Die Friedrichsschule war eine Schule in Magdeburg im heutigen Sachsen-Anhalt. Sie bestand mit unterschiedlichen pädagogischen Ausprägungen von 1695 bis 1875.

Lage mini|Nordseite der Julius-Bremer-Straße, ungefährer Bereich des ehemaligen Grundstücks Apfelstraße 11, 2026 mini|Blick von Norden, links die Rückseite des Wohnblocks an der Weitlingstraße Die Schule befand sich in der Magdeburger Altstadt auf der Nordseite der Apfelstraße an der damaligen Adresse Apfelstraße 11. Das ist der heutige Bereich auf der Nordseite der Julius-Bremer-Straße, westlich der Weitlingstraße, wohl etwas östlich der Neuen Synagoge.

Geschichte

Vorläufer nach der Gemeindegründung von 1681 Ein Vorläufer der Schule entstand als Schule der 1681 gegründeten Deutsch-Reformierten Gemeinde Magdeburgs. Ab 1684 beschäftigte die Gemeinde einen Kantor und Schulmeister.Ralph Meyer, Geschichte der Deutsch-Reformierten Gemeinde zu Magdeburg, Erster Band, Verlag von Julius Neumann, Magdeburg 1914 Erster Schulmeister war Gottlieb Christian Voigt, der die Kinder zunächst in seiner Wohnung unterrichtete. 1689 erhielt die Gemeinde das nahe der von der Gemeinde zunächst genutzten Gangolfikapelle liegende Haus Domplatz 2, das bis 1696 als Schule und Schulmeisterwohnung genutzt wurde.

Zunächst war die Schule eine einfache evangelisch-reformierte Volks- und Bürgerschule. Der Schulmeister unterrichtete Religion, Schreiben, Lesen und Rechnen.

Gründung der Schule 1695 1695 wurde die Schule als Schule der Pfälzer Kolonie durch den Kurfürsten Friedrich III. gegründet. Erster Rektor war Georg Hertzog. Die Leitung lag beim Magistrat der Pfälzer Kolonie sowie den Kirchenleitungen der Deutsch- und der Wallonisch-Reformierten Gemeinden. Die Schule wurde nun aufgrund eines ausgeweiteten Bildungsangebots als lateinische Schule (Lateinschule) bezeichnet. Am 1. März 1702 genehmigte der Kurfürst für die Schule eine Schulordnung. Es wurden nur Jungen unterrichtet und drei Klassen eingerichtet. Examen wurden im Frühjahr und im Herbst abgenommen. Das Betragen der Schüler, ihr fehlender Lerneifer und mangelnde Unterstützung durch die Elternhäuser wurden beklagt. Der Unterricht wurde wahrscheinlich in angemieteten Räumlichkeiten gehalten. Deren Standort ist nicht überliefert. Es wurde Latein, Hebräisch, Griechisch sowie Logik und auch der Katechismus unterrichtet. Darüber hinaus gab es Privatstunden, die gesondert bezahlt werden mussten.

Neues Schulhaus in der Apfelstraße 1708 erwarb die Gemeinde für 2300 Taler von Frau Oberstleutnant Sachse das auf dem hinteren Teil des Grundstücks Apfelstraße 11 stehende Gebäude. Bis 1708 gehörte das Grundstück mit großem Hof, das zur Straße hin nur eine überbaute Ausfahrt hatte, mit zur benachbarten Hausnummer 12.Ernst Neubauer, Häuserbuch der Stadt Magdeburg 1631–1720, Teil 1, Herausgeber: Historische Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt, Magdeburg 1931, Seite 3 Der preußische König gab 1500 Taler als Förderung hinzu, die restliche Summe wurde als Hypothek auf das Grundstück eingetragen. Mit Zahlungen in Höhe von je 400 Talern wurde die Hypothek 1709 und 1714 abgelöst. Im Haus wurden neben den Schulräumen drei Lehrerwohnungen eingerichtet. Zum Grundstück gehörte ein Garten.

Mit Erlaubnis des Königs wurde die Schule nach ihm als Friedrichsschule benannt und am 28. November 1708, dem Hochzeitstag des Königs, feierlich eröffnet. Es wurde das Lied Komm, Gott Schöpfer, heiliger Geist angestimmt. Es folgte eine Rede und ein Gebet durch den Prediger Stubenrauch. Außerdem wurde eine neue Schulordnung verlesen.

