Die Kommunalwahlen im Ruhrgebiet 1999 fanden im Zuge der Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen 1999 am 12. September 1999 statt. Der Spiegel sprach in Bezug auf die Ergebnisse von einem „schwarzen Tag für die SPD“. Es war das erste Mal das bei Kommunalwahlen im Ruhrgebiet die CDU die meisten Stimmen erhielt. Es war zudem die erste Wahl bei der nicht mehr die 5-%-Hürde für Stadträte, Kreistage und Bezirksvertretungen galt und bei dem die Landräte und (Ober-)Bürgermeister direkt gewählt wurden.
Kreistags- und Stadtratswahlen
Kreisfreie Städte
Bochum
In Bochum konnte die SPD trotz massiven Verlusten stärkste Kraft bleiben. Aufgrund des Verlustes der absoluten SPD-Mehrheit bildete sich im Bochumer Stadtrat eine Rot-Grüne Koalition, die im Stadtrat über eine knappe Mehrheit mit 34 von 66 Sitzen verfügt. Partei / Wählergruppe Stimmenanteil Sitze Sitzanteil Sozialdemokratische Partei Deutschlands 41,3 % (−9,2 %) 27 (−11) 40,9 % Christlich Demokratische Union Deutschlands 40,5 % (+11,1 %) 27 (+5) 40,9 % Bündnis 90/Die Grünen 10,6 % (−2 %) 7 (−2) 10,6 % UWG Wattenscheid 4,5 % (+2 %) 3 (+3) 4,5 % Freie Demokratische Partei 2,9 % (+1,2 %) 2 (+2) 3,3 % Gesamt 100,0 % 66 (−3) 100,0 %
Bottrop
Bottrop gilt als Hochburg der Kleinparteien ÖDP und DKP. Die ÖDP wurde 1999 sogar drittstärkste Kraft hinter CDU und SPD und überholte die Grünen. Die DKP zog, nach dem Ausscheiden 1994, wieder in den Stadtrat ein. Die CDU wurde stärkste Kraft vor der SPD, welche ihre bisherige absolute Ratsmehrheit verlor. Partei / Wählergruppe Stimmenanteil Sitze Sitzanteil Christlich Demokratische Union Deutschlands 42 % (+10,2 %) 24 (+3) 41,4 % Sozialdemokratische Partei Deutschlands 40,2 % (−12,3 %) 23 (−11) 39,7 % Ökologisch-Demokratische Partei 6,4 % (+4,4 %) 4 (+4) 6,9 % Bündnis 90/Die Grünen 4,5 % (−2,3 %) 3 (−1) 5,2 % Deutsche Kommunistische Partei 4,4 % (+0,6 %) 3 (+3) 5,2 % Freie Demokratische Partei 2,5 % (+0,6 %) 1 (+1) 1,7 % Gesamt 100,0 % 58 (−1) 100,0 %
Dortmund
In Dortmund verlor die SPD ihre Mehrheit im Stadtrat. Nach der Stadtratswahl schlossen sich CDU und Grüne zu einer Schwarz-Grünen Koalition zusammen, nach dem Vorbild der Schwarz-Grünen Koalition im Stadtbezirk Hombruch von 1994 bis 1999, um den CDU-Kandidaten für die OB-Stichwahl, Volker Geers, zu unterstützen. Nach dem dieser jedoch die Stichwahl gegen den SPD-Kandidaten Gerhard Langemeyer velor, zerbrach die Koalition mangels Geschäftsgrundlage. Oberbürgermeister Langemeyer regierte in den folgenden Jahren mit wechselnden Mehrheiten. Partei / Wählergruppe Stimmen Stimmenanteil Sitze Sitzanteil Christlich Demokratische Union Deutschlands 101.617 41,7 % (+11,3 %) 34 (+7) 41,5 % Sozialdemokratische Partei Deutschlands 99.819 41,0 % (−10,4 %) 34 (−12) 41,5 % Bündnis 90/Die Grünen 24.156 9,9 % (−2,3 %) 8 (−2) 9,8 % Bürger STATT Politiker 6.363 2,6 % (+1,0 %) 2 (+2) 2,4 % Deutsche Volksunion 4.897 2,0 % (+2,0 %) 2 (+2) 2,4 % Freie Demokratische Partei 4.347 1,8 % (−0,3 %) 1 (+1) 1,2 % Linkes Bündnis Dortmund (Parteilose Linke, DKP und PDS) 2.346 1,0 % (+1,0 %) 1 (+1) 1,2 % Gesamt 243.545 100,0 % 82 (−1) 100,0 %
