Guy Woodruff ist ein US-amerikanischer Kognitiver Neuropsychologe und Klinischer Psychologe, der an der University of Pennsylvania gearbeitet hat.

Leben Unter der Betreuung von David Premack promovierte er 1977 an der University of Pennsylvania zum Ph.D. zu dem von den beiden Autoren so benannten Thema der Theory of Mind. Damit ist die Fähigkeit gemeint, mentale Zustände eines anderen als mögliche Ursache eines Verhaltens zu verstehen. Die beiden Autoren präsentierten experimentelle Belege für diese Theorie an Schimpansen und begründeten damit ein bedeutendes Forschungsgebiet der Tierpsychologie, der Entwicklungspsychologie sowie in anderen Bereichen der Psychologie. Nach seiner Promotion absolvierte er Forschungsaufenthalte in Neuropsychologie an der University of Pennsylvania und am Temple University Health Sciences Center. Ab 1996 war er als Berater bei der Public Service Enterprise Group tätig. Er ist Mitbegründer von Penn Psychological Associates, einer psychotherapeutischen Praxis für Kinder, Jugendliche und Erwachsene und ist hier als klinischer Psychologe tätig. Er führt aktuell psychologische Eignungs- und sicherheitsrelevante Eignungsuntersuchungen für Polizeibeamte und Mitarbeiter von Kernkraftwerken durch.

Werk Seine Forschungsbeiträge bezogen sich auf Themen der ethologischen, evolutionären und kognitiven Psychologie und inspirierten das Gebiet der Theory-of-Mind-Forschung. Seine Studien mit David Premack gelten als klassische Experimente in der Psychologie.

Mit seinen Forschungen konnte er zeigen, dass Schimpansen sowohl korrekte als auch irreführende Informationen nutzen, was auf die Fähigkeit zur intentionalen Kommunikation und zur Fähigkeit zur Täuschung bei Schimpansen hindeutet. Seine Studien belegen auch, dass nicht-menschliche Primaten primitive mathematische Konzepte verstehen können; so besitzen Schimpansen einfache Konzepte von „Proportion“ und „Zahl“ und sie verstehen auch das Prinzip der Mengenerhaltung: seine Experimente zeigten dabei, dass Schimpansen Mengen von Flüssigkeiten und Feststoffen präzise einschätzen und trotz Veränderungen irrelevanter Eigenschaften wie der Form erhalten können. Seine Untersuchungen an Schimpansen brachte auch deren Fähigkeit zutage, Probleme zu erschließen und potenzielle Lösungen zu erkennen, sowie dazu, sich selbst und anderen mentale Zustände zuschreiben. Darüber hinaus hat er zu dem Thema Assoziatives Lernen und Autoshaping bei Tauben gearbeitet.

Das Thema der Theory of Mind wurde auch von Jane Goodall aufgegriffen und sie konnte Belege für die Existenz der Theory of Mind bei Schimpansen unter Freilandbedingungen nachweisen, Heinz Wimmer und Josef Perner konnten die Evolution des Verständnisses von falschen Überzeugungen bei Kindern belegen.

Publikationen (Auswahl) Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge Mit Ralph J. Petrucci; William A. Buchheit; John M Karian: Gary J DeFilipp: Transcallosal parafornicial approach for third ventricle tumors: neuropsychological consequences. In: Neurosurgery, 1987, 20 (3), S. 457–464. Mit David Premack: Primative mathematical concepts in the chimpanzee: Proportionality and numerosity. In: Nature, 1981, 293 (5833), S. 568–570. Mit Douglas Gillan; David Premack: Reasoning in the chimpanzee: I. Analogical reasoning. In: Journal of Experimental Psychology Animal Behavior Processes, 1981, 7 (1), S. 1–17. Mit David Premack: Primitive mathematical concepts in the chimpanzee: proportionality and numerosity. In: Nature, 1981, 293 (5833), S. 568–570. Mit David Premack: Intentional Communication in the Chimpanzee: The Development of Deception. In: Cognition, 1979, 7(4), S. 333–362. Behavioral contrast and type of reward: Role of elicited response topography, In: Animal learning & behavior, 1979, 7 (3), S. 339–346. Mit David Premack; Keith Kennel: Conservation of Liquid and Solid Quantity by the Chimpanzee. In: Science, 1979, 202 (4371), S. 991–994. Mit David Premack: Intentional communication in the chimpanzee: The development of deception. In: Cognition, 1979, 7 (4), S. 333–362. Mit M. David Starr: Autoshaping of initial feeding and drinking reactions in newly hatched chicks, In: Animal learning & behavior, 1978, 6 (3), S. 265–272. Mit David Premack: Does the chimpanzee have a theory of mind?. In: Behavioral and brain sciences, 1978, 1 (4), S. 515–526. Mit David Premack: Chimpanzee problem-solving: a test for comprehension. In: Science, 1978, 202 (4367), S. 532–535. Mit Emil W. Menzel, jr., David Premack: Map reading by chimpanzees. In: Folia Primatologica, 1978, 29 (4), S. 241–249. Mit Ned Conner; Elkan Gamzu; D. R. Williams: Associative interaction: Joint control of key pecking by stimulus‐reinforcer and response‐reinforcer relationships. In: Journal of the Experimental Analysis of Behavior, 1977, 28 (2), S. 133–144. Mit R. R. Morrison; D. R. Williams: Consummatory fixed action patterns underlying conditioned keypecking. In: Bulletin of the Psychonomic Society, 1974, 4 (NA 4), S. 265–265.

Weblinks Guy Woodruff auf Research Gate, abgerufen am 5. April 2025. Guy Woodruff auf Scholar.Google, abgerufen am 5. April 2025.

Literatur C. Welsh: Theory of Mind and Evidence of Brain Modularity. In: T. K. Shackelford; V. A. Weekes-Shackelford (Hrsg.): Encyclopedia of Evolutionary Psychological Science. Springer, Cham 2021, ISBN 978-3-319-19649-7.

Einzelnachweise

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