mini|Der Gebäudekomplex der Brauerei aus dem Jahr 1908 mit dem Logo des „Hinterländer Brauhauses“ an der Perf (2025) Die Brauerei H. Thome KG war eine seit Mitte des 18. Jahrhunderts bestehende Brauerei im oberhessischen Wolzhausen. Sie ging 2006 insolvent und wurde anschließend als Hinterländer Brauhaus GmbH mit regionalem Konzept neu gegründet, konnte sich aber nicht durchsetzen und meldete Ende 2010 auch Insolvenz an. Diese Brauerei wie auch ihre Vorgängerin war die letzte im namensgebenden Hessischen Hinterland und im ganzen Landkreis Marburg-Biedenkopf. Bis heute verblieben sind die nach wie vor geöffnete Gaststätte „Hinterländer Braustube“ mit Biergarten und der Gebäudekomplex an der Perf aus dem Jahr 1908, inzwischen meist „Alte Brauerei“ genannt, heute ein Industriedenkmal.

Geschichte Entstehungsgeschichte und erster Aufschwung bis zur Jahrhundertwende Die Unternehmensgeschichte geht zurück bis ins Jahr 1761, als Johannes Grebe (1738–1822) aus dem nahen Wiesenbach nach Wolzhausen zog und dort das später unter dem Hausnamen „Simmes“ bekannte Anwesen erwarb. Die Gründung der Brauerei erfolgte ein Jahr später. In einem Gebäudekataster aus der Mitte des 18. Jahrhunderts ist zu diesem, nun auf Grebe überschriebenen Anwesen erstmals ein „Brauhaus“ eingetragen. Dieses Brauhaus wurde von Grebes Sohn Johannes (1774–1834) und später von dessen Sohn Johann Ludwig (1798–1867) weitergeführt.

Im Juli 1842 heiratete Margarethe Grebe, die Tochter und Erbin des Brauereibesitzers Johann Ludwig Grebe, Georg Thome (1817–1870). Dieser hatte vorher bei seinem Schwiegervater das Brauer- und Küferhandwerk erlernt und führte nun dessen Brauerei und auch die zugehörige Gaststätte weiter. Nach der Annexion des Kreises Biedenkopf durch Preußen musste der Brauereibetrieb, datiert mit dem 1. Januar 1867, neu genehmigt werden. Dies ist die älteste amtliche Erlaubnis zum Betrieb der Brauerei, die heute noch vorliegt. In diesem Gewerbepatent war ein jährlicher Ausstoß von bis zu 100 Ohm (= 137,40 Hektoliter (hl)) angegeben. Thome wurde hier als „Zäpfer von Bier und Branntwein, Bierbrauer und Küfer“ beschrieben. Der Ausschank erfolgte damals in der eigenen Gaststätte und bei zwei ortsansässigen Zapfwirten. Die offizielle Unternehmensgründung erfolgte dann im Jahr 1868. 1873 begann Georg Thomes I. erster Sohn, Heinrich Thome IV. (1845–1932) mit der Vergrößerung der Brauerei und dem Bau eines neuen Malzkellers. Als Lagerkeller diente damals ein Felsenkeller an der Straße nach Breidenbach. 1879 folgte der Bau eines Eishauses an der Hauptstraße, der heutigen Schelde-Lahn-Straße. Dieses wurde später zum „Alten Brauhaus“ und bis 2005 als Gaststätte betrieben. Ab 1895 konnten durch neue Luftkanäle die Lagerkeller auch in den Sommermonaten gekühlt werden.

Generationenwechsel und Brauerei-Neubau mini|Der Brauerei-Bau von der Sandstraße aus gesehen (2025) Der älteste Sohn Heinrich Thomes, Friedrich Thome (1877–1932), wurde 1905 zu dessen Nachfolger ausersehen und absolvierte daher in Berlin ein Studium zum Diplom-Braumeister. Schon während seines Studiums plante er, auf einem Grundstück in der Wolzhäuser Sandstraße eine neue, größere und modernere Brauerei zu errichten. Der Bau startete 1908 mit dem Kellergebäude, einem massiven Ziegelbau, dessen Außenmauern mit einer Stärke von 1,25 Metern gegen eindringende Wärme doppelt isoliert wurden. Über den zum Teil unterirdisch liegenden Lagerkellern wurde ein Eiskeller mit einem Fassungsvermögen von 12.000 Zentnern errichtet.

