris dem Tod entging sowie abermals 100 Pfund Gold an ihn ausgezahlt wurden.

Später wurde der Schatz des Königs gestohlen und Faris damit beauftragt ihn wiederzufinden. Keine Hoffnung habend und den Tod erwartend erbat sich Faris eine Frist von 40 Tagen, um die Diebe zu finden. Seine Frau sprach dem Verzagten jedoch gut zu, kaufte 40 Hühner und meinte, dass sie jeden Tag eines essen wollen und sehen werden, was Allah mit ihnen mache. Die Diebe des Schatzes, deren es 40 waren, hatten derweil schon Kunde von Faris Fähigkeiten bekommen und beschlossen ihn auszukundschaften, um zu sehen, wie weit er mit seinen Ermittlungen war. Also schickten sie einen Mann zu Faris Haus, der zusammen mit seiner Frau gerade den ersten Hahn verspeiste und dabei meinte „Das ist der erste von 40!“. Der Mann erschrak zutiefst und erstattete seinem ungläubigen Anführer Bericht. Doch auch der zweite Mann, der „Das ist der zweite von 40!“ hörte und sogar der Anführer selbst kamen zu dem Schluss, dass Faris über sie Bescheid wusste. Sie suchten ihn daraufhin auf, versprachen den Schatz zurückzubringen, wenn sie dafür straffrei blieben und so kam Faris in den Genuss einer Belohnung von 500 Pfund Gold. Danach verließen er und seine Frau das Land, bevor noch weitere Aufgaben auf ihn zukamen.

Hintergrund Das Märchen stammt aus Karam Bustānīs Werk Ḥikāyāt lubnānīya (Beirut 1966, S. 206–213) und bekam in Ursula und Yussuf Assafs Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus dem Libanon (Düsseldorf / Köln 1978, Nr. 26) den Titel Der glückliche Einfältige. Nach Wolfram Eberhards und Pertev Naili Boratavs Typen türkischer Volksmärchen (Wiesbaden 1953) erhielt es den Typ 311. In N. Elisséefs Themenverzeichnis von Tauseinundeiner Nacht wurde es Nr. 302 zugeordnet.

Das Märchen ist nach den Assafs in der gesamten arabischen Welt sehr verbreitet und beliebt. Zur Verbreitung nennen sie Marokko mit H. Duquaires Anthologie de la littérature marocaine (Paris 1937, S. 30–33), Georges Seraphin Colins Recueil de Textes en Arabe Marocain (Paris 1937, S. 101–104) sowie Jean Renauds und Tahar Essafis La Sorcière d’Emeraude (Paris 1929, S. 113–118); Ägypten mit Arthur Octavius Greens Magmū at hikāyāt (Kairo 1886, S. 52–55); den Libanon mit Ibrāhīms Ğuḥa wa ġaflātuhu (Kairo o. J., S. 29–39); den Irak mit Ethel Stefana Stevens’ Folk-Tales of Iraq (London 1931, S. 74–79), wobei hier noch ein durch Zufall gewonnener Rätselwettstreit hinzukommt und das Aramäische mit Helmut Ritters Tūrōyo, die Volkssprache der syrischen Christen des Tūr ‘Abdīn (Beirut 1967, S. 517–535).

Literatur Ursula und Yussuf Assaf (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus dem Libanon. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1978, S. 185–191, 259.

Einzelnachweise

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