Eine halbe Stunde vor Unterrichtsbeginn wurde gebetet, Predigten wurden wiederholt und Bibelauslegungen behandelt. Der eigentliche Unterricht umfasste Latein, Griechisch und Hebräisch, inzwischen aber ebenso Deutsch, Geschichte und Geographie. Es gab vier Klassen, wobei in der vierten Klasse Mädchen und Jungen gemeinsam unterrichtet wurden. In dieser am stärksten besuchten Klasse wurden Bildungsgrundlagen wie Lesen, Schreiben und Rechnen unterrichtet. Hinzu kamen der Große und Kleine Katechismus sowie Teile des Neuen Testaments. Außerdem wurden, vermutlich gesondert zu bezahlende, Privatstunden angeboten.

Die Qualität der Schule stand in der Kritik. Zum einen wurde der sehr auf die Antike abstellende Lehrplan kritisiert, der den lokalen Bedürfnissen nicht genügte. Darüber hinaus gab es zwischen den drei Trägern der Schule kontinuierlich Probleme. Jeder Träger stellte zwei Inspektoren. Ein Teil des Schulgebäudes, in dem sich die Wohnung des deutschen Kantors und Lehrers befand, unterstand bezüglich der Baukosten der Deutsch-Reformierten Gemeinde. Der andere Teil, mit den Klassenräumen und weiteren Lehrerwohnungen, wurde von einer Deutsch-Wallonisch gemischten Kommission betreut. Die Kosten hierfür trugen beide Gemeinden gemeinsam. Problematisch war die schlechte Besoldung von Rektor und Lehrern. Das führte zu einer hohen Fluktuation und finanziellen Konkurrenzen zwischen den Lehrern, die wegen des Schulgeldes bemüht waren, möglichst viele Kinder in ihrer Klasse zu haben. Des Weiteren kam es vor, dass der Konrektor Kinder direkt in seine Klasse aufnahm und so den Rektor um die Einschreibegebühr brachte. In den einzelnen Klassen bestanden große Altersunterschiede. So wurden in der 3. Klasse Kinder mit einem Alter zwischen 7 und 14 unterrichtet.

Insgesamt war die Schülerzahl eher gering, da Eltern vielfach andere Schulen wählten. 1726 befanden sich in der ersten Klasse sieben und in der Zweiten elf Schüler. Die Schüler blieben über mehrere Jahre in der jeweiligen Klasse. 1755 wird die Gesamtzahl der Schüler mit 80, 1756 mit 65 und 1757 wieder mit 84 angegeben. Die Altersunterschiede sind weiterhin enorm, die jüngste Schülerin ist 1755 erst drei.

1754 wurde entschieden, dass in den Klassen zweimal wöchentlich Zeitungen gelesen und die Lehrer das Gelesene erläutern sollten. Ab 1761 wurden öffentliche, feierlich umrahmte Redeübungen der Schüler eingeführt. mini|Scherenschnitt von Rektor Cassel, 1777 Die Schülerzahl pendelte auch in den nächsten Jahren in diesem Bereich, wobei die ersten, höheren Klassen auffällig wenige Schüler hatten. So hatte die erste Klasse 1759 vier, 1760 dann sogar nur drei Schüler. Der mangelnden Attraktivität wollte man damit begegnen, dass das Pfälzer-Kolonie-Stipendium zukünftig nur noch an Schüler vergeben werden sollte, die alle vier Klassen durchlaufen hätten und in der ersten zumindest zwei Jahre lang gewesen wären. Der König wies dies jedoch zurück. Es bräuchte nicht solcher Zwangsmittel, sondern Veränderungen an der Schule. Rektor Johann Philipp Cassel hatte bereits 1748 vorgeschlagen, die Schule in eine Realschule umzuwandeln. Er verwies darauf, dass der Unterrichtsstoff sogenannter lateinischer Schulen, für Schüler die dann ja später doch eher im Handwerk bzw. im Handel beruflich tätig würden, nicht hilfreich sei. Er schlug vor, zumindest eine Realklasse einzurichten, in der Französisch, Mathematik, Physik, Zeichnen und Theorie zu unterrichten sei. Später könnten noch Botanik, Anatomie und Ökonomie hinzutreten. Der Vorschlag wurde jedoch nicht verwirklicht, unter anderem wahrscheinlich, weil Cassel kurz darauf aus eigenem Antrieb die Schule verließ. Das Problem blieb bestehen. 1762 waren in der ersten Klasse nur drei Schüler, in der zweiten vier, in der dritten zwölf, in der vierten aber 46. Anlässlich einer Inspektion, die Konsistorialrat Küster auf Veranlassung des Berliner Kirchendirektoriums vorzunehmen hatte, schlug Rektor Els 1768 wieder ähnliche Veränderungen vor. Danach sollte die völlig dominierende Stellung des Lateinunterrichts eingeschränkt werden. Griechisch und Hebräisch wollte er beibehalten, Deutsch deutlich betonen. Desgleichen sah er Fächer wie Mathematik, Physik, Logik, Geschichte, Arithmetik, Lesen, Schreiben und Gesang vor. Doch auch diese Initiative fruchtete nicht.