Duisburg
In Duisburg musste die SPD mit einer der höchsten Stimmverluste in ganz NRW hinnehmen (−13,2 %), trotzdem bleib sie mit einem recht deutlichen Vorsprung stärkste Kraft vor der CDU, welche wiederum mit einer der stärksten Stimmgewinne in ganz NRW erzielen konnte Partei / Wählergruppe Stimmenanteil Sitze Sitzanteil Sozialdemokratische Partei Deutschlands 45,3 % (−13,2 %) 34 (−12) 45,9 % Christlich Demokratische Union Deutschlands 41,5 % (+12,8 %) 31 (+9) 41,9 % Bündnis 90/Die Grünen 6 % (−2,7 %) 4 (−3) 5,4 % Partei des Demokratischen Sozialismus 4,2 % (neu) 3 (neu) 4,1 % Freie Demokratische Partei 2,6 % (+0,9 %) 2 (+2) 2,7 % Gesamt 100,0 % 74 (−1) 100,0 %
Essen
Den wohl extremsten Umschwung von SPD zu CDU gab es Essen: Während zuvor die SPD mit knapp 50 % die absolute Mehrheit im Stadtrat hielt, brach diese 1999 völlig ein und erreichte nur noch 35 %, während die CDU fast 16 % dazugewinnen konnte und ein ähnliches Ergebnis erreichte wie die SPD 1994. Aufgrund der Abschaffung der 5-%-Hürde verpasste die CDU jedoch haarscharf die absolute Mehrheit im Stadtrat. Partei / Wählergruppe Stimmenanteil Sitze Sitzanteil Christlich Demokratische Union Deutschlands 49,4 % (+15,8 %) 40 (+10) 48,8 % Sozialdemokratische Partei Deutschlands 35 % (−14,3 %) 29 (−15) 35,6 % Bündnis 90/Die Grünen 8,1 % (−2,8 %) 7 (−2) 8,5 % Freie Demokratische Partei 2,9 % (+0,1 %) 2 (+2) 2,4 % Partei des Demokratischen Sozialismus 2,5 % (neu) 2 (neu) 2,4 % Die Republikaner 2,1 % (neu) 2 (neu) 2,4 % Gesamt 100,0 % 82 (−1) 100,0 %
Gelsenkirchen
In Gelsenkirchen verlor die SPD das erste und bislang (2026) einzige Mal die relative Mehrheit im Stadtrat an die CDU. Partei / Wählergruppe Stimmenanteil Sitze Sitzanteil Christlich Demokratische Union Deutschlands 41,9 % (+12,9 %) 28 (+8) 42,4 % Sozialdemokratische Partei Deutschlands 41,6 % (−14,1 %) 27 (−13) 40,9 % Bündnis 90/Die Grünen 6 % (−3,9 %) 4 (−3) 6,1 % Die Republikaner 3,1 % (−0,4 %) 2 (+2) 3 % Partei des Demokratischen Sozialismus 2,7 % (neu) 2 (neu) 3 % AUF Gelsenkirchen 2,4 % (neu) 2 (neu) 3 % Freie Demokratische Partei 2,1 % (+0,6 %) 1 (+1) 1,5 % Gesamt 100,0 % 66 (−1) 100,0 %
Hagen
In Hagen verlor die SPD ihre absolute Ratsmehrheit und musste auch die relative Ratsmehrheit an die CDU abgeben. Partei / Wählergruppe Stimmenanteil Sitze Sitzanteil Christlich Demokratische Union Deutschlands 45,5 % (+10 %) 27 (+10) 46,7 % Sozialdemokratische Partei Deutschlands 39,8 % (−8,9 %) 23 (−8) 39,7 % Bündnis 90/Die Grünen 5,9 % (−2,3 %) 3 (−2) 5,2 % Freie Demokratische Partei 4,6 % (+1,4 %) 3 (+3) 5,2 % Die Republikaner 3,2 % (+0,7 %) 2 (+2) 3,4 % Gesamt 100,0 % 58 (−1) 100,0 %
Hamm