Es folgte die Errichtung der Gebäude für Sud- und Maschinenhaus sowie für die Dampfkesselanlage (mittleres Backsteingebäude). Die Sudhausanlage verfügte über dampfbeheizte Bottiche und einen Maischefilter. Angetrieben wurden sie und die Schroterei mit einer neuen Dampfmaschine mit einer Leistung von 25 PS, die ihren Dampf aus einer mit Kohle beheizten Dampfkesselanlage bezog. Sie ersetzte eine Lokomobile von 6 PS der Maschinenfabrik Buckau R. Wolf aus dem Jahr 1898. Mit der Fertigstellung der neuen Brauerei wurde das Unternehmen 1909 in eine GmbH umgewandelt. Geschäftsführer wurde Friedrich Thome, Gesellschafter sein Vater und seine Geschwister. Am 20. April 1909 konnte der erste Sud in der neuen Brauerei gebraut werden. Das angeschlossene beigefarbene Gebäude diente damals noch als Wohnhaus und wurde später als Büro- und Geschäftsgebäude in die Brauerei integriert. Für die zweite Jahreshälfte ist der Verkauf von 2000 hl Bier überliefert, für das folgende Jahr ein Ausstoß von 4500 hl. 1910 wurde eine Kühlmaschine angeschafft, da eine ausreichende Natureisgewinnung nicht in jedem Winter als gesichert galt.

Herausforderungen um die beiden Weltkriege Nachdem die allgemein günstige wirtschaftliche Entwicklung im Deutschen Kaiserreich der Unternehmensentwicklung der Brauerei entgegengekommen war, brachte der Erste Weltkrieg der Brauerei einen starken Rückschlag. Dieser findet seinen zahlenmäßigen Ausdruck in einem Umsatz von nur 990 hl im letzten Kriegsjahr 1918. Ab 30. September 1919 übernahm Friedrich Thome alle Geschäftsanteile und führte die Brauerei allein weiter. Im folgenden Jahr wurden eine Gleichstromlichtmaschine und eine Akkumulatorenbatterie aufgestellt, um die elektrische Versorgung aller Räume der Brauerei und des Wohnhauses sicherzustellen. Durch diese Eigenstromversorgung, die bis 1955 betrieben wurde, blieb die Brauerei weitgehend unabhängig von fremden Energieversorgern. In den Jahren nach 1920 wurden die alten Holzfässer und Holzgärbottiche durch moderne, innen emaillierte Stahllagertanks und Bottiche ersetzt. Bis zu diesen Jahren war das Bier ausschließlich mit Pferdefuhrwerken ausgefahren worden. Von nun ab sorgte ein erster Lastkraftwagen für einen schnelleren Transport. Die Nachkriegsjahre hemmten weiter die Aufwärtsentwicklung, sodass erst 1925 die Ausstoß-Grenze von 3000 hl wieder überschritten werden konnte.

Nach dem Tod von Vater und Großvater übernahm 1932 Wilhelm Thome (1902–1945), der 1925 in München die Braumeisterprüfung abgelegt hatte, die Leitung der Brauerei. Seine Einberufung zum Wehrdienst im Rahmen des Zweiten Weltkrieges brachte den Betrieb, nachdem nur noch zwei Mitglieder der Belegschaft zurückgeblieben waren, gänzlich zum Erliegen. Die Thome-Kunden wurden in dieser Zeit von der Brauerei Balbach im nahen Biedenkopf und von der Oranien-Brauerei in Dillenburg versorgt. Nach dem Ende des Krieges kam eine der Brauereien ihren Lohnbrauverpflichtungen nicht mehr nach, weshalb Friede Thome, die seit der Einberufung ihres Mannes die Geschäftsführung übernommen hatte, von der befreundeten Brauerei Schweisfurth in Eichen im Siegerland Bier bezog, um die Kundschaft weiter zu beliefern.

Diese Brauerei stellte in den Nachlregsjahren auch einen Braumeister und einen Maschinisten zur Verfügung, mit der Aufgabe, den Betrieb wieder in Gang zu bringen. Am 6. September 1945 konnte schließlich wieder der erste Sud gebraut werden. Wegen Rohstoffmangels war der Umsatz bis Sommer 1948 so zurückgegangen, dass die Kapazität der Brauerei nicht mehr gut genug ausgenutzt werden konnte. Deshalb nahm man zusammen mit der Firma Mauxion die Produktion eines Brotaufstrichs „Goldsirup“ aus amerikanischem Maisgrieß auf. Die Zeit nach der Währungsreform 1948 brachte schließlich die Möglichkeit, vom bis dahin gebrauten Molkebier wieder auf reguläres Bier umzusteigen, wenn auch vorerst nur achtprozentig. So verzeichnete die Brauerei für das Jahr 1949 wieder einen Bierumsatz von 2200 hl.

