miniatur|Berlin 1536, mit Rabenstein (ganz links) Der Rabenstein vor dem Georgentor (historisch Rabenstein vorm St. Jürgens-Thor) war die zentrale Richtstätte Berlins vom 16. bis zum 18. Jahrhundert.

Lage und Beschreibung miniatur|Berlin 1748, mit Alte Gerichts Platz und Gottes Acker (b3) am alten Frankfurter Tor (gesüdete Karte) Der Rabenstein stand an der Großen Frankfurter Straße etwa einen Kilometer vor dem Georgentor auf einer Anhöhe. Er wurde auf Stadtansichten von Berlin 1536 und 1688 abgebildet und auf einer Karte von 1748 als Alte Gerichts Platz bezeichnet.Schulz-Plan von 1688, über dem rechten letzten Teil der Festung ist auf der Horizontlinie ein kleines Gerüst eingezeichnet, das wie ein M mit einem oberen Querstrich aussieht, unter einer besonders hohen Wolke Nach dessen Entfernung wurde 1716 in dessen Nähe das erste Frankfurter Tor errichtet und 1855 die St. Markus-Kirche. In der Gegenwart verläuft dort der nördliche Gehweg der Karl-Marx-Allee westlich des Strausberger Platzes, etwa am U-Bahn-Ausgang.Zschocke, 2014, S. 66; bis 1969 stand dort in der Nähe die St. Markus-Kirche

Der Rabenstein war ein hohes Holzgerüst mit vier Pfosten und Querbalken, an denen die Verurteilten an Stricken hingen. Im 16. Jahrhundert stand es auf einem runden, gemauerten Sockel.

Geschichte Bekannte Fälle Die erste Hinrichtung ist dort aus dem Jahr 1510 bekannt, als 39 Juden im sogenannten Hostienschändungsprozess verbrannt wurden.Warhafftig Sumarius der gerichts hendel, Frankfurt a. d. Oder, 1511, S. 39, 41 (PDF), mit zwei Holzschnitten zur Verbrennung am Rabenstein Der bekannteste Hingerichtete war Hans Kohlhase im Jahr 1540, der schwere Verwüstungen in mehreren märkischen Orten aus verletztem Gerechtigkeitsempfinden angerichtet hatte und dafür gerädert wurde. 1614 wurde der Galgen repariert.Wochenblatt der Johanniter Ordens-Balley Brandenburg vom 24. Dezember 1889, S. 310 (linke Spalte); zitierte Nachricht über das Repariren von 1614, ohne Herkunftsangaben Aus den Jahren 1653 bis 1666 sind weitere Hinrichtungen überliefert.Wendland'sche Chronik, in Schriften des Vereins für die Geschichte der Stadt Berlin, Band 1, 1856, S. 48, 50, historische Angaben zu den Jahren 1653–1655 und 1666

1701 ordnete König Friedrich eine Verlegung des Gerichts vor dem St. Georgischen Tor in die entferntere Bergstraße an, vorher sollten aber die dort noch hängenden Körper abgenommen werden.Vahldiek, 2011, S. 139, 141, mit Zitat aus historische Originaltext aus dem Geheimen Staatsarchiv Dahlem

Verfahren 1510 wurden die 39 Juden am Neuen Markt an der Marienkirche in einem öffentlichen Gerichtsverfahren verurteilt und danach durch das Georgentor zum Rabenstein geführt, wo sie verbrannt wurden. Im 17. Jahrhundert wurden die Verurteilten meist gehängt oder enthauptet, in schweren Fällen gerädert.Adolf Streckfuß, 500 Jahre Berliner Geschichte, 2. Auflage, Band 1, Berlin 1878, S. 16; in leichteren Fällen wurden auch Todesurteile innerhalb der Stadtmauern vollstreckt, es gab außerdem einen Soldatengalgen am Molkenmarkt Dabei wurde der Verurteilte auf ein Wagenrad gebunden und dann die Knochen von unten an einzeln gebrochen. 1654 wurde ein Mann bereits auf dem Weg zweimal mit glühenden Zangen in die Brüste gekniffen und dann gerädert. Er hatte seine Frau, seine Geliebte und das gemeinsame Kind getötet und versucht, ihr dieses anzulasten.Chronicon Berolinense (= Schriften des Vereins für die Geschichte Berlins, IV), 1870, S. 32; die Berlinische Chronik berichtete zum Jahre 1654 über einen Verurteilten, der bereits dicht vor dem Georgentor das erste Mal geradebrecht (gefoltert) wurde

Die Getöteten wurden oft längere Zeit zur Abschreckung am Galgen hängen gelassen und dann auf dem nahegelegenen Friedhof (Armesündergrund) bestattet.

Verwechselte Standortzuschreibung In einigen Schriften des 19. und 20. Jahrhunderts wurde ein angeblicher Rabenstein auch am Georgenkirchhof an der Georgenkirche dicht vor dem Georgentor vermutet.Hans Jahn, Berlin im Todesjahr des Großen Kurfürsten, 1935, S. 40, lokalisierte einen angeblichen Rabenstein unmittelbar südlich des Georgenkirchhofs an der Landsberger Straße 27 (bzw. 42, an der nordwestlichen Kreuzung mit der Katharinenstraße, vorher Kleine Georgenkirchgasse, wo danach das Hospital zum armen Lazarus und die Rückersche Freischule war), er gibt aber keine Herkunftsangabe an und behauptet fehlerhafterweise, an einem Ort sei gehängt und am anderen Ort geköpft worden (zum Beispiel 1666 geschah aber beides an einem Ort) Dafür gibt es aber keine historischen Belege in Karten oder schriftlichen Zeugnissen. Dieses beruhte auf einer Verwechslung des Friedhofs am Rabenstein, der danach der Gemeindefriedhof der Georgengemeinde war, und des älteren Georgenkirchhofs am Georgenhospital.

Literatur

Hansjürgen Vahldiek: Berlin und Cölln im Mittelalter. Berlin 2011, S. 139–140, mit mehreren Abbildungen Helmut Zschocke: Alt-Berliner Bauten auf Wanderschaft. Berlin 2014. S. 66–69, mit Abbildungen

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Berliner Geschichte Kategorie:Hinrichtungsstätte Kategorie:Karl-Marx-Allee Kategorie:Strafrechtsgeschichte der Frühen Neuzeit