Dame mit Dienstmagd und Brief ist ein von Jan Vermeer um 1666 geschaffenes Ölgemälde. Das 90,2 Zentimeter hohe und 78,7 Zentimeter breite Bild zeigt eine Dame mit ihrer Magd, die ihr einen Brief reicht. Das Werk befindet sich in der Frick Collection in New York. Bildbeschreibung Das Bild zeigt eine Dame, welche beim Verfassen eines Briefes von ihrer Dienstmagd unterbrochen wird. Die Dame hat blondes, gelocktes Haar, welches zu einer aufwendigen Hochsteckfrisur geflochten ist. In diese Frisur ist ein weiß verziertes Band eingearbeitet, was mit ihren Perlohrringen und ihrer Perlenkette harmoniert. Sie trägt ein gelbes Kleid, über welchem sie wiederum ein gelbes Jäckchen mit Pelzbesatz trägt. Ihre linke Hand berührt nachdenklich und besorgt ihr Kinn. Ihre rechte Hand ruht noch mit dem Stift in der Hand auf dem Brief, den sie zuvor angefangen hat zu schreiben. Neben dem Brief befindet sich eine verzierte Kiste sowie ein Tablett mit Gefäßen auf dem Tisch, welcher mit einem dunkelblauen Stoff bedeckt ist und somit einen Kalt-Warm-Kontrast zu der gelben Kleidung der Dame herstellt.

Den Blick hat die Dame mit blassem Teint ihrer Dienstmagd zugewandt, welche sich im Bildmittelgrund links von ihr befindet und ihr einen Brief reicht. Im Gegensatz zu der Dame, welche in hellen Farben dargestellt ist, überwiegen bei der Darstellung der Magd dunkle Farben. Somit ist zwischen den beiden Personen ein Hell-Dunkel-Kontrast gegeben. Sie trägt ein braunes Kleid, über welchem sie eine dunkelblaue Schürze gebunden hat. Ihr Teint ist etwas dunkler als der der Dame. Sie hat braunes Haar und gerötete Wangen.

Durch die dunkle Kleidung setzt sich die Dienstmagd nur schwach vom Hintergrund ab, welcher lediglich aus einem dunklen Braunton besteht. Es zeichnen sich wenige Falten im Hintergrund ab, weshalb angenommen werden kann, dass es sich bei dem Hintergrund um einen Vorhang handelt. In der Gesamtbetrachtung wird durch die Dame im Vergleich zu ihrer Umgebung dadurch ein Quantitätskontrast geschaffen.

Das Licht fällt durch ein großes Fenster links außerhalb des Bildes ein. Das Fenster ist nicht direkt im Bild sichtbar, spiegelt sich jedoch auf der Oberfläche der Gläser auf dem Tablett wider.

Für viele niederländische Maler der Zeit war die Darstellung einer Dame mit ihrer Dienstmagd ein beliebtes Motiv. Vermeer verwendete es ebenfalls in seinem späteren Werk Briefschreiberin und Dienstmagd. Die Thematik des Briefschreibens wird von Vermeer bereits in früheren Werken, wie in Briefschreiberin in Gelb aufgegriffen. Die Kombination aus beiden Motiven findet erneut in Der Liebesbrief Verwendung und weist eine starke Ähnlichkeit zu Dame mit Dienstmagd und Brief in der Darstellung der Kleider auf.

Änderungen in Farbe und Komposition Im Jahr 1968 untersuchte Hermann Kühn das Gemälde Dame mit Dienstmagd und Brief auf Veränderungen der Bildkomposition und Farbverwendung. Dabei konnte mittels Makro-Röntgenfluoreszenz nachgewiesen werden, dass Vermeer die ursprüngliche Komposition, eine detailliert ausgearbeitete Personengruppe aus mindestens vier Figuren, verwarf. Es wird angenommen, dass Vermeer sich für einen schlichten, dunklen Hintergrund entschied, um den Fokus ausschließlich auf die Interaktion der beiden Frauen zu legen.

Untersuchungen unter einem Stereomikroskop zeigten, dass der Vorhang als auch die Tischdecke ursprünglich eine grüne Farbe besaßen. Durch das Verblassen eines gelben Lacks in der ultramarinen Glasur, die im Bereich der Tischdecke aufgetragen wurde, erscheint die Decke nun bläulich. Für die Darstellung des Vorhangs wurde ein Grünpigment auf Kuperbasis verwendet, welches sich im Laufe der Zeit verfärbte und zu der heutigen Farbgebung beitrug.

Provenienz Das Gemälde wurde erstmals am 16. Mai 1696 in Amsterdam unter der Beschreibung „eine junge Frau, der ein Brief von einer Magd gebracht wird“ an Jacob Oortman und dessen Sohn Hendrik Oortman verkauft. Am 16. Januar 1809 wurde das Gemälde in Paris für 600 Franc an den Kunsthändler Jean-Baptiste-Pierre Le Brun verkauft. In Paris wechselte das Werk mehrmals den Besitzer. Nachdem es sich zwischenzeitig in Marseille befunden hatte, wurde es 1889 von Charles Sedelmeyer erworben. Sedelmeyer verkaufte Dame mit Dienstmagd und Brief an A. Paulovtsof in Sankt Petersburg.

Um 1905 wurde das Gemälde in London ausgestellt, bevor es ein Jahr später von James Simon erworben wurde. Im Jahr 1919 wurde Dame mit Dienstmagd und Brief von Henry Clay Frick für fast 300 Tausend Dollar aus Den Haag erworben. Bis 2021 befand es sich im Henry Clay Frick House, danach wurde es in die Frick Collection aufgenommen.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Gemälde von Jan Vermeer Kategorie:Gemälde (17. Jahrhundert) Kategorie:Frauendarstellung (Gemälde) Kategorie:Briefwesen