1769 wurden dann auch in der zweiten und dritten Klasse die Fächer Geschichte und Erdkunde in den Lehrplan aufgenommen. Der Bildungsstand wurde weiter beklagt. Ein Zehnjähriger etwa, der zwar in lateinischer Grammatik und Etymologie unterrichtet wurde, konnte tatsächlich noch gar nicht lesen. 1771 wird über die Orthographie und Kalligraphie der Schüler geklagt. 1775 wurde Französisch-Unterricht eingeführt, der bis dahin wahrscheinlich nur in Privatstunden unterrichtet worden war. Mangels Nachfrage wurde das Angebot jedoch bereits 1776 zunächst wieder eingestellt.

Wie in der Zeit üblich, gab es auch körperliche Züchtigungen von Schülern, sie waren allerdings dem Rektor anzuzeigen. Da die Schüler bei Verlassen der Schule sehr laut waren, wurde 1776 ein Lehrer angewiesen, sich bei Schulende jeweils in den Torweg zu stellen, um den Lärm zu verhindern.

In Fortführung vergangener Reformversuche ergab sich eine weitere Diskussion über die zukünftige Ausrichtung der Schule. 1775 wandte sich Konsistorialrat Küster, in Vorbereitung des 100-jährigen Jubiläums der Gemeinde von 1781, an die Verantwortlichen der Schule und schlug wiederum Veränderungen vor. Zentraler Kritikpunkt war, dass der Unterrichtsstoff auf ein späteres Studium der Kinder ausgerichtet sei, obwohl dies nur eine verschwindend geringe Zahl der Schüler tatsächlich anstrebe. Außerdem seien die zur Verfügung stehenden Mittel, insbesondere die Zahl der Lehrkräfte, völlig unzureichend. Zugleich würden die für den zukünftigen Lebensweg der Schüler tatsächlich sinnvollen Kenntnisse nicht vermittelt. Während die beiden als Schulträger fungierenden Kirchengemeinden Veränderungen offen gegenüberstanden, wollte der Magistrat der Pfälzer Kolonie den Charakter als gelehrte, lateinische Schule bewahren.

Mit der sich andeutenden Verabschiedung des Rektors Els schlug Küster im Jahr 1778 vor, die Position des Rektors wegfallen zu lassen und das so eingesparte Geld für weitere Lehrer aufzuwenden. Während sich dieser Vorschlag nicht durchsetzte, teilte das Kirchendirektorium in Berlin 1779 die Auffassung, dass die Schule in eine Bürger- bzw. Realschule umzuwandeln sei, wogegen sich jedoch die Pfälzer Kolonie wandte. Letztlich wurden ab dem 1. September 1780 weiterhin Fächer für Schüler angeboten, die später studieren wollten. Darüber hinaus sollten auch andere Zugang zu Latein haben, da es Berufe gab, bei denen entsprechende Kenntnisse hilfreich waren. Im Übrigen wollte man gezielt spätere Handwerker ansprechen.Johann Christian Friedrich Berghauer, Magdeburg und die umliegende Gegend, zweiter Band, G. Ch. Keil, Magdeburg, 1801 An Fächern wurden nun Religion, Deutsch, Latein, Griechisch, Hebräisch, Französisch, Schönschreiben, Rechnen, Kaufmännisches Rechnen, Mathematik, Geschichte, Geographie, Naturgeschichte, Singen, Zeichnen und Anfänge der philosophischen Geschichte und der Logik unterrichtet. In der Schule waren vier Lehrer und drei außerordentliche Lehrkräfte tätig. Für die Kinder war Schulgeld zu zahlen, das sich nach Klasse und auch dem gewählten Lernziel staffelte. 1780 wurde in der Großen Marktstraße zusätzlich eine eigene Mädchenschule in alleiniger Trägerschaft der Deutsch-Reformierten Gemeinde gegründet, in der seitdem die Mädchen unterrichtet wurden. Es kam immer wieder vor, dass die Mädchenschule als Teil der Friedrichsschule betrachtet wurde, obwohl ihre Trägerschaft deutlich abwich.

Durch eine testamentarische Verfügung des Landbaumeisters Johann Gottfried Meinecke erhielt die Schule 1780 seine Bibliothek samt Zeichnungen und verschiedenster mathematischer, physikalischer, optischer, hydraulischer und mechanischer Gegenstände. Außerdem stiftete er 1000 Taler, von deren Zinsen ein Lehrer oder Prediger drei Stunden je Woche Unterricht unter Nutzung der überlassenen Instrumente in technischen Fächern geben sollte. 1837 wurden die als veraltet angesehenen Bücher und Instrumente versteigert und der Erlös zur Schulkasse genommen.

Umwandlung in eine Bürgerschule