Piratini ist eine Gemeinde im Bundesstaat Rio Grande do Sul im Süden Brasiliens. Sie liegt im hügeligen Planalto-Gebiet der „Serras do Sudeste“ und erstreckt sich über 3.538,3 km². Mit Stand 2022 betrug die Einwohnerzahl 17.504.

Geschichte Das Gebiet um Piratini wurde ab 1789 durch Siedler aus den Azoren erschlossen, die eine Kapelle zu Ehren der Nossa Senhora da Conceição (Jungfrau Maria) errichteten, die zur Schutzpatronin der Stadt wurde. Am 15. Dezember 1830 wurde die Gemeinde gegründet. Während der Farrapen-Revolution (Guerra dos Farrapos) 1835–1845 erklärte sich Rio Grande do Sul als Riograndensische Republik für unabhängig, und ab dem 6. November 1836 diente Piratini als erste Hauptstadt dieser kurzlebigen Republik. Nach dem Ende des Aufstands 1845 wurde die Stadt wieder in den brasilianischen Zentralstaat eingegliedert. Die Erinnerung an die Zeit als Hauptstadt einer eigenständigen Republik ist allerdings im kulturellen Gedächtnis weiterhin präsent. Seit Mai 2025 ist Piratini jedes Jahr am 20. September die symbolische Hauptstadt von Rio Grande do Sul. An diesem Tag bezieht der Gouverneur seinen Amtssitz und richtet sein Büro im Historischen Museum Farroupilha Barbosa Lessa ein, das einst der Regierungssitz der Republik war.

Demografie Nach der Volkszählung 2022 hatte Piratini 17.504 Einwohner. Die Bevölkerung ist überwiegend ländlich geprägt, nur ein kleiner Teil lebt im Stadtgebiet. Der Zugang zu Bildungseinrichtungen ist mit einer Einschulungsrate (Alter 6–14) von über 99 % hoch. Das Stadtgebiet ist sehr dünn besiedelt, die Dichte beträgt 4,95 Einw./km². Die Einwohner werden „piratinenses“ bezeichnet.

Neben den ersten Siedlern portugiesisch-azorischer Herkunft gehören heute auch andere ethnische Gruppen zur Bevölkerung, wie zum Beispiel Afrobrasilianer (die als Sklavenarbeiter in die Region verschleppt wurden), Spanier, Deutsche und Italiener.

Wirtschaft Die Wirtschaft von Piratini wird dominiert von der Landwirtschaft und Viehzucht. Wichtigste Anbaufrüchte sind Sojabohnen, Mais, Reis und andere Agrarprodukte. Die Soja-Anbaufläche wuchs in den letzten Jahren stark an (2023 etwa 50.000 ha). Viehwirtschaft ist ebenfalls ein bedeutender Wirtschaftszweig – der Rinderbestand umfasste rund 134.000 Tiere (2023) in der Region. Außerdem spielt die Forstwirtschaft eine große Rolle: in Piratini werden Tausende Hektar Kiefern- und Eukalyptusplantagen bewirtschaftet. Das Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt lag 2023 bei etwa 42.525 R$.

Infrastruktur Piratini verfügt über ein einfaches Verkehrsnetz. Wichtige Straßenverbindungen sind Landesstraßen (Rota Estadual), etwa die RS-265, die Piratini mit Canguçu verbindet. Öffentliche Einrichtungen umfassen ein kommunales Krankenhaus (Hospital de Caridade Nossa Senhora da Conceição) und mehrere Schulen.

Sehenswürdigkeiten Piratini verfügt über ein bedeutendes historisches Zentrum mit Gebäuden aus dem 18., 19. und 20. Jahrhundert. Das Zentrum erstreckt sich über 1792 Quadratmeter und umfasst mehrere geschützte Gebäude.

Einzelnachweise

Kategorie:Ort in Rio Grande do Sul Kategorie:Município in Rio Grande do Sul Kategorie:Gemeindegründung 1830