Rabbi Jehuda, der Fromme, von Regensburg ist ein israelisches Märchen der Gattung Legende (AT 756 C).Heda Jason (Hrsg.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Israel. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1976, S. 90–93, 297–298; übersetzt von Schoschana Gassmann.
Handlung Ein getaufter Jude, der durch seine Bosheit viele Juden ums Leben gebracht hatte, kam einmal zu Rabbi Jehuda, um Buße für seine Sünden auferlegt zu bekommen. Jehuda aber meinte, dass seine Sünden viel zu groß seien und ihm genauso wenig vergeben werden könne, wie der trockene Stock, an dem der Rabbi gerade herumschnitzte, grüne Blätter treiben könne. Als der Getaufte jedoch gegangen war, grünte der Stock und es begannen Blätter an ihm zu sprießen, also schickte Jehuda nach dem Getauften und bot ihm an ihm Buße aufzuerlegen, wenn er denn eine gute Tat nennen könne. Der Getaufte berichtete daraufhin von einem Ereignis in einer Stadt, wo ein Bankert getötet wurde und daraufhin alle Juden zusammengetrieben wurden, um sie umzubringen, da diesen, mit der Begründung, dass die Juden das Blut der anderen haben müssen, der Mord vorgeworfen wurde. Damals erzählte er den Leuten, dass die Juden ihr Fleisch salzen und wässern müssen, da es ihre Lehre verbietet Blut einzunehmen und er sagte unter Eid aus, dass dies die Wahrheit sei, woraufhin die Leute davon abließen den Juden Leid antun zu wollen. Als der Rabbi diese Worte vernahm, legte er dem Getauften Buße auf und dieser wurde wieder ein frommer Jude.
Hintergrund Das Märchen stammt aus dem jiddischen Volksbuch Ein schönes Buch mit Erzählungen…mit dreihundert und einigen Geschichten…aus dem Talmud… (Basel 1602, Nr. 178) und erhielt in Heda Jasons Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Israel (Düsseldorf / Köln 1976) den Titel Rabbi Jehuda, der Fromme, von Regensburg. Die Legende befasst sich mit dem Problem der Sünde, für die Vergebung erlangt werden kann und enthält als eingerahmte Erzählung den realen Konflikt der Juden mit der mittelalterlichen Außenwelt. In besagtem Volksbuch finden sich zwei weitere Legenden dazu. Die Nr. 182, in der von Rabbi Schmuel und der Geburt seines Sohnes Rabbi Jehuda berichtet wird und die Nr. 158, die eine Ortssage ist und von einem bösen Torhüter handelt, der stets die Glocken läutete, wenn ein toter Jude durch sein Tor getragen wurde. Als Jehuda dann starb, stürzte der Turm am Tor ein und begrub den Boshaften unter sich, währenddessen Jehuda ins Paradies einging. Der Turm in Regensburg aber konnte nie wieder aufgebaut werden.
Rabbi Schmuel und sein Sohn Rabbi Jehuda waren Teil der Gruppe Chassidim Aschkenas (Die Frommen Deutschlands), die sich mit der Mystik befasste. Jehuda lebte um 1150 bis 1217 und wirkte in Speyer und Regensburg. Er ist der Hauptautor des ethischen und mystischen Sefer Ha-Chassidim (Buch der Frommen).
Literatur Heda Jason (Hrsg.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Israel. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1976, S. 90–93, 297–298; übersetzt von Schoschana Gassmann.
Einzelnachweise
Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Jiddisch) Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Legende