Wiederaufschwung zu Zeiten des Wirtschaftswunders Mit ständig steigendem Umsatz wurde schon 1952 eine Erweiterung der Gär- und Lagerkeller notwendig. Mit einem letzten „Eisfest“ im Winter 1955/56 fand die herkömmliche Eisgewinnung ihr Ende. 1957 übernahm Diplom-Braumeister Fritz Thome (* 1932) die technische Leitung der Brauerei und begann, den Betrieb weiter zu modernisieren und zu vergrößern. Nach der Inbetriebnahme einer automatischen Kühlanlage im selben Jahr wurde im ehemaligen Eiskeller eine neue Flaschenabfüllanlage installiert. Außerdem wurde im Herbst der Gärkeller vergrößert und im Folgejahr ein Kieselgurfilter aufgestellt sowie drei weitere Kühlmaschinen in Betrieb genommen. Im Sommer 1959 folgte eine neue Würzekühlanlage und im April 1960 eine vollautomatische, ölbeheizte Dampfkesselanlage. Neue zusätzliche Lagertanks kamen 1961 hinzu, außerdem wurde die alte Kühlmaschine im Maschinenhaus durch eine neue ersetzt. Mit dem 30. September 1961 verließ die Sirup-Firma Mauxion Wolzhausen wieder und zog um in ihren neuen Betrieb in Eltville am Rhein.

Mit dem Jahreswechsel 1964/65 schied der jüngere Bruder des späteren Inhabers, Ernst Thome, aus der Erbengemeinschaft aus und übernahm einen Hotelbetrieb in Pfalzgrafenweiler im Schwarzwald („Thomes Schwanen“), wo fortan auch das Thome-Bier ausgeschenkt wurde. Seitdem wurde das Unternehmen als „Brauerei H. Thome Kommanditgesellschaft“ weitergeführt mit Fritz Thome als persönlich haftendem Gesellschafter und Geschäftsführer und seiner Mutter als Kommanditistin. 1967 wurden neue Drucktanks aufgestellt und die Leistungsfähigkeit des Sudhauses wurde durch den Einbau eines Zusatzkochers vergrößert. Außerdem wurde ein neuer Malzsilo mit einem Fassungsvermögen von 30 Tonnen und einer automatischen Malzannahme aus Silofahrzeugen errichtet. In den Jahren 1970 und 1971 wurden die alten Lagertanks durch neue aus Edelstahl ersetzt.

Die größte Einzelinvestition in der Nachkriegsgeschichte der Brauerei war der Neubau eines automatisch gesteuerten Sudhauses aus Edelstahl im Jahr 1977. Neue Anlagen zur Abfüllung und Etikettierung der Bierflaschen wurden 1988 angeschafft, 1992 folgte eine modernere und größere Flaschenreinigungsmaschine. 1995 wurde auch die Fassabfüllung auf das neue Keg-System umgestellt. Am 26. März 1998 übergab Fritz Thome die Geschäftsführung an seinen Sohn Nils Holger Thome (* 1965). Er blieb dabei, genauso wie seine Tochter Christina Thome-Endes, weiterhin Gesellschafter der KG.

In dieser Zeit war Thome auch mehrmals beliefernde Brauerei des Biedenkopfer Grenzganges, eines der größten Volksfeste der Region, etwa 1998 zusammen mit der Brauerei Bosch aus dem benachbarten Wittgensteiner Land, und unterhielt dort ein eigenes Festzelt.

Insolvenz, Neugründung als „Hinterländer Brauhaus“ und erneute Insolvenz

Zum 14. August 2006 endete die Geschichte des Unternehmens mit einer Insolvenz. Vorausgegangen war ein rapider Rückgang des Ausstoßes auf zum Schluss nur noch 2100 hl, weniger als 200 hl gingen an die Gastronomie. Mit der Insolvenz verfügte die Brauerei Thome noch über 20.000 Flaschen und 100 Hektoliter vom Fass des Thome Pils.

Die Brauerei wurde anschließend von einem fünfköpfigen Team mit Wurzeln in der Region übernommen, das die Räume zum 15. Februar 2007 als „Hinterländer Brauhaus GmbH“ übernahm und den Braubetrieb wieder aufnahm. Als erstes Bier waren ab dem „Erstsudfest“ am 31. März und 1. April 2007 ein Pils und ein Radler erhältlich. Geschäftsführender Gesellschafter wurde Steffen Keiner, ab Juni 2009 war es Jan Opper. Der Name sollte das regionale Konzept widerspiegeln und die Vision der Gesellschafter betonen, die Bierkultur der Region erneut aufleben zu lassen. Ziel war eine lokale Bindung und Wertschöpfung etwa durch die Verwendung von heimischen Zutaten bei der Herstellung, Wasser aus einem eigenen Tiefbrunnen und Gerste aus dem Ebsdorfer Grund sowie durch die Beauftragung von lokalen Dienstleistern zum Transport. Auch die Möglichkeit des Genussrechts wurde angeboten.