mini|Die Kirche „S. iacobus“ im Plan des Jacopo de’ Barbari, angefertigt um 1500 (Ausschnitt) mini|Ölgemälde von Giovanni Antonio Canal mit Redentorekirche und San Giacomo (rechts) mini|Paolo Veronese: Mariä Himmelfahrt, Öl auf Leinwand, 472 × 302 cm, 1585–1587, Gallerie dell’Accademia mini|Polyptychon des älteren Jakobus, Tempera auf Holztafel, das mittlere Panel misst 109 × 44 cm, um 1450, Gallerie dell’Accademia mini|Die Insel, auf der sich San Giacomo befand, in einer Karte Venedigs aus dem Jahr 1838 (Ausschnitt) San Giacomo, zur Unterscheidung von den anderen, demselben Kirchenpatron geweihten Kirchen der Stadt häufig San Giacomo della Giudecca genannt, war ein Kirchen- und Klosterkomplex auf der Giudecca, einer Inselkette am Südrand des historischen Zentrums der Stadt Venedig. Er entstand als Dankesbezeigung des Signore von Padua ab 1338. Das Kloster wurde 1806 unter Napoleon aufgelöst. Abgerissen wurde die Serviten-Kirche zwischen 1820 und 1837. An sie erinnert noch die Calle S. Giacomo, die die Insel von Norden nach Süden überquert, sowie die Fondamenta S. Giacomo, die von Westen nach Osten führt.

Geschichte Die Kirche entstand auf den im Jahr 1338 testamentarisch niedergelegten Wunsch des Signore von Padua, Marsilio da Carrara (1294–1338). Dies geschah aus Dankbarkeit für die Unterstützung seitens der Republik Venedig, mit deren Hilfe er die Herrschaft über Padua zurückgewonnen hatte. Der Erblasser wünschte sich eine der Mutter Jesu geweihte Kirche in der Lagunenstadt und bestimmte, dass Servitinnen dort in ein Kloster einziehen sollten. Diese Institution wurde unter die Schirmherrschaft des Dogen gestellt – zu dieser Zeit Bartolomeo Gradenigo –, der die Kirche und das Kloster errichten ließ.

Der Komplex wurde als Santa Maria Novella 1343 – Doge wurde in diesem Jahr Andrea Dandolo – fertiggestellt. Erster Prior wurde Lamberto Malascotti. Allerdings wurde die Kirche erst am 26. Oktober 1371 als San Giacomo geweiht.Cesare Augusto Levi: I campanili di Venezia. Notizie storiche, Ferdinando Ongania, Venedig 1890, S. 40 f. An dieser Stelle hatte sich nämlich zuvor ein Oratorium befunden, das nach dem heiligen Jakobus benannt war, so dass die Kirche nach und nach dessen Namen annahm. Die Zahl der Religiosen wurde auf zwölf beschränkt, da dem Haus immer geringere Mittel zur Verfügung standen. Nach Flaminio Corner waren die Nonnen so arm, dass sie von Almosen und erbetteltem Brot leben mussten.Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 460. Im Jahr 1518 wurde der Großteil der Einkünfte des 1466 bei Padua gestifteten Servitenklosters von Villa Bagnoli den Servitinnen der Giudecca zugesprochen, was eine Erweiterung der Klostergebäude ermöglichte. Die Erlaubnis dazu hatte Papst Leo X. erteilt.

Später wurde auf Drängen des Priors Gabriele Dardano beschlossen, die gotische Kirche abzureißen und von Grund auf neu zu errichten. Der Neubau, der 1603 begonnen wurde, zog sich über Jahrzehnte hin, der Initiator sollte die Fertigstellung nicht mehr erleben. Als nämlich Giustiniano Martinioni das Opus Venetia città nobilissima et singolare von Francesco Sansovino 1663 herausgab,Giustiniano Martinioni: Francesco Sansovino. Venetia, città nobilissima, et singolare, descritta in XIIII libri, Steffano Curti, Venedig 1663, S. 252. muss sie gerade fertiggestellt worden sein. Martinioni hatte an der hier entscheidenden Stelle die entsprechenden Ergänzungen vorgenommen, in denen er die Veränderungen seit 1580 beschrieb. Um diese Zeit erhielt die Kirche, die bis dahin keinen Campanile besessen hatte, einen solchen Glockenturm. Insgesamt erhielt die Kirche sieben Altäre.

Das Kloster wurde, wie eine Vielzahl dieser Einrichtungen in Venedig, im Jahr 1806 aufgelöst und das Gebäude konfisziert. Die Mönche zogen bis zur endgültigen Auflösung der Ordensgemeinschaften im Jahr 1809 nach Santa Maria dei Servi in Cannaregio um. Die Kunstwerke in der Kirche wurden meistbietend verkauft, wenn sie nicht für die Krone oder ein Regierungsgebäude bestimmt waren.

Der neue Eigentümer, der dort einen Brennofen errichten wollte, beantragte 1820, obwohl dies bereits zwei Jahre zuvor beschlossen worden war, den Rest des Komplexes abreißen zu dürfen. Nur das kleine Gebäude der Scoletta di San Giacomo sollte stehen bleiben. Doch noch im Jahr 1832 lagen die wertvollen Säulen aus Veroneser rotem Marmor („pietra mandolata“, wie es bei Martinioni heißt) im Chor. Erst 1837 fand der endgültige Abriss der inzwischen verfallenden Ruine statt.

Ende des 19. Jahrhunderts wurden Teile des einstigen Grundbesitzes vom Kloster Trinità der Klarissen eingenommen, die auch eine kleine Kirche errichteten. Dorthin gelangten auch einige der Kunstwerke aus dem abgerissenen Komplex.

Literatur Giuseppe Tassini: Curiosità veneziane, Filippi, Venedig 1979, S. 288. Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 459 f. (Digitalisat) Johann C. Maier: Beschreibung von Venedig, Teil III,1, Gottlieb Hertel, Frankfurt/Leipzig 1791, S. 12–14 („S. Jacopo Maggiore, insgemein St. Giacomo genannt“). (Digitalisat)

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Anmerkungen

Kategorie:Weltkulturerbe Venedig und seine Lagune Giacomo Kategorie:Kirchengebäude im Patriarchat von Venedig Kategorie:Giudecca Kategorie:Abgegangenes Bauwerk in Venetien Venedig Venedig Kategorie:Erbaut 1343 Kategorie:Ehemaliges Servitenkloster Kategorie:Klosterkirche in Italien Kategorie:Zerstört im 19. Jahrhundert Kategorie:Gotische Kirche Kategorie:Bauwerk der Gotik in Venedig