Bhanwari Devi (; * 1951 oder 1952) ist eine indische Menschenrechtlerin, deren Vergewaltigung im Jahr 1992 zu einem Schlüsselfall der indischen Frauenbewegung wurde. Ihr Fall führte 1997 zu Leitlinien des Obersten Gerichts gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz und wurde zum Vorläufer des Gesetzes Sexual Harassment of Women at Workplace (Prevention, Prohibition and Redressal) Act, 2013.
Leben Im Jahr 1992 arbeitete Devi als saathin, also als Mitarbeiterin eines staatlichen Frauenprogramms, und war in Bhateri mit Aufklärung zu Hygiene, Familienplanung, Mädchenbildung, Mitgift und Kinderehen befasst. Als sie versuchte, die Verheiratung eines neun Monate alten Mädchens während des Akha-Teej-Festes zu verhindern, griffen Behörden zwar ein, die Ehe wurde jedoch dennoch vollzogen. Danach wurde sie im Dorf boykottiert; ihre Töpferwaren und Milch wurden gemieden, ihr Mann angegriffen und die Familie bedroht. Am 22. September 1992 wurde sie bei der Feldarbeit zusammen mit ihrem Mann überfallen und vergewaltigt, nachdem ihr Mann festgehalten und misshandelt worden war. Die Aufnahme ihrer Anzeige verzögerte sich, die medizinische Untersuchung erfolgte erst 52 Stunden später, und 1995 sprach ein Gericht in Jaipur alle fünf Angeklagten frei. Seit dem Tod ihres Mannes Mohan Lal Prajapat im Jahr 2020 lebt sie in Bhateri.
Wirken Der Freispruch der Angeklagten löste neue Proteste aus, und vier Frauenorganisationen – Vishakha, Women’s Rehabilitation Group, Jagori und Kali for Women – brachten den Fall vor das Oberste Gericht. Das Gericht formulierte daraufhin Leitlinien gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz. Diese Leitlinien wurden zum Vorläufer des Gesetzes Sexual Harassment of Women at Workplace (Prevention, Prohibition and Redressal) Act, 2013. Über den konkreten Rechtsfall hinaus wurde Devi damit zu einer Symbolfigur eines stärker von ländlichen und marginalisierten Frauen getragenen Feminismus in Indien. Im Jahr 2019 nahm sie am der zweimonatigen Dignity March Überlebender sexualisierter Gewalt durch 24 Bundesstaaten teil und setzte ihre Aufklärungsarbeit fort. Frauen aus ganz Rajasthan suchten ihren Rat und Devi rief dazu auf, das Schweigen zu brechen und für Gerechtigkeit zu kämpfen. Obgleich ihr persönlicher Strafprozess keine Verurteilungen hervorbrachte, gilt ihr Kampf bis heute als einer der wichtigsten Ausgangspunkte des indischen Schutzes vor sexueller Belästigung am Arbeitsplatz.
Einzelnachweise
Kategorie:Menschenrechtsaktivist (Indien) Kategorie:Inder Kategorie:Geboren im 20. Jahrhundert Kategorie:Frau