In Hamm verlor die bisherige Rot-Grüne Koalition, aufgrund von hohen Stimmgewinnen der CDU, Stimmverlusten bei der SPD und dem Wegfall der 5-%-Hürde, ihre Mehrheit. Daraufhin bildete die CDU, die die absolute Mehrheit knapp verpasst hatte, eine Schwarz-Gelbe Koalition mit der FDP. Partei / Wählergruppe Stimmenanteil Sitze Sitzanteil Christlich Demokratische Union Deutschlands 49,6 % (+7,5 %) 29 (+3) 50 % Sozialdemokratische Partei Deutschlands 35,8 % (−5,7 %) 21 (−5) 36,2 % Freie Wählergemeinschaft 6,8 % (+1,6 %) 4 (+1) 6,9 % Bündnis 90/Die Grünen 5,4 % (−1,2 %) 3 (−1) 5,2 % Freie Demokratische Partei 2,4 % (+0,7 %) 1 (+1) 1,7 % Gesamt 100,0 % 58 (−1) 100,0 %
Herne
In Herne blieb die SPD trotz starker Verluste mit einem relativ großen Vorsprung vor der CDU stärkste Kraft. Partei / Wählergruppe Stimmenanteil Sitze Sitzanteil Sozialdemokratische Partei Deutschlands 44,5 % (−13,5 %) 26 (−10) 44,8 % Christlich Demokratische Union Deutschlands 40,1 % (+11,3 %) 23 (+5) 39,7 % Bündnis 90/Die Grünen 6,4 % (−2,9 %) 4 (−1) 6,9 % Die Republikaner 3,7 % (+1,1 %) 2 (+2) 3,4 % Partei des Demokratischen Sozialismus 3,7 % (neu) 2 (neu) 3,4 % Freie Demokratische Partei 1,8 % (+0,5 %) 1 (+1) 1,7 % Gesamt 100,0 % 58 (−1) 100,0 %
Mülheim an der Ruhr In Mülheim konnte die SPD entgegen dem Trend zulegen. Zurückzuführen ist dies vermutlich auf die vorherige Kommunalwahl 1994: Im Gegensatz zu den anderen Ruhrgebietsstädten fand der Verlust der SPD-Mehrheit und der Regierungswechsel bereits 1994 statt. Mülheim war somit die einzige kreisfreie Stadt im Ruhrgebiet in der die SPD in Opposition zur Schwarz-Grünen Stadtregierung stand. Die veränderte Ausgangslage sorgte höchstwahrscheinlich dafür, dass die SPD in Mülheim zulegen konnte, somit war sie auch die einzige Partei in Mülheim, die die 40-%-Marke überschritt. Partei / Wählergruppe Stimmenanteil Sitze Sitzanteil Sozialdemokratische Partei Deutschlands 42,3 % (+1,6 %) 22 (−4) 42,3 % Christlich Demokratische Union Deutschlands 39,3 % (+1,9 %) 20 (−4) 38,5 % Freie Demokratische Partei 6,8 % (+3,1 %) 4 (+4) 7,7 % Bündnis 90/Die Grünen 6 % (−8,7 %) 3 (−6) 5,8 % Mülheimer Bürgerinitiativen 5,5 % (neu) 3 (neu) 5,8 % Gesamt 100,0 % 52 (−7) 100,0 %
Oberhausen In Oberhausen fielen die Verluste zwar hoch aus, dennoch deutlich niedriger als im Durchschnitt. Die SPD hatte nach wie vor die absolute Stimmenmehrheit. Im Stadtrat hielt sie zwar nur noch die Hälfte der Sitze, hatte jedoch mit der Stimme des Oberbürgermeisters Burkhard Drescher (SPD) die absolute Mehrheit im Stadtrat. Oberhausen war somit die einzige kreisfreie Stadt im Ruhrgebiet in der die SPD ihre absolute Mehrheit, trotz starker Verluste, verteidigen konnte. Darüber hinaus erzielte die SPD in Oberhausen ihr bestes Ergebnis in NRW. Partei / Wählergruppe Stimmenanteil Sitze Sitzanteil Sozialdemokratische Partei Deutschlands 50,1 % (−7,6 %) 29 (−8) 50 % Christlich Demokratische Union Deutschlands 37,9 % (+8,5 %) 22 (+4) 37,9 % Bündnis 90/Die Grünen 5,9 % (−1 %) 3 (−1) 5,2 % Partei des Demokratischen Sozialismus 3,2 % (neu) 2 (neu) 3,4 % Freie Demokratische Partei 3 % (+0,2 %) 2 (+2) 3,4 % Gesamt 100,0 % 74 (−1) 100,0 %
Siehe auch Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen 1999
Einzelnachweise
Ruhrgebiet #1999