Ludolf von Enschringen (* 1445; † 3. Mai 1504 in Trier) war ein Kurtrierischer Kanzler, Stiftspropst, Domkanoniker und Trierer Universitätsrektor.

Leben mini|hochkant|Familienwappen derer von Enschringen Geboren wurde er als Sohn von Johann von Enschringen luxemburgischen Adels und Agnes Laudorf aus einem Bitburger Rittergeschlecht in Rittersdorf/Eifel oder Bitburg/Eifel. Seine Mutter gab ihn als 12-Jährigen nach dem frühen Tod des Vaters († 1457) als Professkind in die Benediktinerabtei Echternach. Mit 17 Jahren verließ er heimlich das Kloster, um zu studieren, und immatrikulierte sich 1462 an der Universität Erfurt.Kentenich, S. 128. 1464 erreichte er den Grad des Bakkalaureats, 1466 wurde er zum Magister in den freien Künsten promoviert.Kirchenlexikon, Sp. 294. Danach studierte er Rechtswissenschaft in Padua, in Rom an der städtischen Universität und in Ferrara, wo er 1474 im Zivilrecht promoviert wurde.Kentenich, S. 128. Unmittelbar danach fand er eine Stellung an der Universität Trier und war zudem seit 1473 Pfarrer von Üxheim; eine weitere Pfründe erhielt er als Rektor der Pfarrkirche von Waxweiler. Ende 1474 trat er seine zweite Romreise an und wurde in Rom 1475 zum Doktor des Kirchenrechts promoviert.

Zurück in Trier, wurde er 1476 Rektor der Universität und lehrte gleichzeitig Zivilrecht. Viermal wählte ihn die juristische Fakultät zu ihrem Dekan. Seit 1494 war er Vizekanzler.Kirchenlexikon, Sp. 296. Als weitere Pfründe erhielt er das Dekanat des Trierer Stiftes St. Paulin und die Pfarrei Echternach. 1482 wurde ihm die Trierer Pfarrei St. Maria a. d. Brücke übertragen, 1485 die Propstei von Heiligkreuz vor Mainz, dann auch die Propstei des Trierer Stiftes St. Simeon und 1486 die Universitätspfründe an St. Kastor in Koblenz. Zwei Pfründen gab er an Neffen weiter. 1495 hatte er als weitere Pfründe ein Domkanonikat in Lüttich inne.Kirchenlexikon, Sp. 298.

Ludolf von Enschringen tritt in vielen Urkunden von Rechtsgeschäften in Erscheinung. 1482 ist er erstmals als Kanzler des Trierer Erzbischofs urkundlich nachweisbar,Kentenich, S. 129. 1486 auch als Sprecher des erzbischöflichen Hofgerichts in Koblenz. Er vertrat bei mehreren Anlässen den Erzbischof persönlich und war damit auf dem Höhepunkt seiner Karriere angelangt. 1503 ist von ihm als „Altkanzler“ die Rede.Kirchenlexikon, Sp. 300.Kentenich, S. 129.

1485/88 gründete er das Kreuzherrenkloster Helenenberg bei Welschbillig/Eifel, wo er im Kirchenchor bestattet wurde; sein Epitaph, im 19. Jahrhundert noch vorhanden, ist verlorengegangen.Kirchenlexikon, Sp. 307.

Das Familienwappen ist achtmal von Rot und Gold geteilt, darauf ein schwarzer, nach rechts aufgerichteter Löwe.Kirchenlexikon, Sp. 292.Kentenich, S. 134.

Literatur Enschringen, Ludolf. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon. Bd. 35, Nordhausen: Bautz 2014, Sp. 292–311. Gottfried Kentenich: Ludolf von Enschringen. In: Trierer Zeitschrift. Vierteljahreshefte für Geschichte und Kunst des Trierer Landes und seiner Nachbargebiete. Bd. 6 (1931/32), S. 126–134. Michael Matheus: Ludolf von Enschringen. Ein Humanist zwischen Trier und Rom. In: Pro multis beneficiis. Festschrift für Friedhelm Burgard (Forschungen zur Geschichte der Juden und des Trierer Raums). Trier 2012, S. 349–268. Emil Zenz: Ludolf von Enschringen. Humanismus und Trierer Universität. In: Die Eifel. 84 (1989), S. 175–176. Edmund Lichter: Ludolf von Enschringen. Humanist, kurtrierischer Kanzler und Stifter Helenenbergs. In: 1988. Kreis Trier-Saarburg 1988. Ein Jahrbuch zur Information und Unterhaltung. Tier 1988, S. 132–141. Ludolf von Enschringen, Humanist, Universitätsdirektor und kurtrierischer Kanzler (um 1450–1504). In: Peter Neu (Hg.): Bitburger Persönlichkeiten. Frauen und Männer aus 2000 Jahren Bitburger Geschichte. Bitburg 2006, S. 20–23.

Einzelnachweise

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